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Alkoholkonsum – Jugendliche trinken weniger, Frauen mehr

Der Alkoholverbrauch der Deutschen ist unverändert hoch. Mehr als eine Million Menschen haben ihren Konsum dabei nicht mehr im Griff.

Alkohol und Bier

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Berlin.  Ein Bierchen nach Feierabend, ein weiteres zum Abendbrot, ein Fläschchen im Fernsehsessel: Bier ist in Deutschland Volksdroge Nummer eins – auch bei jungen Trinkern. Mit einem Jahreskonsum von zuletzt knapp 106 Litern pro Einwohner ist der Bierverbrauch in den vergangenen Jahren allerdings leicht zurückgegangen, vor zehn Jahren lag er noch bei rund 112 Litern.

Wein dagegen wird deutlich seltener getrunken – der Jahresverbrauch pro Einwohner liegt jedoch seit Jahren stabil bei gut 20 Litern. Das Gleiche gilt für Sekt und Champagner: Die Deutschen trinken im Schnitt knapp vier Liter Schaumwein pro Jahr. Unverändert hoch ist auch der Konsum von Spirituosen: Seit Jahren liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 5,5 Litern.

Über alle Sorten hinweg gilt: Insgesamt hat sich das Trinkverhalten der Deutschen in den letzten zehn Jahren nur wenig verändert. Der Verbrauch reinen Alkohols je Einwohner lag 2007 bei 9,9 Litern, 2015 waren es noch 9,6 Liter. Bei den Frauen hat sich die Konsummenge seit 2006 kaum verändert, bei den Männern ist sie leicht zurückgegangen.

Drei gängige Alkohol-Mythen im Check

Die Zahlen gehen aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag zum Alkoholkonsum der Deutschen hervor, sie lag dieser Redaktion exklusiv vor.

Rund 74.000 Tote jedes Jahr durch Alkohol

Frauen trinken demnach im Schnitt etwa halb so viel Alkohol wie Männer, doch die Zahl der Frauen zwischen 18 und 59 Jahren, die regelmäßig zu Bier, Wein, Sekt oder Schnaps greifen, ist fast so hoch wie die der Männer: 2015 waren es rund 16 Millionen Frauen und gut 18,5 Millionen Männer.

Besorgniserregend ist laut Regierungsantwort ein neuer Trend bei den Frauen: Demnach ist die Zahl derjenigen, die sich in den vergangenen 30 Tagen in einen gesundheitsschädlichen Rausch getrunken haben, seit 2009 stetig gestiegen: Jede sechste Frau nahm zumindest einmal im Monat fünf oder mehr alkoholische Getränke zu sich.

Warum Bier beim Studium helfen könnte

Nach einer 2014 veröffentlichten Studie des Robert-Koch-Instituts gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Bildungsstatus und riskantem Alkoholkonsum. Frauen ab 30 Jahren mit hohem Bildungsstatus sind häufiger Risiko-Konsumentinnen als gleichaltrige Frauen mit niedrigem Bildungsstatus.

1,7 Millionen Abhängige

Missbrauch von Alkohol führt jedes Jahr zu rund 74.000 Todesfällen. Weit über eine Million Menschen in Deutschland hat ihren Alkoholkonsum nicht mehr unter Kontrolle. Zwischen 2006 und 2012 stieg die Zahl der Alkoholabhängigen zwischen 18 und 59 Jahren von 1,3 Millionen auf 1,7 Millionen. Neuere Zahlen liefert die Regierung nicht.

Wieland Schinnenburg, drogenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, ärgert das: „Es ist vollkommen unbefriedigend, dass die Bundesregierung zu einigen Fragen nur fünf Jahre alte Zahlen hat“, sagte der Hamburger Abgeordnete dieser Redaktion. Offenbar seien auch die Angebote zur Therapie der Alkoholsucht unzureichend.

Angesichts der vorliegenden Daten sei es unverständlich, wie die Bundesregierung davon sprechen könne, ihre Präventionsmaßnahmen würden greifen: „Im günstigsten Fall kann man sagen: Es bleibt gleich. Da kann man nicht von Erfolg reden.“

Jugendliche trinken weniger

Immerhin: Jugendliche trinken deutlich weniger als vor zehn Jahren. Bezogen auf den Pro-Kopf-Konsum an reinem Alkohol hat sich die Menge zwischen 2007 und 2016 mehr als halbiert. Doch auch bei den 12- bis 17-Jährigen zeigen sich die Geschlechterunterschiede: Jungs trinken etwa doppelt so viel wie Mädchen.

Kleiner geworden ist auch die Zahl der regelmäßigen Trinker unter jungen Erwachsenen: In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen tranken laut Regierung im Jahr 2016 nur rund 30 Prozent regelmäßig – 1970 waren es noch fast 70 Prozent.

Aufklärung zeigt Wirkung

Und: Das Bewusstsein dafür wächst, welche Folgen Alkohol in der Schwangerschaft haben kann. Verlässliche Zahlen zum schwerwiegenden fetalen Alkoholsyndrom (FAS) kennt die Regierung zwar nicht, nennt aber Schätzungen: Demnach kommen in Deutschland mindestens 2000 Kinder mit FAS zur Welt, die Zahl aller durch Alkohol geschädigten Säuglinge dürfte Experten zufolge fünfmal so hoch liegen.

Aufklärungskampagnen scheinen aber nun zu wirken: Bei einer repräsentativen Umfrage im vergangenen Jahr sagten neun von zehn Befragten (89 Prozent), dass Alkohol in der Schwangerschaft problematisch sei, drei Jahre zuvor waren es erst 85 Prozent.

Umgekehrt findet heute nicht einmal mehr jeder Zehnte, dass es unschädlich sei, wenn Schwangere ab und zu ein Glas Sekt, Wein oder Bier trinken. Drei Jahre zuvor war immerhin noch jeder Siebte so sorglos.