München

Handwerksbetriebe suchen Inhaber

Generationswechsel in 200.000 Unternehmen. Nur jedes zweite bleibt in der Familie

München. Neue Chefs dringend gesucht: Etwa ein Fünftel aller deutschen Handwerksbetriebe steht in den nächsten Jahren vor der Übergabe. Das ist nach Einschätzung der Handwerkskammern vor allem für die Betriebe eine Herausforderung, in denen es keine Erben gibt oder diese das Unternehmen nicht fortführen wollen oder können.

„In den nächsten fünf bis sechs Jahren sind es 200.000 Unternehmen, die zur Übergabe anstehen“, sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). „Das ist ein Riesenthema für die Handwerkskammern.“

Die Hälfte aller Handwerksbetriebe wird zwar immer noch von den Kindern oder Familienangehörigen der Inhaber übernommen. Doch etwa ein Viertel der Betriebe werde von Mitarbeitern weitergeführt, ein weiteres Viertel von Externen, sagt der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl im Vorfeld der internationalen Handwerksmesse, die am Mittwoch in München unter dem Motto „Handwerk: die nächste Generation“ beginnt.

„Macht man sich zu spät oder überhaupt keine Gedanken über den Fort­bestand eines Betriebs, kann das im schlimmsten Fall sogar die Existenz gefährden.“

Schwierig kann die Übergabe vor allem in ländlichen Regionen sein, in denen die Bevölkerung schrumpft und es wenige Zuzügler gibt. „Wir haben eine ganze Reihe von Unternehmen, die in ländlichen Räumen sitzen, und die Inhaber sagen: Wer will denn hierher?“, sagt Schwannecke.

Das macht sich vor allem in Flächenländern wie Bayern bemerkbar: Im Freistaat stünden 23.000 Betriebe in den nächsten Jahren vor dem Generationswechsel. Hilfreich könne in solchen Fällen die Digitalisierung sein – denn diese ermöglicht es auch Handwerkern, weit über ihre Heimatregion hinaus Aufträge anzunehmen und somit wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, so Schwannecke. „Das ist eine große Chance, die Übergabe besser hinzukriegen.“