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Samsung präsentiert mit dem S9 einen echten iPhone-Jäger

Samsung kontert Apples neuestes Smartphone mit dem Galaxy S9. Vor allem bei der Software greift Samsung das stärkste iPhone nun an.

Samsung hat zur Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona sein neues Smartphone Galaxy S9 vorgestellt. Es lockt Käufer unter anderem mit Augmented-Reality-Funktionen und einer verbesserten...

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Barcelona.  Apple hat es geschafft. Der US-Technologiekonzern hat im letzten Quartal 2017 Marktführer Samsung entthront und sich wieder an die Weltspitze geschoben. Das neueste iPhone hat dem Konzern trotz seines hohen Verkaufspreises von mehr als 1149 Euro einen Schub gebracht. Jetzt legen die Konkurrenten nach. Vor allem Samsung will Apple keine Chance auf die Marktführerschaft lassen. Zum Start des Mobile World Congress in Barcelona, der größten Mobilfunkmesse der Welt, stellen die Südkoreaner am Sonntagabend ihr neues Spitzengerät vor: das Galaxy S9.

Jahrelang hat Apple den Markt dominiert. Die Amerikaner brachten 2007 mit dem iPhone das erste Smartphone überhaupt auf den Markt. Doch in den vergangenen Jahren stand meist Samsung an der Spitze. Im traditionell starken vierten Quartal 2017 konnte Apple sich nach Zahlen des Marktforschers IDC allerdings mit 77,3 Millionen ausgelieferten iPhones wieder an die Weltspitze schieben, vor Samsung (74,1 Millionen) und den chinesischen Hersteller Huawei (41 Millionen). Grund war unter anderem das iPhone X, das Apple im September vorgestellt hatte. Mitgezählt werden allerdings auch alle Geräte mit weniger Ausstattung als die Topmodelle.

In der Masse liegt Samsung schon vor Apple

Aufs Gesamtjahr gesehen liegt Samsung mit mehr als 317 Millionen ausgelieferten Smartphones deutlich vor Apple (215,8 Millionen) und Huawei (153,1 Millionen). Apples Absatzzahlen erreichen damit nur das Vorjahresniveau.

Eingeschüchtert von Apples Antritt im vierten Quartal 2017 wirkte Konkurrent Samsung in Barcelona wohl auch deshalb nicht. Mit gewohnt großer Geste präsentierten die Koreaner ihren Gegenentwurf zum iPhone X.

Alle weiteren Neuigkeiten vom Mobile World Congress gibt es in unserem Live-Blog.

Vor allem im Inneren hat Samsung aufgerüstet

Äußerlich verweist nur wenig darauf, dass es sich beim Galaxy S9 um ein neues Gerät handelt, es sieht seinem – optisch sehr gelungenen – Vorgänger S8 äußerst ähnlich: Das AMOLED-Display des S9 misst 5,8 Zoll in der Diagonale, das S9+ 6,2 Zoll, beide zeigen 1440 mal 2960 Bildpunkte an – dem ersten Eindruck nach ist die Darstellungsqualität der Bildschirme wieder hervorragend, diesmal vielleicht sogar einen Tick natürlicher als beim sehr bunt eingestellten S8. Auch diesmal sieht man nur oben und unten einen schmalen Geräterand, eine Aussparung wie bei Apples iPhone X gibt es nicht.

Im Innern hat sich dagegen einiges getan: Neueste Prozessor-Generation (Samsungs Eigenentwicklung Exynos), vier beziehungsweise sechs GB Ram und 64 bis 256 GB interner Speicher liefern wieder mehr als ausreichend Power. Deutlich kraftvoller sind auch die neuen Stereolautsprecher, die mithilfe von AKG (ist seit 2017 Teil von Samsung) und Dolby Atmos deutlich optimiert wurden und sehr ansprechend klingen, soweit sich das bisher beurteilen lässt.

Superzeitlupe mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde

Doch der neue Prüfstein für Spitzen-Smartphones ist ein anderer: die Kamera. Und gerade hier ist Samsung traditionsgemäß stark, musste sich im vergangen Jahr aber der überlegenen Optimierungsintelligenz von Googles Smartphone Pixel 2 geschlagen geben. Beim S9 hat sich Samsung deshalb besonders ins Zeug gelegt: Neben einem noch empfindlicheren Sensor hat das Unternehmen die bisher lichtstärkste Optik (Blendenöffnung f/1,5) in ein Smartphone verbaut – so soll das Smartphone auch in sehr schlechten Lichtverhältnissen noch brauchbare Fotos machen und damit auch ausgeklügelte Software wie die im Pixel 2 abhängen. Außerdem beherrscht die Kamera nun eine Superzeitlupe mit 960 Bildern pro Sekunde – allerdings nur für bis zu 0,2 Sekunden lange Clips.

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Die Frontkamera wurde offensichtlich im Hinblick auf Apple optimiert: Wie Apples iPhone X kann nun auch das Samsung S9 das Konterfei des Nutzers in bewegte Cartoon-Gesichter übersetzen. Auch eine Art Face-ID ist an Bord: Ein Mix aus Iris- und 3-D-Gesichtserkennung soll die Sicherheit deutlich erhöhen. Klingt zunächst technisch nicht ganz so ausgefeilt wie Apples Infrarot-Lösung, aber vielleicht ist Samsungs Ansatz ja auch ausreichend.

Sprachassisten verseht noch kein Deutsch

In Deutschland nach wie vor nicht nutzbar bleibt der digitale Sprachassistent Bixby, der auch im S9 steckt, aber noch immer kein Deutsch spricht. Preislich liegen S9 (849 Euro) und S9+ (949 Euro) spürbar unter Apples iPhone X (ab 1149 Euro) – in puncto Leistung aber mindestens auf Augenhöhe.

Gefahr für Samsung könnte ohnehin eher aus China kommen. Hersteller Huawei zeigte am Sonntag in Barcelona erst einmal kein neues Smartphone. Die Chinesen wollten offensichtlich nicht die Aufmerksamkeit mit Samsung teilen müssen. Allerdings darf für die zweite Märzhälfte mit einer Neuvorstellung gerechnet werden. Spätestens dann werden die Chinesen angreifen. Und dabei dürfte Huawei den Preis, den man 2018 für ein Hightech-Smartphone zahlen muss, noch einmal drücken.