Stuttgart

Dieselaffäre: Großrazzia bei Sportwagenbauer Porsche

Erstmals wird auch gegen ein aktives Vorstandsmitglied ermittelt

Stuttgart. Wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal haben Staatswaltschaft und Polizei am Mittwoch zahlreiche Standorte des Sportwagenbauers Porsche durchsucht. Mehr als 190 Beamte waren bei der Razzia am Stammsitz des Autobauers im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen, im Entwicklungszentrum in Weissach sowie an zwei Standorten der Konzernschwester Audi im Einsatz. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilte mit, dass sie gegen drei ihr bekannte Beschuldigte ermittele, darunter auch ein aktives Vorstandsmitglied.

Porsche bestätigte, dass Firmenräume durchsucht und Unterlagen sichergestellt worden seien. Um welche Personen es sich handelt, gaben die Strafverfolger nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es gehe neben dem aktiven Vorstand um einen höherrangigen Manager und einen Ex-Porsche-Manager.

Bislang hat die Staatsanwaltschaft bei allen Autobauern nur ehemalige Vorstandsmitglieder und Manager unterhalb der obersten Führungsebene im Visier. Bei Audi ermittelt die Staatsanwaltschaft München außer gegen Ex-Vorstände und Ingenieure auch in Vorstandskreisen, allerdings noch gegen unbekannt. In München sitzt der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz, der zuvor bei Audi und im VW-Konzern unterhalb des Vorstands die Motorenentwicklung geleitet hatte, in Untersuchungshaft. Porsche rückte im Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte erst nach der Konzernmutter Volkswagen, die Manipulationen im September 2015 zugab, und dem Schwesterunternehmen Audi ins Visier der Strafverfolger.

Auch bei verschiedenen Porsche-Modellen sind Motoren im Einsatz, welche die Stickoxid-Grenzwerte nur auf dem Prüfstand und nicht auf der Straße einhalten. Doch diese werden vom Premiumhersteller Audi gebaut. Das Bundesverkehrsministerium hatte im Juli 2017 ein Zulassungsverbot für den Porsche Cayenne verhängt. Porsche hatte zuvor wegen der Manipulationsvorwürfe von sich aus den kleineren Geländewagen Macan zurückgerufen.

Auch gegen Daimler, BMW und den Zulieferer Bosch wird wegen Abgasbetruges ermittelt. Mit einer Anklage rechnen die Staatsanwälte in Stuttgart und im Fall VW in Braunschweig in diesem Jahr jedoch nicht.