Schul-Massaker

Banken wollen Waffenherstellern Kredite verweigern

Als Reaktion auf das Schul-Massaker in Florida drehen Banken und Vermögensverwalter den Waffenherstellern in den USA den Geldhahn zu.

6 Fakten zum lockeren Waffenrecht in den USA

Fakten zu Waffengesetzen USA
Mi, 04.10.2017, 16.37 Uhr

6 Fakten zum lockeren Waffenrecht in den USA

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Washington.  Nach dem Schul-Massaker in Florida erhöhen nun auch die Banken und Investmentfonds den Druck auf die Regierung, den Waffenkult in Amerika gesetzlich schärfer zu regulieren. Nach der Citibank hat das zweitgrößte Geldhaus der USA, die Bank of America, angekündigt, Herstellern bestimmter Waffen, wie sie häufig bei Amokläufen eingesetzt werden, den Geldhahn abzudrehen.

Konkret sollen Firmen wie Colt oder Sturm Ruger, die das unter Zivilisten beliebteste Schnellfeuergewehr AR-15 produzieren, dafür keine Kredite mehr bekommen. Damit, so Vize-Vorstand Anne Finucane im Wirtschaftssender Bloomberg TV, "wollen wir einen Beitrag leisten, damit diese Massenschießereien gestoppt werden".

Die Bank-Chefin bezog sich ausdrücklich auf die Tragödie am Valentinstag an einer Highschool in Parkland/Florida, bei der 17 Menschen vom 19-jährigen Nicolas Cruz mit einem Sturmgewehr getötet worden waren.

Zuvor hatte sich Ed Skyler, Vizepräsident der Citigroup, dazu bekannt, gemeinsam mit anderen Kreditinstituten den Druck auf "alle zu erhöhen, die Waffen herstellen". Er will die finanziellen Bande mit Händlern kappen, die AR-15-Gewehre weiter anbieten und Waffen an Kunden unter 21 verkaufen. Skyler arbeitete zuvor in der New Yorker Stadtverwaltung zu Zeiten des waffenkritischen Bürgermeisters Michael Bloomberg.

Lob von der Anti-Waffen-Bewegung

Während die Waffenlobby der National Rifle Association (NRA) Alarm schlägt und von einer "Einschränkung" des verfassungsmäßig geschützten Rechts auf Waffenbesitz spricht, klatschen Advokaten schärferer Gesetze Beifall. "Wir freuen uns, dass sich Bank of America zu den Unternehmen gesellt, die dafür sorgen wollen, dass Amerika sicher bleibt", erklärte Avery Gardiner von der Organisation Brady Campaign. Andere Wortführer der Anti-Waffen-Bewegung sehen im Verhalten der Großbanken einen ersten Versuch, "sozialer Verantwortung gerecht zu werden".

Einen ähnlichen Weg will der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock einschlagen. Das Unternehmen, das 6000 Milliarden Dollar für seine Anleger betreut und Großaktionär bei Waffenschmieden wie Sturm Ruger ist, hatte kurz nach dem Parkland-Massaker reagiert: Waffenproduzenten, in die man investiert, sollten mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Sicherheit legen, hieß es.

Wer sich dem entzieht, muss damit rechnen, von Fonds ausgeschlossen zu werden, erklärte das Unternehmen. Jüngst hatte Blackrock zwei neue Indexfonds aufgelegt, die Hersteller und Händler von Schnellfeuerwaffen ignorieren. Blackrocks Konkurrent State Street hat als Groß-Aktionär Waffenhersteller wie Vista und American Outdoor Brands gedrängt, Überlegungen anzustellen, "wie sie die Sicherheit und den verantwortungsvollen Gebrauch ihrer Produkte unterstützen" wollen.

Bankhaus Wells Fargo sieht allein Gesetzgeber in der Pflicht

Dagegen will sich das Bankhaus Wells Fargo, eng mit der NRA verbunden, nicht an diesen Maßnahmen beteiligen. Finanzvorstand John Shrewberry erklärte, hier sei allein der Gesetzgeber in der Pflicht. "Wir glauben nicht, dass die amerikanische Bevölkerung befürwortet, dass Banken darüber entscheiden, welche legalen Produkte Konsumenten kaufen dürfen und welche nicht." Wells Fargo hat in ländlichen Regionen, wo traditionell eine hohe Zustimmung zum Waffenkult besteht, relevante Marktanteile.

Welche Konsequenzen die restriktive Geschäftspolitik der Großbanken haben wird, ist nach Ansicht von Analysten noch nicht absehbar. Tatsache ist, dass seit dem Amtsantritt von Präsident Trump die Umsätze in der Waffenindustrie zurückgegangen sind. Anders als unter Vorgänger Obama befürchten viele Amerikaner keine Verbote mehr, was die Neigung zu den sonst nach Massenschießereien üblichen Hamsterkäufen bremste.

Für Remington, vor über 200 Jahren gegründet, hatte die Flaute bereits einschneidende Folgen. Der Hersteller des Bushmaster-Sturmgewehrs aus North Carolina beantragte Gläubigerschutz wegen drohender Insolvenz. Remington stellt das her. Adam Lanza, der Massenmörder von Newtown, hatte das Sturmgewehr 2012 in einer Grundschule eingesetzt – 28 Tote.