Luftfahrt

Deutsche Flughäfen erwarten Passagierrekord in diesem Jahr

Nach der Air-Berlin-Pleite rechnen Experten in diesem Jahr mit Aufwind. Der Flughafenverband spricht von einer „deutlichen Trendwende“.

Auch der Düsseldorfer Flughafen hat im vergangenen Jahr trotz Turbulenzen durch die Pleite von Air Berlin gute Geschäfte gemacht. (Archiv)

Auch der Düsseldorfer Flughafen hat im vergangenen Jahr trotz Turbulenzen durch die Pleite von Air Berlin gute Geschäfte gemacht. (Archiv)

Foto: Oliver Berg / dpa

Berlin.  Deutschlands Flughäfen rechnen in diesem Jahr mit so vielen Passagieren wie noch nie. „Die deutschen Flughäfen blicken optimistisch ins Jahr 2018 und rechnen mit einem Wachstum der Passagiernachfrage von plus 4,2 Prozent“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, unserer Redaktion.

Das lasse für das Gesamtjahr 2018 ein Passagierrekord von 245 Millionen Privat- wie Geschäftsreisenden erwarten, erklärte er. 2017 hatte der Flughafenverband 235 Millionen Passagiere gezählt, im Jahr 2016 noch 224 Millionen.

Flughäfen machen gutes Geschäft – trotz Pleite

Der ADV sieht mit dem seit Ende März geltenden Sommerflugplan eine „deutliche Trendwende“ eingeleitet. Insgesamt werden von Deutschland aus 104 zusätzliche Flugziele im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angeflogen.

Besonders Touristenziele in den USA, der Karibik und den Mittelmeer-Staaten lassen das Streckennetz wachsen, auch neue Verbindungen in die nordafrikanischen Länder Ägypten, Tunesien und Marokko. Das geht aus der ADV-Flugplananalyse 2018 hervor, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Die Einstellung des Flugbetriebs von Deutschlands zweitgrößter Airline Air Berlinam 27. Oktober 2017 hatte über Monate zu einem deutlichen Einbruch im innerdeutschen Flugverkehr geführt. So sank laut Analyse im Winterflugplan 2017/18 die Zahl der Verbindungen zwischen deutschen Städten um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Europa- und Interkontinentalflüge eingerechnet, nahm die Zahl der Starts und Landungen auf den deutschen Airport um 0,8 Prozent ab auf 768.000. „Der Winterflugplan 2017/18 wird uns als ‚Air Berlin-Tal‘ in Erinnerung bleiben“, so Beisel. Den Wettbewerbern sei es trotz intensiver Anstrengungen nicht möglich gewesen, dies sofort zu kompensieren, heißt es zudem in der ADV-Flugplan-Analyse.

Wachstum beim Cargo-Aufkommen

Während des Winterflugplans wuchsen allerdings zwei wichtige Kennzahlen der Branche: Die Passagierzahlen stiegen um 2,8 Prozent auf 80,7 Millionen, Das Cargo-Aufkommen um 4,6 Prozent auf 2,08 Millionen Tonnen.

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Dass sich nun der Wachstumskurs an den deutschen Flughäfen fortsetze, sei „keine Selbstverständlichkeit“, so der ADV-Hauptgeschäftsführer. Die Analyse des Sommerflugplans zeigt, die Insolvenz der Air Berlin durch andere Airlines bereits fast vollständig kompensiert worden ist.

Laut ADV-Analyse werden von den 182 ehemaligen Air-Berlin-Strecken nur 19 nicht mehr bedient. Dies betreffe die früheren Drehkreuze Berlin-Tegel und Düsseldorf mit hauptsächlich Interkontinental-Zielen. Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings hat demnach 23 Prozent der Air-Berlin-Strecken übernommen und damit deutlich mehr als alle anderen Mitbewerber, etwa Tuifly, Condor, Germania, Easyjet und Laudamotion.

Auch eine Warnung an die Branche

Der Flughafenverband verbindet mit der Prognose für das Passagier-Rekordjahr 2018 allerdings auch eine Warnung an die Branche: „Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, müssen an den großen Flughäfen die Kapazitäten in den Terminals und auf der Luftseite angepasst werden“, sagte Beisel. „Auch bedarf es zusätzlicher Verkehrsrechte für ausländische Langstrecken-Airlines“, forderte er. Fluggesellschaften aus dem Ausland, die sich einem fairen Wettbewerb stellen, seien unverzichtbar für Privat- wie Geschäftsreisende.