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So will der neue VW-Chef Herbert Diess den Konzern umbauen

Der neue Konzernchef von Volkswagen Herbert Diess setzt auf Tempo. Experten halten die überarbeitete Struktur aber für zu kompliziert.

Neuer Konzernchef: Diess soll VW für die Zukunft rüsten

Mit einer neuen Führung und schlankeren Konzernstrukturen will sich Volkswagen für die Herausforderungen der Zukunft rüsten. Herbert Diess tritt seinen neuen Posten als Konzernchef an. Als Prior...

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Wolfsburg.  Vom größten Umbau der Konzerngeschichte ist die Rede, von Tempo und natürlich auch von Neuanfang: Herbert Diess bemüht sich bei seinem ersten Auftritt als Chef des Volkswagen-Konzerns darum, den Aufbruch zu beschwören. Beschleunigen will er die Abläufe im Konzern, die einzelnen Marken sollen mehr Verantwortung bekommen. Und vor allem: Volkswagen soll im Wettstreit mit der Konkurrenz deutlich schlagkräftiger werden.

Als „Revolution“ will Diess das alles nicht verstanden wissen, obwohl einige Experten glauben, dass das dem doch recht starren Konzern sicher gut täte. Und auch die neue Struktur aus sechs Markengruppen sowie die Neuordnung der Zuständigkeiten im Vorstand sehen Beobachter eher als schwierig, zentralisiert sie doch die Macht wieder mehr auf Wolfsburg.

Was Diess jetzt in Wolfsburg sagte, klang seltsam vertraut. Und tatsächlich: Vor gut zweieinhalb Jahren stand in Wolfsburg Matthias Müller vor der Presse. Im Zuge der Dieselaffäre frisch zum Volkswagen-Chef gekürt, erklärte er, wie der träge Konzern die Konkurrenz hinter sich lassen wollte, schneller, dynamischer, kreativer werden sollte.

Brief an die Beschäftigten

Einen allzu radikalen Umbau schloss er allerdings aus. Er halte nichts von Revolution. Seither ist einiges passiert, Müller traute der Aufsichtsrat offenbar zuletzt nicht zu, den Konzern wirklich neu aufzustellen – trotz Umsatzzuwachs auf zuletzt 215,7 Milliarden Euro und einem ordentlichen Gewinn von elf Milliarden Euro.

Müller verabschiedete sich mit einem Brief an die Beschäftigten. „Es war fordernd, nicht selten nervenaufreibend, aber letztlich war es eine gute Zeit. (...) Für die nächste Phase der Transformation, die jetzt beginnt, wünsche ich Herbert Diess, dem Vorstand und dem ganzen Team viel Erfolg und das nötige Glück.“

Neuer Chef will Kräfte des Riesen Volkswagen wecken
Neuer Chef will Kräfte des Riesen Volkswagen wecken

Sein Nachfolger jedenfalls legt kräftig los. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, den Konzern in sechs operative Einheiten zu gliedern: die Markengruppen „Volumen“ (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge), „Premium“ (Audi) und „Super Premium“ (Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini), Lkw und Busse, Beschaffung/Komponenten sowie Finanzdienstleistungen.

Übergreifende Führungsaufgaben

Die Idee: In den einzelnen Gruppen lässt sich besser mit der Konkurrenz messen, als wenn jede Marke es einzeln versucht. „Volumen“ etwa, in der die Marken mit großen Absatzmengen gebündelt sind, steht mit Toyota, Renault, PSA (Citroën, Opel, Peugeot) und General Motors im Wettbewerb, „Premium“ mit Daimler und BMW.

Die für die Markengruppen verantwortlichen Chefs sollen zudem übergreifende Führungsaufgaben übernehmen. Audi-Chef Rupert Stadler kümmert sich im Volkswagen-Vorstand auch um den Konzernvertrieb, Porsche-Chef Oliver Blume um die Produktion, Finanzchef Frank Witter um die Firmen-IT. Diess selbst kümmert sich um VW, Forschung und Entwicklung, Fahrzeug-IT.

Angesichts dieser Pläne meldet Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer Kritik an. Die neue Konzernstruktur sei an Komplexität gar nicht mehr zu überbieten, sagt der Leiter des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Auch andere zweifeln. NordLB-Analyst Frank Schwope etwa. Ein ähnliches Modell wie Diess habe einst dessen Vor-vor-Vorgänger Bernd Pischetsrieder verkündet. „Wahrnehmbar gelebt wurde dies aber nie.“

Sparprogramm bei VW

Durch die Personalwechsel im Vorstand bekommt einer noch mehr Macht als bisher, wie Dudenhöffer sagt: Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Sein Vertrauter Gunnar Kilian wird Personalchef. Osterloh hatte sich im Zusammenhang mit dem Zukunftspakt genannten Sparprogramm bei VW mit Diess gestritten – inzwischen haben beide sich zusammengerauft. Osterloh begrüßt die Umbaupläne und die Personaländerungen ausdrücklich.

Diess jedenfalls geht die neue Aufgabe offiziell locker an. „Ich mag viel Arbeit“, sagte er am Freitag sichtlich entspannt – was vielleicht auch damit zu tun hat, dass er jetzt den größten Autobauer der Welt leitet. „Ich freue mich schon.“