Verordnung

Wohnungskonzern Vonovia will Parkplatzpflicht abschaffen

Der Wohnungskonzern Vonovia hält die Parkplatzpflicht für nicht zeitgemäß. In den Großstädten fällt es schwer, Parkplätze vorzuhalten.

Viel Platz für parkende Autos – der Wohnungskonzern Vonovia findet das vor allem in Großstädten überflüssig.

Viel Platz für parkende Autos – der Wohnungskonzern Vonovia findet das vor allem in Großstädten überflüssig.

Foto: ewg3D / Getty Images/iStockphoto

Bochum.  Um den schleppenden Wohnungsbau anzukurbeln, fordert Vonovia-Chef Rolf Buch, die Parkplatzpflicht für Bauherren vor allem in Großstädten abzuschaffen. „Die Verordnungen sind nicht mehr zeitgemäß und sehr teuer. Sie gehören auf den Prüfstand“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Wohnungskonzern am Donnerstag in Bochum.

Die 16 Bundesländer und einzelne Kommunen regeln individuell, wie viele Stellplätze pro neu gebauter Wohnung zu schaffen sind. In Großstädten wie Berlin fällt es den Bauherren auch aus Platzgründen aber immer schwerer, Parkplätze vorzuhalten. Durch Zahlung einer Ablösesumme können sich die Eigentümer oft freikaufen. Pro Stellplatz kostet das schon einmal mehr als 10.000 Euro.

Nach Ansicht von Vonovia-Chef Buch hemmt die Stellplatzpflicht Investitionen in Neubauten nicht nur aus Kostengründen. „In Zeiten des Carsharing hat nicht mehr jeder Haushalt zwei Autos“, sagte er. „Wir haben nichts gegen Parkplätze und bauen auch welche. Wir brauchen aber vor allem in den Metropolen mehr Flexibilität.“ Darüber spreche Vonovia mit den Städten. Ob sich an der bestehenden Regelung etwas ändert, ist noch nicht klar.

US-Finanzinvestor in Schweden ausgestochen

Derweil baut der Wohnungskonzern sein Geschäft mit weiteren Zukäufen aus. Nach Österreich und Frankreich expandiert Vonovia nun nach Schweden. Vorstandschef Buch kündigte an, Victoria Park mit rund 13.700 Wohnungen in den Großstädten Stockholm, Malmö und Göteborg übernehmen zu wollen.

Vonovia tritt dabei als „weißer Ritter“ auf, in der Wirtschaft die Bezeichnung für einen Retter. Victoria Park hatte ein Übernahmeangebot des US-Investors Starwood Capital abgelehnt. Die Schweden wandten sich an Vonovia. Mit ihrem Angebot von rund 900 Millionen Euro übertrumpften die Bochumer die Amerikaner, die etwa 100 Millionen Euro weniger für Viktoria Park bezahlen wollten.

Die Entscheidung der Schweden spielt Buch in die Hände. Seit geraumer Zeit will er Vonovia zu einem europäischen Wohnungskonzern ausbauen. Im vergangenen Jahr war das Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax eine Partnerschaft mit dem französischen Konkurrenten CDC habitat eingegangen. Zuvor hatte Vonovia bereits die österreichischen Immobiliengesellschaften Conwert und Buwog gekauft. Letztere kostete 5,2 Milliarden Euro.

Knapp 400.000 Wohnung europaweit

Ohne den geplanten schwedischen Neuerwerb gehören inzwischen 394.000 Wohnungen zu Vonovia. „Wir sind jetzt der mit Abstand größte Wohnungsanbieter in Europa“, sagte Buch. Unter den börsennotierten Firmen gehöre man inzwischen zur Champions League. Bei der Vorlage der Bilanz im Winter hatte der Manager angekündigt, vor allem im europäischen Ausland wachsen zu wollen.

Jetzt gehört auch der schwedische Wohnungsmarkt dazu, der nach Buchs Angaben dem in Deutschland ähnlich ist. „Wir gehen überall dort hin, wo es schön ist, Urlaub zu machen“, sagte Buch mit einem Augenzwinkern.

Beflügelt vor der Integration der 49.000 Buwog-Wohnungen ist Vonovia optimistisch ins Jahr 2018 gestartet. Vorstandsvorsitzender Buch hob am Donnerstag die Prognose für das laufende Jahr an. Vonovia erwartet jetzt einen operativen Gewinn von 1,03 bis 1,05 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von rund 13 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das Unternehmen beschäftigt derzeit insgesamt rund 8500 Mitarbeiter.