Berlin

Vollzeit arbeitende Flüchtlinge sind oft Geringverdiener

Linke fordert bessere Ausbildung und Förderung

Berlin.  Vollzeit arbeitende Flüchtlinge verdienen deutlich weniger als die große Masse der deutschen Arbeitnehmer. Das zeigt eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit, die dieser Zeitung vorliegt. Danach erzielten Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern im Jahr 2016 pro Monat ein mittleres Einkommen von 1916 Euro. Insgesamt verdienten Arbeitnehmer in Deutschland in diesem Jahr im Mittel 3133 Euro pro Monat. Dabei handelt es sich jeweils um das Bruttogehalt eines Vollzeitbeschäftigten.

Das mit Abstand höchste Einkommen hatten Arbeitnehmer aus dem Iran (2541 Euro). Sie zählen zu den am besten ausgebildeten Migranten. Das geringste die aus Eritrea (1704 Euro). Der mittlere Verdienst der Beschäftigten aus Syrien, Nigeria, Somalia, Afghanistan, Pakistan und dem Irak lag dazwischen, aber in allen Fällen unterhalb von 2000 Euro.

Damit waren rund 55.000 von insgesamt rund 65.000 Vollzeitbeschäftigten, die aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern stammten, Geringverdiener. Die Schwelle zum Niedriglohnbereich lag im Jahr 2016 bei 2088 Euro pro Monat. Insgesamt bezog sich die Auswertung der Bundesagentur auf eine Gruppe von 20,7 Millionen voll arbeitenden Beschäftigten.

„Dass Geflüchtete überwiegend zu Niedriglöhnen beschäftigt werden, ist ein Armutszeugnis für die Arbeitsmarktpolitik“, sagte die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die nach den Zahlen gefragt hatte, dieser Zeitung. Sie forderte, dass auf dem Ausbildungsmarkt und bei der Förderung erwerbsloser Geflüchteter mehr geschehen müsse, um geflüchteten Menschen eine nachhaltige Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Ferner wäre für alle Beschäftigten ein Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde nötig – und zwar ohne Ausnahmen.