Peking

Vom Fotografen zu Chinas Autokönig

Li Shufu stammt aus einer Reisbauernfamilie. Inzwischen ist er Milliardär – und Großaktionär bei Daimler

Peking. Li Shufu ist kein Mann, der viel Geheimnisse um seine Vorhaben macht. Im Gegenteil: Der „chinesische Henry Ford“, wie der 54-Jährige in seinem Heimatland auch genannt wird, hatte schon vor Wochen angekündigt, er wolle größter Anteilseigner von Daimler werden. Und genau dazu ist es Ende vergangener Woche auch gekommen.

Der chinesische Autokonzern Geely, dessen Vorstandschef Li Shufu ist, hat sich für geschätzte mehr als sieben Milliarden Euro 9,7 Prozent der Aktien des prestigeträchtigen Stuttgarter Autobauers gesichert und damit den Staatsfonds von Kuwait mit 6,8 Prozent als größten Einzelaktionär abgelöst. Geely heißt übersetzt „Glück und Gewinn“.

Bereits an diesem Montag will Li nach Stuttgart reisen und sich mit der Daimler-Spitze treffen. Thema sollen unter anderem gemeinsame Standards und gemeinsame Beschaffung von Batterien sein. Auch die Bundesregierung horcht angesichts dieser Großinvestition auf: Der Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Lars-Henrik Röller, will sich ebenfalls mit Li treffen.

1981 lieh sich Li Shufu als 18-Jähriger 120 Yuan – heute zwölf Euro – von seinem Vater, einem Reisbauern. Er kaufte eine Kamera und machte mit Fotos erste Geschäfte. Mitte der 80er-Jahre gründete er mit Freunden eine Fabrik für Kühlschrankteile. Später ließ der junge Unternehmer Motorräder für Taiwan bauen. Erst 1998 erwarb er die Lizenz, auch Autos anzufertigen. Heute ist Geely der erfolgreichste chinesische Autobauer in Privathand und hat im vergangenen Jahr 1,24 Millionen Fahrzeuge verkauft, zehnmal mehr als 2005. Bis 2020 sollen es zwei Millionen sein.

Seit 2010 gehört auch die schwedische Marke Volvo zu Geely. Für Volvo war das ein Glücksfall. Dank des verbesserten Zugangs zum chinesischen Markt verkaufte der angeschlagene schwedische Autobauer in den Folgejahren kräftig. Das macht sich auch in Lis Privatvermögen bemerkbar. 2017 hat sich das Vermögen des 54-Jährigen dem US-Magazin „Forbes“ zufolge auf 17 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Euro) mehr als verdreifacht, weil die Aktie von Geely an der Börse durchstartete. Das Luxusforschungsinstitut Hurun nennt Li „Chinas Autokönig“ und sieht ihn auf Platz zehn der reichsten Chinesen. Li hatte bei seiner Auslandsexpansion zuletzt unter anderem auch in London Taxi sowie die britische Sportwagenmarke Lotus investiert. Mit der neuen Marke Lynk will der Geely ab 2019 stärker in Europa vertreten sein.

Unmittelbar dürfte Geely der Daimler-Anteil wenig Nutzen bringen. Geely hat weder Zugriff auf die Technik der Stuttgarter noch Ansprüche auf eine Zusammenarbeit in der Produktion. In China hat Daimler mit den Geely-Konkurrenten BYD und BAIC bereits zwei chinesische Partner. Mit Letzterem investieren die Stuttgarter jetzt umgerechnet 1,54 Milliarden Euro in China, um die Produktionskapazität für Mercedes-Fahrzeuge auszubauen.