Diesel-Skandal

VW muss von seinem Gewinn etwas an Autofahrer abgeben

VW verbucht einen Milliarden-Gewinn. Daran sollten die betrogenen Autofahrer teilhaben. Doch dafür fehlen in Deutschland Vorschriften.

Matthias Müller (l), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Finanzvorstand Frank Witter.

Matthias Müller (l), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Finanzvorstand Frank Witter.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Trotz des größten Umbaus der Geschichte hat der Volkswagen-Konzern im Jahr zwei der Diesel-Affäre eine Rekordzahl von Autos verkauft und wieder kräftig Geld verdient: elf Milliarden Euro Gewinn. Für die deutsche Wirtschaft ist das ein gutes Zeichen: Ingenieursleistung aus Deutschland setzt sich weltweit im Wettbewerb durch.

Die Aktionäre des größten Autobauers der Welt können sich über eine Dividende freuen. Und Konzernchef Matthias Müller verkündet die große E-Auto-Produktionsoffensive weltweit. Alles super so weit. Oder doch nicht?

Der Volkswagen-Konzern steht gerade wegen der Diesel-Affäre wie kein anderer Autobauer am Pranger. Unter anderem weil er in Dieselmotoren eine Schummelsoftware einbaute, die den Motor nur im Testbetrieb sauber erscheinen ließ, sehen sich Millionen Dieselfahrer in Deutschland plötzlich als Umweltverschmutzer dargestellt – selbst wenn ihr Diesel sauber ist.

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In Deutschland fehlt das Druckmittel

Und deshalb sieht das Bild für den deutschen Kunden, der ein Auto des Volkswagen-Konzerns mit Schummelsoftware gekauft hat, im Jahr zwei der Diesel-Affäre so aus: Der Konzern hat ihm ein Software-Update aufgespielt und sich entschuldigt. Das Auto ist praktisch unverkäuflich.

Während VW etwa den US-Kunden die Fahrzeuge, die wegen des Betrugs nicht hielten, was sie versprachen, abkaufen musste oder Schadenersatz fällig wurde, geht der Autobesitzer in Deutschland leer aus. Und das ist für einen der größten deutschen Konzerne mit wieder sprudelnden Gewinnen eher beschämend.

Volkswagen ist juristisch nicht dazu verpflichtet, den deutschen Autokäufern Geld zu geben. Sammelklagen, wie es sie in den USA gibt , sind in Deutschland nicht zulässig, entsprechend fehlt ein Druckmittel, mit dem der Konzern gezwungen werden könnte, Geld lockerzumachen.

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Bundesregierung übte zu wenig Druck auf VW aus

Für das Bild Volkswagens in der Welt ist es offenbar auch nicht wichtig, wie sich der Konzern seinen Kunden gegenüber verhält. Sonst würde er nicht weltweit mehr Autos verkaufen als zuvor.

VW ist zuallererst ein Wirtschaftskonzern, aber moralische Maßstäbe sollten da nicht zweitrangig sein. Doch reagiert wird erst, wenn der Druck entsprechend hoch ist. Und hier kommt die Bundesregierung in den Blick.

Denn Druck hätten Bundeswirtschaftsminister, Bundesverkehrsminister und nicht zuletzt die Bundeskanzlerin schon aufbauen können, um VW dazu zu bringen, etwas für die deutschen und vielleicht sogar die europäischen Autokäufer zu tun, die der Konzern mit Schummelsoftware betrogen hat.

Offenbar haben viele Angst, das Unternehmen zu sehr anzugehen

Seit die Abgasaffäre bekannt wurde, haben Politiker eine Art Beißhemmung, was die Autoindustrie und speziell VW betrifft. Offenbar hat jeder Angst, das Unternehmen zu sehr anzugehen, weil damit rund 642.000 Arbeitsplätze verbunden sind, plus mehrere Hunderttausend bei Zulieferern.

Die sind allerdings auch noch beschäftigt, wenn der Konzern ein paar Milliarden seines Gewinns für die betrogenen Autokäufer abzweigen würde, sei es in einen Fonds, sei es als Bonus beim Kauf eines Neuwagens. Möglichkeiten gibt es genug.

Mit der großen E-Auto-Offensive wollen die Wolfsburger beweisen, dass sie sich gewandelt haben. Viel PR-Klimbim ist dabei und immer noch der pompöse Auftritt, etwa in Genf bei der Vorstellung der I.D. Vizzion. Die Autostudie wurde fast so üppig wie früher enthüllt, als die neuesten, immer noch größeren Autos mit Verbrennungsmotor vorgestellt wurden – in denen zum Teil jahrelang Schummelsoftware lief. Konzernchef Müller hat sich entschuldigt bei den Kunden. Aber Demut allein reicht nicht, der Autofahrer will Geld sehen.