Steuer 2017

Mit Ausgaben für die Arbeit Steuern sparen

Wie man mit der Fahrt ins Büro oder einem Arbeitszimmer mehr als 1000 Euro vom Finanzamt zurückbekommen kann.

Foto: adobestock

Berlin. Mit Ausgaben für Fahrten zur Arbeit, Arbeitsmittel, doppelter Haushaltsführung oder das häusliche Arbeitszimmer können Steuerzahler ihre Steuerlast reduzieren. Allerdings erst, wenn die Aufwendungen den Werbungskosten-Pauschbetrag von 1000 Euro übersteigen. Diese Schwelle ist schnell überschritten. Es reicht beispielsweise an 230 Tagen (das entspricht einer 5-Tage-Woche) 15 Kilometer zur Arbeit zu fahren. Der einfache Weg lässt sich mit 30 Cent je Kilometer verrechnen – macht summa summarum 1035 Euro. Jede weitere Aufwendung für den Beruf spart Steuern. Werbungskosten tragen Steuerzahler auf den Seiten 2 und 3 der „Anlage N“ ein.

Weg zur Arbeit: Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ist die Zahl der Pendler gestiegen. 2016 sind rund 18,4 Millionen im Schnitt 16,91 Kilometer zur Arbeit gefahren. Nach Berlin pendeln gut 290.000 Leute. Das sind 53 Prozent mehr als im Jahr 2000. In welcher Höhe sich das Finanzamt an den Fahrten zur Arbeit beteiligt und ob etwa auch Aufwendungen für Verpflegung mit abgerechnet werden können, hängt davon ab, um welche Fahrten es sich handelt.

Erste Tätigkeitsstätte: Viele Arbeitnehmer fahren von zu Hause ins Büro, also zu dem Arbeitsplatz, an dem sie regelmäßig arbeiten. Das Finanzamt spricht dabei von der „ersten Tätigkeitsstätte“. In diesem Fall können Steuerzahler das Finanzamt an den Ausgaben für den einfachen Weg zur Arbeit beteiligen – ganz gleich, ob dieser zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto zurückgelegt wird. Und zwar mit 30 Cent je Kilometer. Bei Fußgängern und Radfahrern sieht das Finanzamt jedoch eine Grenze von 4500 Euro vor. Bei Autofahrern akzeptiert der Fiskus eine höhere Summe – sofern Steuerzahler diese Fahrten beispielsweise anhand von Tankquittungen oder Tachoständen nachweisen können. Leute mit einer Fünf-Tage-Woche geben 220 bis 230 Tage an, wer an sechs Tagen zur Arbeit fährt, 260 bis 280 Tage (Zeilen 31–32).

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Weg zur Arbeit: Wer mit Bus, Bahn oder Tram zur Arbeit fährt, sollte prüfen, ob die tatsächlichen Kosten für die Tickets höher sind als die Entfernungspauschale. „Den höheren Betrag machen Steuerzahler in ihrer Steuererklärung geltend“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine. Fahrtkostenzuschüsse – etwa des Arbeitgebers – gehören in die Zeile 39.

Mehrere Einsatzorte: Jede Tätigkeit außerhalb der ersten Tätigkeitsstätte gilt als Auswärtstätigkeit. „In diesem Fall können Steuerzahler jeden gefahrenen Kilometer steuerlich geltend machen“, sagt Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Das ist insbesondere auch für Steuerzahler wie etwa Handwerker oder Lehrer relevant, die mehrere Einsatzorte haben. Sie sollten gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber die „erste Tätigkeitsstätte“ festlegen. Das ist in der Regel der Arbeitsplatz, an dem Steuerzahler mindestens ein Drittel ihrer Arbeitszeit verbringen. „Mit der richtigen Wahl der ‚ersten Tätigkeitsstätte‘ können Steuerzahler mitunter viel Steuern sparen“, sagt Wawro. Denn den Weg von zu Hause zur ersten Tätigkeitsstätte rechnen Steuerzahler mit der Entfernungspauschale ab – also mit 30 Cent je Kilometer, einfacher Weg. Bei den Fahrten zu anderen Einsatzorten akzeptieren die Finanzämter für PKW-Fahrten 30 Cent je gefahrenem Kilometer – also Hin- und Rückweg. Zudem können Steuerzahler in diesem Fall Verpflegungskosten verrechnen.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an: Herr Schulz fährt an drei Tagen in der Woche von Berlin Prenzlauer Berg 62,5 Kilometer nach Eberswalde, an zwei Tagen 31,4 Kilometer nach Kleinmachnow. Sein Arbeitgeber hat die Filiale in Kleinmachnow als erste Tätigkeitsstätte angegeben. Die Fahrten nach Kleinmachnow rechnet Herr Schulz mit der Entfernungspauschale ab. Für den Weg nach Eberswalde kann Schulz hingegen jeden gefahrenen Kilometer sowie in den ersten drei Monaten eine Verpflegungspauschale abrechnen. Wäre seine erste Tätigkeitsstätte Eberswalde, fiele seine Steuerersparnis deutlich geringer aus.

Verpflegungspauschale: Wer ständig an wechselnden Einsatzorten unterwegs ist, kann Verpflegungspauschalen zeitlich unbegrenzt steuerlich geltend machen. In unserem Beispiel mit Herrn Schulz war diese Möglichkeit auf drei Monate begrenzt, da es sich in seinem Fall nicht um ständig wechselnde Einsatzorte handelt. Generell gilt: Wer mehr als acht Stunden beruflich in Deutschland unterwegs ist, kann zwölf Euro am Tag abrechnen, bei 24 Stunden sind es 24 Euro. Die volle Pauschale können Steuerzahler jedoch nur dann steuerlich geltend machen, wenn sie keine Mahlzeiten erhalten haben.

Arbeitsmittel: Das Finanzamt beteiligt sich an den Ausgaben für Arbeitsmittel (Zeilen 41–42). Dazu gehört Fachliteratur, ein neuer Tablet-PC und Drucker ebenso wie ein Schreibtischstuhl oder ein Regal für die Fachliteratur. Seit nunmehr acht Jahren haben Steuerzahler die Möglichkeit, die Aufwendungen für Arbeitsmittel in eine private und in eine berufliche Nutzung zu unterteilen. Um das Finanzamt an den Aufwendungen beteiligen zu können, muss die berufliche Nutzung allerdings zehn Prozent übersteigen. „Beträgt der Kaufpreis für das Arbeitsmittel zuzüglich Umsatzsteuer nicht mehr als 487,90 Euro, können die Kosten sofort abgesetzt werden“, sagt Steuerexperte Rauhöft (siehe Text oben links).

Computer: Bei Computern müssen Steuerzahler glaubhaft den Umfang der beruflichen Nutzung darlegen. Wer seinen PC auch beruflich nutzt, kann den Fiskus in der Regel an 50 Prozent der Kosten beteiligen. Auch ein höherer Prozentsatz ist möglich – sofern die stärkere berufliche Nutzung nachgewiesen wird. Geräte wie etwa ein Drucker oder Scanner, die eigenständig nicht funktionieren, müssen Steuerzahler mit dem Computer abrechnen.

Arbeitszimmer: Ob und in welcher Höhe sich das Finanzamt an den Ausgaben für ein Arbeitszimmer beteiligt, hängt im Wesentlichen von der Art der Nutzung ab (Zeile 43). Was wie anerkannt wird, hat der Bundesfinanzhof im Sommer 2015 in einem Grundsatzurteil geregelt. Steht Steuerzahlern für bestimmte Arbeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, akzeptiert das Finanzamt bis zu 1250 Euro. Dies ist etwa bei Förstern, Dozenten, Außendienstmitarbeitern oder Lehrern der Fall. Auch wer zwei Tage in der Woche zu Hause arbeitet und die andere Zeit im Betrieb, kann die Ausgaben bis zu 1250 Euro steuerlich geltend machen. Sämtliche Aufwendungen für das Arbeitszimmer nickt das Finanzamt nur dann ab, wenn dieses den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet. Dies trifft etwa auf Schriftsteller oder Rechtsanwälte zu, die ausschließlich zu Hause arbeiten.

Ehepaare, die ein Arbeitszimmer gemeinsam nutzen, können die Kosten bis 1250 Euro zweimal steuerlich geltend machen (BFH Az. VI R 53/12; VI R 86/13). Denn die Abzugsmöglichkeit bezieht sich auf Personen und nicht auf das Arbeitszimmer an sich, argumentierten die Richter. „Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass Steuerzahler, die mehrere Arbeitszimmer in verschiedenen Haushalten unterhalten, das Finanzamt an maximal 1250 Euro beteiligen können“, sagt Steuerberater Wawro. An ein Arbeitszimmer stellt das Finanzamt eine ganze Reihe an Anforderungen. So muss es sich um einen abgetrennten Raum handeln, der ausschließlich beruflich genutzt wird. Einer Aufteilung in eine private und berufliche Nutzung, wie dies bei Arbeitsmitteln möglich ist, haben die Richter des Bundesfinanzhofs eine klare Absage erteilt (GrS 1/14).

Umzug: Wer aus beruflichen Gründen ein neues Zuhause sucht, kann das Finanzamt an den Ausgaben für die Wohnungssuche, Besichtigungen oder doppelte Miete beteiligen. Zudem akzeptieren die Finanzämter eine Umzugskostenpauschale (Zeilen 46–48; s. Grafik) sowie Ausgaben für die Nachhilfe des Nachwuchses, sofern dieser aufgrund des Umzugs etwa in ein anderes Bundesland notwendig sein sollte.

Wer aus privaten Gründen umzieht, kann die Ausgaben etwa für eine Umzugsspedition als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen (Teil 7). Ist der Grund für den Wohnungswechsel krankheitsbedingt, können die Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen verrechnet werden. Allerdings muss in diesem Fall zunächst eine zumutbare Belastung aus eigener Tasche gezahlt werden.

In der achtteiligen Steuer-Serie der Berliner Morgenpost erfahren Sie, wie Sie sich besonders viel Geld vom Finanzamt zurückholen. Sollte eine Frage unbeantwortet bleiben, können Sie diese kommenden Sonnabend den Experten des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine (BVL) und des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg stellen.

So machen Sie Arbeitsmittel steuerlich geltend

Ob Steuerzahler die kompletten Anschaffungskosten eines Arbeitsmittels im Jahr des Kaufs steuerlich geltend machen können, hängt vom Preis ab. Liegt dieser oberhalb von 410 Euro ohne Mehrwertsteuer, müssen Steuerzahler die Ausgaben für Computer, Drucker oder andere Arbeitsmittel über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilen, also „abschreiben“. Wie hoch diese für die einzelnen Arbeitsmittel ausfällt, können Steuerzahler der sogenannten AfA-Tabelle entnehmen. Diese gibt es auf der Seite des Bundesfinanzministeriums.

Liegt der Anschaffungspreis unter 410 Euro ohne Mehrwertsteuer, können die Aufwendungen für ein Arbeitsmittel im Jahr des Kaufs in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden (Sofortabschreibung). Doch nicht nur die Höhe des Preises, auch der Monat des Kaufs entscheidet über den Betrag, den Finanzämter akzeptieren. Dazu ein Beispiel: Frau Meier kauft im November einen PC für 900 Euro. Diesen muss sie über drei Jahre abschreiben. Im ersten Jahr nickt das Finanzamt aber lediglich den anteiligen Betrag – im Fall von Frau Meier zwei Zwölftel – ab, also 50 Euro. Peripheriegeräte wie etwa Drucker, die ohne Computer nicht genutzt werden können, müssen Steuerzahler gemeinsam mit dem PC abschreiben. Seit Januar können Steuerzahler auch größere Anschaffungen im Jahr des Kaufs in voller Höhe steuerlich geltend machen. Die Grenze wurde von 410 auf 800 Euro (ohne Mehrwertsteuer) angehoben.

Steuerersparnis durch Ausbildung und Fortbildung

Aus- oder Fortbildung? Der kleine, aber feine Unterschied entscheidet im Steuerrecht darüber, in welcher Form und bis zu welcher Höhe die Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden können. Aufwendungen für eine erste Ausbildung außerhalb eines Ausbildungsdienstverhältnisses sowie für ein erstes Studium ohne vorherigen Berufsabschluss können Steuerzahler bis zur Höhe von 6000 Euro als Sonderausgaben mit dem Finanzamt verrechnen (Teil 2). „Bei Erstausbildungen handelt es sich um Bildungsmaßnahmen, die in mindestens zwölf Monaten Vollzeit absolviert und mit einer Prüfung abgeschlossen wurden“, sagt Steuerberater Christian Herold von Steuerrat24.de. Somit helfen kurze Bildungsmaßnahmen wie etwa der Taxischein nicht mehr, um nachfolgende teure Studienkosten als Zweitausbildung geltend zu machen. Der entscheidende Nachteil von Sonderausgaben ist, dass diese nur in dem Jahr steuerlich geltend gemacht werden können, in dem sie anfallen.

Sämtliche Bildungsmaßnahmen, die Steuerzahler nach einer ersten Ausbildung oder einem ersten Studium absolvieren, fallen aus Sicht des Finanzamts in die Kategorie Fortbildungen. Dazu zählt etwa ein Masterstudium oder ein Meisterkurs. In diesen Fällen können Steuerzahler die Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten verrechnen – sofern ein Zusammenhang zwischen der Fortbildungsmaßnahme und künftigen Einnahmen besteht (Zeile 44).

In der achtteiligen Steuer-Serie der Berliner Morgenpost erfahren Sie, wie Sie sich besonders viel Geld vom Finanzamt zurückholen. Sollte eine Frage unbeantwortet bleiben, können Sie diese kommenden Sonnabend den Experten des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL) und des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg stellen.

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