Berlin/Genf

Experten fürchten Vergeltungsspirale im Welthandel

Organisation WTO rechnet dennoch mit mehr Wachstum der Weltwirtschaft

Berlin/Genf. Angesichts der verhärteten Fronten im Handelsstreit zwischen China und den USA wächst weltweit die Sorge vor einem Abschwung. Eine Eskalation in dem Konflikt könne den wirtschaftlichen Fortschritt rasch untergraben, warnte der Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Roberto Azevedo, am Donnerstag: „Eine Vergeltungsspirale ist das letzte, was die Weltwirtschaft braucht.“ Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, warnte, in dem Streit sei erst die erste Runde absolviert: „Am Ende ist die Kernfrage das Thema Vergeltung.“

Zuletzt zeichnete sich keine Entspannung ab – im Gegenteil: China wirft den USA ein falsches Spiel vor. Die Gesprächsversuche Washingtons seien nicht ernst gemeint, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking. „Es geht nicht darum, ob China bereit ist zu verhandeln. Es geht um die USA, die überhaupt keine Aufrichtigkeit zeigen.“

In den vergangenen Wochen hat sich der Zwist zwischen den beiden globalen Wirtschaftsmächten verschärft. Nach der Erhebung von Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Importe kündigte US-Präsident Donald Trump zusätzliche Abgaben für 1300 chinesische Produkte im Umfang von 50 Milliarden Dollar (40,4 Milliarden Euro) an. China drohte umgehend mit Zöllen in ähnlichem Umfang.

Trotz des Zollstreits hob die WTO ihre Prognose für das Wachstum des globalen Warenaustauschs deutlich an. Der Welthandel werde in diesem Jahr um 4,4 Prozent zulegen. Bislang war die WTO von 3,2 Prozent ausgegangen. 2017 hatte es ein Plus von 4,7 Prozent gegeben. Auch 2019 soll eine Vier vor dem Komma stehen. Die Zahlen könnten jedoch Makulatur sein, falls die Regierungen zu einer „restriktiven Handelspolitik“ übergehen sollten, warnte Azevedo.