Hamburg

Kakao und Mandeln raus, Zusatzstoffe rein

Hamburg. Im November wurde Nutella auf einmal blass. Die kultige Nuss-Nougat-Creme, die für viele zum perfekten Frühstück dazugehört, sah auf einmal irgendwie anders aus. Die Experten der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) stellten mit einem Blick auf die Etiketten von alten und neuen Gläsern fest, dass der Magermilchpulveranteil im Produkt gestiegen war. Und sie vermuteten, dass der Hersteller gleichzeitig den Kakaoanteil verringert hätte. Jetzt bestätigte sich ihr Verdacht: „Ein von uns beauftragtes Labor ermittelte in der alten Variante der Schokocreme einen Kakaoanteil von etwa 8,5 Prozent und im neuen Nutella nur noch von rund 7,4 Prozent“, sagt Armin Valet. „Die Laborwerte belegen schwarz auf weiß, dass wir mit unserem Verdacht der Wertminderung richtig lagen.“

Still und heimlich hatte der Hersteller Ferrero die Rezeptur geändert. Und da ist er nicht alleine. Vom Fall Nutella ausgehend nahmen die Verbraucherschützer weitere Produkte unter die Lupe. Sie wurden bei einer Reihe teils namhafter Hersteller fündig, die wie Ferrero an hochwertigen Zutaten wie Haselnüssen, Kakao oder Rapsöl sparten und sie durch billigere Stoffe oder Aromen ersetzten – das aber entweder als „verbesserte Rezeptur“ bewarben. Oder einfach gar nichts dazu sagten.

Downgrading – also herabstufen – heißt das in der Industrie. „Durch Downgrading wollen Konzerne oft Rohstoffkosten einsparen, legen die Karten jedoch nicht offen auf den Tisch“, sagt Valets Kollegin Silke Schwartau. Stattdessen zögen die Hersteller angebliche Kundenwünsche zur Begründung heran. Die Hamburger verglichen die Zutatenlisten aus ihrem Archiv mit den aktuellen Warenangaben. Sie fanden 17 Produkte, bei denen die Hersteller downgegradet hatten. Hier Beispiele:

Rewe Bio Honig-Dinkel: Statt 30 Prozent ist jetzt nur noch 20 Prozent Honig drin. Hersteller Rewe sprach von einer branchenüblichen Rezepturanpassung. Obwohl das Produkt weniger Honig enthält, änderte das Unternehmen den Namen von „Dinkel-Pops“ auf „Honig-Dinkel“.

Homann Milder Eiersalat: Der Anteil der Eier sank von 58 auf 50 Prozent. Dafür kamen aber zwei Konservierungsstoffe neu in das Produkt. Positiv: Der Salzgehalt wurde von 1,8 auf 0,61 Prozent reduziert. Homann warb mit dem Slogan „Neue Rezeptur“ und hält den „verbesserten milden Eiersalat“ für „geschmacklich ausgewogen“. Laut vzhh hatte eine noch frühere Produktversion sogar 63 Prozent Eier enthalten.


Milka Nussini Waffelschnitte: Der Anteil der Haselnüsse sank von 14 auf 9,5 Prozent. Statt wie früher Haselnusscreme wird nur noch Creme mit Haselnussgeschmack verwendet. Hersteller Mondelez sprach von einer Weiterentwicklung und Modernisierung des Riegel-Sortiments, um den Konsumenten „Geschmackserlebnisse zu bieten, die mit dem Zeitgeist gehen“. Valet sagt: „Haselnüsse sind mit Abstand das Teuerste an einem Nussini. Da gilt es nur, die Rohstoffkosten zu senken.“


Kellogg’s Schoko-Tresor: Der Anteil von Haselnüssen sank von 4,5 auf zwei Prozent, von Schokolade von 4,5 auf vier Prozent, auf Mandeln wird nun ganz verzichtet.


Rama Dreiviertelfettmargarine: Der Anteil des Rapsöls sank von 46 auf 36 Prozent, dafür wurde mehr Trinkwasser eingesetzt. Hersteller Unilever antwortete, man wolle die Marke Rama aktuell halten und den „Bedürfnissen der Verbraucher“ entsprechen, die eine leichte und cremige Textur bevorzugen.
Krüger Cappuccino Fein & Cremig: Statt 15 Prozent löslichen Bohnenkaffees sind es nur noch zwölf Prozent. Dafür kletterte der Zuckeranteil von 60,4 auf 65,2 Prozent. Man habe einen anderen Kaffee verwendet und daher den Anteil gesenkt, um den Geschmack zu erhalten, teilte Hersteller Krüger mit.


Arko Hütchenpralinen: Statt 25 Prozent Zartbitterschokolade sind es nur noch 16 Prozent. Der Zuckeranteil stieg von 66 auf 73 Prozent. Arko gab einem Lieferantenwechsel die Schuld für die veränderte Rezeptur, weil der alte Hersteller die Ware aus dem Programm genommen habe. „Arko stellt sich als das Opfer seiner Lieferanten dar, die angeblich die Rezeptur bestimmen“, sagt Valet. Normalerweise entscheide darüber der Auftraggeber.


Weight Watchers Mini Frikadellen: Das Produkt enthält nur noch 75 statt 80 Prozent Schweinefleisch, dafür mehr Wasser. Auch Weight Watchers führt einen Lizenznehmerwechsel an.


Kölln Müsli Schoko Kirsch: Der Schokoladeanteil in dem Müsli sank von zehn auf sieben Prozent, der Kakaoanteil in der Schokolade von 60 auf 40 Prozent. Hersteller Kölln begründete dies mit „dem Wunsch unserer Verbraucher nach einem weniger intensiven Schokoladengeschmack“. Valet bezweifelt, dass die Kunden dies wirklich wollen.