DHL

Harte Arbeit, wenig Geld: Paketdienste suchen Mitarbeiter

Immer mehr Pakete und schnellere Lieferzeiten: Der Onlinehandel boomt, doch die Zulieferer kommen kaum hinterher. Der Nachwuchs fehlt.

Die schwere Arbeit der Paketzusteller erfreut sich immer weniger Beliebtheit. Gewerkschafter sagen: Werden die Auslieferer besser bezahlt, erledigt sich der Personalmangel.

Die schwere Arbeit der Paketzusteller erfreut sich immer weniger Beliebtheit. Gewerkschafter sagen: Werden die Auslieferer besser bezahlt, erledigt sich der Personalmangel.

Foto: Malte Christians / dpa

Bonn/Berlin.  Beinahe auf jedem Paketdienstfahrzeug klebt auf der Rückseite ein Aufkleber mit der Aufschrift „Paketzusteller/innen gesucht“: Deutschlands Paketbranche sucht händeringend nach Mitarbeitern. Wegen des demografischen Wandels und der geringen Arbeitslosenquote werde es für die Firmen immer schwieriger, den steigenden Bedarf an geeigneten Zustellern zu decken, teilt der Bundesverband Paket & Expresslogistik auf Anfrage mit.

Der Verband vertritt Firmen wie GLS, Hermes und DPD. Vom Marktführer und Ex-Staatsmonopolisten, der Deutschen Post DHL, heißt es, vor allem in einigen Ballungsräumen sei es „eine Herausforderung, den Bedarf an gutem Personal zu decken“.

Die Paketbranche, zu der auch Kuriere und Expressdienst-Beschäftigte zählen, wächst seit Jahren dank des boomenden Online-Handels und der guten Wirtschaftslage. Sie hatte 2016 laut dem Verband hierzulande 219.000 Beschäftigte, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mit der Zahl sind nicht nur Zusteller gemeint, sondern zum Beispiel auch Beschäftigte in Depots.

Hohe Arbeitsbelastung und schlechte Bezahlung

Aus Gewerkschaftssicht sind die Probleme zum Teil hausgemacht. „Die Arbeitsbelastung ist hoch und die Bezahlung häufig zu niedrig – da ist es kein Wunder, dass Bewerber nicht Schlange stehen“, sagt Verdi-Expertin Sigrun Rauch. Sie beklagt, dass GLS, DPD und Hermes auf Subunternehmer setzen – die Zusteller sind in deren Auftrag unterwegs, aber bei anderen Firmen angestellt.

Ein Großteil dieser Subunternehmer ist nach Darstellung von Verdi nicht tarifgebunden – häufig werde Mindestlohn bezahlt. Das müsse sich ändern, so Rauch. Stiege die Tarifbindung, nähme das Interesse von Arbeitnehmern an Jobs in der Branche zu, ist sie sich sicher.

Am besten bezahlt die Deutsche Post

Zusteller, die für GLS, DPD und Hermes unterwegs sind, bekommen mancherorts nur Mindestlohn, in Ballungsräumen etwas mehr. Die Verwaltungs- und Depot-Mitarbeiter von DPD und Hermes sind hingegen tarifgebunden, die von GLS nicht. Laut Verdi bekommt ein Beschäftigter, der nach Logistik-Tarifvertrag bezahlt wird und mit dem Job anfängt, in NRW 13,38 Euro pro Stunde und in Berlin 12,58 Euro. Am besten sieht es in Baden-Württemberg aus, wo 18,94 Euro pro Stunde gezahlt werden.

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Und wie ist die Lage beim Marktführer, der Deutschen Post DHL? Im Schnitt verdienen die Mitarbeiter dort besser als bei der Konkurrenz. „Alle unsere Paketzusteller werden nach Tariflohn bezahlt“, betont eine Post-Sprecherin. Allerdings handelt es sich hier um zwei verschiedene Tarife – ältere Angestellte werden nach dem insgesamt höher dotierten Haustarifvertrag bezahlt, jüngere Paketboten hingegen über die 2015 gegründeten Delivery-Tochterfirmen nach dem niedrigeren Level der Logistikbranche. Diese Gründungen wurden von Verdi scharf kritisiert.

Körperlich harte Arbeit nicht mehr attraktiv

Ein Sprecher des Deutschen Paketdienstes (DPD), einer Tochter der französischen Post, nennt unter anderem ein steigendes Bildungsniveau als einen Grund dafür, dass die Mitarbeitersuche schwieriger geworden sei: „Körperlich fordernde Arbeit ist für immer weniger Menschen eine berufliche Option.“ Durch das Management von Kapazitäten gelinge es immerhin, „operative Auswirkungen des Arbeitskräftemangels weitgehend auszuschließen“.

Auch eine GLS-Sprecherin bezeichnet die Suche nach Arbeitskräften als große Herausforderung. Früher hätten die Firmen die Wahl gehabt unter vielen Bewerbern, die zu ihnen gekommen seien. „Heute ist es hingegen ein Arbeitnehmermarkt: Man muss sich als Firma präsentieren und vorstellen, um die Arbeitnehmer zu bekommen.“

Nach Angaben der Bundesnetzagentur stieg die Menge der Pakete, die in Deutschland pro Jahr versandt werden, von 2010 bis 2016 um rund 50 Prozent auf 2,522 Milliarden. Jüngere Zahlen liegen nicht vor. (dpa)