Abgasskandal

Razzia in der Porsche-Zentrale – Betrug beim Diesel?

Ermittler haben bei Porsche und Audi an mehreren Orten Objekte durchsucht. Die Razzien haben offenbar mit dem Abgasskandal zu tun.

Stuttgart-Zuffenhausen: Das Porsche-Logo ist an der Fassade einer Porsche-Niederlassung zu sehen. Hier wurden Objekte durchsucht.

Stuttgart-Zuffenhausen: Das Porsche-Logo ist an der Fassade einer Porsche-Niederlassung zu sehen. Hier wurden Objekte durchsucht.

Foto: Marijan Murat / dpa

Stuttgart.  Auf der Suche nach Beweisen im Diesel-Abgasskandal haben sich die Ermittler nun auch den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche vorgenommen. Mehr als 30 Staatsanwälte und rund 160 Polizisten durchsuchten am Mittwoch den Stammsitz des Autobauers im Stadtteil Zuffenhausen, das Entwicklungszentrum in Weissach sowie weitere Standorte – auch zwei der Konzernschwester Audi, von der Porsche die Diesel-Motoren für seine Fahrzeuge bezog.

Zudem haben die Behörden mittlerweile konkrete Beschuldigte im Visier, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Dazu zählt auch ein Vorstandsmitglied der Porsche AG.

Verfahren gegen Porsche seit Sommer

Insgesamt richten sich die Ermittlungen wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung laut Staatsanwaltschaft gegen drei Beschuldigte - neben dem namentlich nicht genannten Vorstand handelt es sich um ein „Mitglied des höheren Managements“ sowie einen früheren Mitarbeiter, der inzwischen nicht mehr bei Porsche ist.

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Hintergrund sind mögliche Manipulationen der Abgasreinigung von Diesel-Fahrzeugen. Das Verfahren läuft seit vergangenem Sommer, eröffnet worden war es noch gegen unbekannte Mitarbeiter. Details nannten die Ermittler auch am Mittwoch nicht, die Aktion legt aber zumindest nahe, dass sie in den vergangenen Monaten genug Anhaltspunkte gefunden haben, die eine Durchsuchung rechtfertigen.

Ein Porsche-Sprecher erklärte, die Ermittler hätten Unterlagen gesichtet und gesichert. „Wir kooperieren in vollem Umfang mit den Behörden“, betonte er. Zu Details wollte auch er aber nichts sagen.

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Diesel spielt bei Porsche nur kleine Rolle

Der Sport- und Geländewagenbauer hatte bereits im Herbst 2016 einen freiwilligen Rückruf des Modells Macan begonnen, nachdem Zweifel an der Abgasreinigung laut geworden waren. Im Juli 2017 ordnete der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dann wegen einer illegalen Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung einen Rückruf an sowie ein inzwischen wieder aufgehobenes Zulassungsverbot für den Geländewagen Cayenne mit 3,0-Liter-TDI-Antrieb.

Anders als bei anderen Herstellern spielt der Diesel bei Porsche eigentlich nur eine untergeordnete Rolle, 2017 lag der Anteil an den Verkäufen bei gerade einmal zwölf Prozent. Die VW-Tochter entwickelt selbst auch keine Diesel-Motoren, sondern baut Audi-Aggregate in ihre großen Geländewagen ein. Die Verantwortung müsse Porsche allerdings trotzdem selber tragen, hatte Vorstandschef Oliver Blume zuletzt bei der Vorlage der Jahresbilanz im März betont.

Die Diesel-Affäre hatte im September 2015 bei Volkswagen begonnen. Der Autokonzern hatte damals eingeräumt, dass Millionen von Fahrzeugen mit Software ausgestattet worden waren, die die volle Abgasreinigung nur im Testbetrieb ermöglichte. Auf der Straße stießen die Wagen deutlich mehr Schadstoffe aus. Dies stürzte Volkswagen in eine schwere Krise. (dpa)