Hamburg

Arko setzt auf das große Glück

Hamburg.  Die Zukunft des Kaffee- und Süßwarenhändlers Arko ist an der Eppendorfer Landstraße in Hamburg zu besichtigen. Das Unternehmen hat dort eine neue Filiale eröffnet – es ist die 205. im Verbreitungsgebiet der Ladenkette in Nord- und Ostdeutschland. Und sie ist die Blaupause dafür, wie die meisten Filialen in zwei Jahren aussehen werden. Das Ziel steht in geschwungenen Lettern über dem Schaufenster: „Die Glücklichmacherei“. Geschäftsführer Patrick G. Weber erklärt den Namen: „Wir möchten, dass die Kunden aus dem Laden gehen und sagen: Da ist es toll. Und im Idealfall erzählen sie das dann weiter.“ Hauptgesellschafter der Confiserie-Kette ist die Familie Morzynski, der auch das Grand Hotel Heiligendamm gehört.

Mehr als ein Jahr hat es gedauert, das neue Ladenkonzept zu entwickeln. Erst wenige Monate bevor ein dänischer Designer die Entwicklungsarbeit begann, hatte Arko 35 Eilles-Teegeschäfte vom Hamburger Kaffeeröster J.J. Darboven übernommen. Im Gegenzug übernahm Darboven die Arko-Kaffeerösterei. Das Röstereigeschäft ist mittlerweile nach Hamburg verlagert worden. Die Arko-Kaffees werden bei Darboven geröstet.

Seinerzeit hatte Geschäftsführer Weber eine Ausweitung des Filialnetzes auf 275 Arko- und Eilles-Geschäfte angekündigt. Doch die Expansion wurde damals zurückgestellt. „Wir wollten keine neuen Filialen mit der alten Strategie und einem nicht mehr gegenwärtigen Konzept eröffnen“, sagt Weber. Zumal es Hinweise gab, dass die alte Strategie auf Dauer nicht trage. In Berlin gibt es acht Standorte.

Die Umsätze der vor 70 Jahren von der Hamburger Kaffee-Dynastie Rothfos gegründeten Arbeitsgemeinschaft für den Vertrieb von Konsumgütern waren in den Jahren vor der Eilles-Übernahme rückläufig, Arko schrieb rote Zahlen: 2015 belief sich der im Geschäftsbericht ausgewiesene Jahresfehlbetrag auf fast 1,7 Millionen Euro, 2016 waren es knapp 560.000 Euro.

Und auch die Zahl eigener Filialen und derjenigen, die von Franchisenehmern geführt werden, war tendenziell rückläufig. Derzeit wird noch ein knappes Drittel der Arko-Filialen von selbstständigen Kaufleuten geführt. Der Umsatz, sagt Weber, sei im vergangenen Jahr nach der Integration der Eilles-Läden auf gut 68 Millionen Euro angewachsen. Ob das Unternehmen 2017 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt sei, stehe noch nicht endgültig fest. „Wir rechnen noch.“

Sicher ist: Das neue Ladenkonzept erfordert in den nächsten zwei bis zweieinhalb Jahren hohe Investitionen. „Bis zu zehn Millionen Euro werden wir wohl brauchen“, sagte Weber dieser Zeitung. So gut wie alles wird moderner und neu gemacht: neue Inneneinrichtung, neue Kundenführung durch das Geschäft, ein eigens konzipiertes Musikprogramm, neue Produkte, von denen viele der klassischen ­Arko-Artikel wie Kekse, Pralinen und Trüffel in Geschenkverpackungen präsentiert werden. Aussortiert wurde auch. Zum Kaffeesortiment etwa gehören künftig nur die gefragtesten Sorten.

Zudem sollen Veranstaltungen die Stammkunden binden und neue Käufer anlocken – wie etwa Afterwork-Weinproben oder Cakepop-Tage mit Keksen am Stiel. Je nach Standort könnten das sehr unterschiedliche Aktionen sein, sagt Weber. So wie auch das Sortiment je nach Standort variieren könne. „In Flensburg sind schokolierte Ingwerstäbchen nicht wegzudenken, in Dresden sind sie eher ein Nischenprodukt.“ Das übergeordnete Ziel lautet: mehr Kunden, mehr Umsatz pro Kunde.

Auch eine leichte Expansion ist wieder geplant. Der Geschäftsführer rechnet mit jeweils vier bis fünf neuen Läden in den nächsten Jahren. „Es gibt noch Lücken im Filialnetz“, sagt Weber. „Wir werden sie schließen, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt.“