Lebensmittel

Online-Lieferdienst von Rewe wirft keinen Gewinn ab

Rewe verdient mit seinem Online-Handel noch kein Geld. Der Konzern konzentriert sich auf 75 Städte und sieht den Ausbau skeptisch.

In Berlin gibt es neben Rewe zahlreiche Anbieter, die Lebensmittel nach Hause liefern.

In Berlin gibt es neben Rewe zahlreiche Anbieter, die Lebensmittel nach Hause liefern.

Foto: imago stock / imago/photothek

Köln.  Der Handelskonzern Rewe ist einer der Vorreiter im Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland. Doch das Engagement zahlt sich für die Supermarktkette nicht aus. „Wir verdienen zurzeit noch kein Geld mit dem Online-Lebensmittelhandel. Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque.

In 75 Städten liefert die Supermarktkette auf Wunsch nach einer Bestellung im Internet frisches Fleisch, Obst und Gemüse bis zur Haustür. Zum Vergleich: Amazon Fresh beliefert bisher nur Kunden in drei Großstädten, der zum Edeka gehörende Lieferdienst Bringmeister ist in zwei Metropolen am Start – beide auch in Berlin.

Online-Handel spielt bei Lebensmitteln eine untergeordnete Rolle

Doch seit einiger Zeit tritt auch Rewe beim weiteren Ausrollen seines Online-Angebots auf die Bremse. „Seit zwei, drei Jahren haben wir die Zahl der Städte, in denen wir Lebensmittel online anbieten, nicht mehr vergrößert. Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, die Qualität in den 75 Städten zu verbessern, wo wir schon präsent sind“, sagt Souque.

Die Zurückhaltung beim weiteren Ausbau hat aber möglicherweise auch noch einen anderen Grund. Denn nach wie vor spielt der Online-Handel bei Lebensmitteln eine untergeordnete Rolle in Deutschland.

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Nach dem „Online-Monitor 2018“ des Handelsverbandes Deutschland (HDE) lag der E-Commerce-Anteil am Umsatz im vergangenen Jahr gerade einmal bei 1,1 Prozent. Inzwischen wachsen deshalb bei einigen Branchenkennern die Zweifel, ob der Online-Handel im Lebensmittelbereich tatsächlich einen ähnlichen Siegeszug antreten wird wie in anderen Branchen.

Angebot nur für spezielle Zielgruppen interessant

„Trotz aller Bemühungen des Handels scheint der Boden steiniger als erwartet“, schrieb etwa kürzlich die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Studie. Auch der E-Commerce-Experte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) ist unsicher, ob sich der Online-Lebensmittelhandel noch zum Massenmarkt entwickeln wird. Möglicherweise sei das Angebot doch nur für spezielle Zielgruppen interessant.

„Kein Mensch weiß, wie sich der Online-Handel mit Lebensmitteln in den nächsten Jahren entwickelt. Alle zwei Jahre werden alle Prognosen dazu wieder über den Haufen geworfen“, räumt Souque ein. Sicher sei aber, der Online-Handel mit Lebensmitteln werde nicht so klein bleiben, wie er heute sei. „Er wird wachsen, aber wie schnell und wie stark, das kann keiner sagen.“

Drei Faktoren bremsen Bereitschaft der deutschen Verbraucher

Viele Branchenkenner hatten damit gerechnet, dass der US-Internetgigant Amazon mit dem Start seines Lieferdienstes Amazon Fresh vor einem Jahr die Art und Weise drastisch verändern würde, wie in Deutschland Lebensmittel gekauft werden. Doch die Revolution blieb erst einmal aus.

Für Rewe-Chef Souque ist das allerdings kein Grund zur Entwarnung. „Amazon ist technologisch und finanziell sehr stark. Das ist eine richtige Kraftmaschine. Wer sie unterschätzt, macht einen Fehler“, meint er.

Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Oliver Wyman bremsen vor allem drei Faktoren die Bereitschaft der deutschen Verbraucher, frische Lebensmittel wie Fleisch, Obst oder Gemüse online einzukaufen: Zweifel an der Produktqualität der gelieferten Waren, die langen Lieferzeiten und die oft höheren Preise im Vergleich zum Einkauf im Supermarkt.

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