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Toyota verkündet Diesel-Ausstieg – VW träumt weiter

Toyota setzt auf Hybridfahrzeuge. Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller rechnet dagegen mit einer Renaissance des Verbrennungsmotors.

Was Diesel-Fahrer jetzt wissen müssen

Deutschlands Dieselfahrer müssen sich nach den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts auf Fahrverbote in Innenstädten einstellen - Details sind allerdings noch unklar. Die wichtigsten Infos im Ü...

Was Diesel-Fahrer jetzt wissen müssen

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Berlin/Genf.  Es ist wieder soweit. Mehrere Tage lang zeigen die Hersteller beim Genfer Autosalon spektakuläre Konzeptstudien, erklären, wie sie sich das Autofahren der Zukunft vorstellen. Fahrzeuge ohne Fahrer spielen eine Rolle, Gestensteuerung, 3D-Brillen, digitale Vernetzung – und natürlich elektrische Antriebe.

Der Kontrast der schönen neuen Autowelt mit der Realität könnte derzeit kaum größer sein: Der Branche drohen in Deutschland Fahrverbote für Dieselfahrzeuge – neue Autos mit diesem Antrieb könnten schwer verkäuflich sein. Und US-Präsident Trump droht mit Strafzöllen, was die global produzierende Industrie empfindlich treffen würde.

Ausgenommen sind Pick-ups und Geländewagen

Als erster großer Autohersteller steigt jetzt Toyota aus dem Geschäft mit Diesel-Pkw aus . Der zweitgrößte Autohersteller der Welt nach VW will in Europa keine Dieselautos mehr anbieten, wie Europa-Chef Johan van Zyl auf dem Autosalon sagte.

Ausgenommen sind Pick-ups und Geländewagen. Nun ist der Anteil an Dieselfahrzeugen bei den Japanern mit zehn Prozent vergleichsweise gering, dennoch ist das Signal deutlich. Toyota setzt unter anderem auf Hybridantriebe aus Verbrennungs- und Elektromotor, die bereits 41 Prozent der verkauften Fahrzeuge ausmachen.

Auch Fiat-Chrysler läutet den Abschied vom Selbstzünder ein. „Wir werden die Abhängigkeit vom Diesel substanziell verringern“, sagte Konzernchef Sergio Marchionne ebenfalls in Genf. Der schwedische Hersteller Volvo will ohnehin perspektivisch nur noch auf E-Motoren setzen. Und auch Porsche sieht nicht viel Zukunft im Diesel.

„Ich glaube an eine Renaissance des Diesel“

Sogar Weltmarktführer VW gibt sich in Genf der Zukunft zugewandt. PS-Stärke, Hubraum, Beschleunigung – in den Reden der VW-Topmanager beim Konzernempfang kommen die Worte nicht mehr vor. Konzernchef Matthias Müller und VW-Markenchef Herbert Diess skizzieren eine Zukunft, die geprägt ist von sauberen E-Fahrzeugen, die in einem Jahrzehnt autonom fahren sollen. Menschlich soll Mobilität werden, effizient und sauber. (Lesen Sie hier, welche Marken von möglichen Fahrverboten betroffen sind. )

Das Auto als Lebensraum, in dem es sich entspannen oder arbeiten lässt, während der Passagier von A nach B gebracht wird. Fast wirkt es, als wären die Autos mit Verbrennungsmotor eine Altlast, die der Konzern so schnell wie möglich loswerden will – so wie auch den Diesel-Skandal.

Allerdings besteht ein Widerspruch zwischen den visionären Wortbeiträgen und der Realität in der Ausstellungshalle 1, in der sich der Konzern präsentiert. Dort gehen die Brot- und Butter-Autos wie Golf oder Polo auf Kundenfang, genauso wie PS-Boliden – mit klassischen Verbrennungsmotoren. Davon lebt der Konzern.

Chef Müller sagte: „Ich glaube an eine Renaissance des Diesel in absehbarer Zeit.“ Denn es werde sich bei den Kunden das Wissen durchsetzen, dass Diesel-Motoren der neuesten Generation sauber seien. „Deshalb gibt es keinen Grund für eine Zurückhaltung.“

Verkaufszahlen brechen ein

Das sahen die Kunden zumindest im vergangenen Jahr anders, in dem die Verkaufszahlen des Diesel einbrachen. Und in diesem Jahr sieht es bisher auch nicht nach der Wiedergeburt des Diesel aus. Vor allem die drohenden Fahrverbote in Deutschland lassen die Autokäufer zweifeln. Vergangene Woche hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Fahrverbote zulässig sind, wenn die Stickoxid-Werte in der Luft die Grenzwerte überschreiten. Hamburg hat bereits entsprechende Pläne vorbereitet.

Diesel-Fahrverbote – Aus diesen Gründen besteht Handlungsbedarf

Diesel-Fahrverbote
Diesel-Fahrverbote – Aus diesen Gründen besteht Handlungsbedarf

Die Städte und Gemeinden fordern allerdings, dass das Thema bundesweit einheitlich geregelt wird – etwa über eine blaue Plakette in der Windschutzscheibe, die saubere Diesel anzeigt. Das Umweltbundesamt hat jetzt sogar zwei unterschiedliche blaue Plaketten vorgeschlagen. Die Autoindustrie ist dagegen, die Bundesregierung gespalten. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist für die blaue Plakette, der designierte neue Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dagegen.

Viele Bundespolitiker sehen eher die Autoindustrie in der Pflicht, Diesel-Fahrzeuge, die nicht den gesetzlichen Normen entsprechen, nachzurüsten. Statt Fahrverbote einzuführen, will die Politik lieber Anreize für Autofahrer bieten, auf den Nahverkehr umzusteigen oder Autos mit neuerer Technologie zu kaufen. Eine Sorge der Bundesregierung: Weil die Autoindustrie eine von Deutschlands Schlüsselindustrien ist, könnte das Aus für den Diesel Tausende Arbeitsplätze gefährden.

Europas Hersteller fürchten Handelsstreit mit den USA

Probleme für die Autoindustrie drohen auch noch von anderer Seite: Aus den USA. US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche Strafzölle auf Aluminium und Stahl angekündigt. Sollte die EU ihrerseits mit Zöllen reagieren, wären auch Abgaben auf Autos möglich, ergänzte er am Wochenende . Die EU berät am Mittwoch über ihr Vorgehen.

Europas Autobauer sehen wegen des drohenden Handelsstreits ihr Geschäft in Gefahr. „Die größten Fabriken einiger europäischer Konzerne stehen in den USA, nicht in der EU“, sagte Erik Jonnaert, Generalsekretär des Branchenverbands ACEA, am Dienstag. Die wirtschaftliche Bedeutung der Autobranche ist auf beiden Seiten des Atlantiks groß. Zehn Prozent des gesamten Handels zwischen der EU und den USA entfallen auf Kraftfahrzeuge.

In Genf mahnten deshalb viele Manager zur Besonnenheit: Ruhig reagieren und Gespräche anbieten, riet etwa VW-Chef Müller. Jedes fünfte in Deutschland oder Italien gebaute Auto wird in den USA verkauft. Weil es sich oft um teure Modelle handelt, liegt der wertmäßige Anteil des US-Geschäfts höher: bei knapp einem Drittel.