Vorwurf

Lassen H&M und C&A im chinesischen Knast nähen?

Der Vorwurf wiegt schwer: Mode für H&M und C&A soll unter militärischem Drill in einem Gefängnis in China hergestellt worden sein.

Foto: REUTERS / ALY SONG / REUTERS

Peking/Berlin.  Häftlinge sollen unter militärischem Drill in China zur Herstellung von Kleidung für Modeketten eingesetzt worden sein – darunter auch Ausländer. Arbeit von früh bis spät als einzige Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen, um sich Snacks oder Hygieneartikel im Gefängnis leisten zu können. Gehalt: 120 Yen. Das sind umgerechnet etwa 15 Euro – pro Monat. Die Vorwürfe wiegen schwer.

In der Vergangenheit hatten Modeketten immer wieder Pro­bleme mit den Arbeitsstandards ihrer Zulieferer in Billiglohnländern. Nun kommt ein weiterer Verdacht hinzu: Der britische Privatdetektiv Peter Humphrey, der 23 Monate lang im Quingpu-Gefängnis in der Nähe von Shanghai eingesperrt war und 2015 aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen wurde, schildert in der „Financial Times“ seine Haftbedingungen – und belastet dabei die Modeketten H&M und C&A.

Auch in Deutschland wird in Gefängnissen gearbeitet

„Das Gefängnis war ein Unternehmen, das Industriearbeit verrichtete“, schreibt Humphrey. Vormittags, nachmittags und oft während des Mittagsschlafs hätten die Häftlinge gearbeitet. „Unsere Männer haben Verpackungsteile hergestellt. Ich erkannte bekannte Marken – 3M, C&A, H&M. So viel zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, obwohl die Unternehmen möglicherweise nicht wussten, dass die Gefängnisarbeit Teil ihrer Lieferkette war.“ Möglich mache das ein verzweigtes Konstrukt in der Produktionskette in Ländern wie China oder Bangladesch, so Humphrey.

H&M: Das sind die schlimmsten Skandale der Modekette
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Arbeit in Gefängnissen ist nicht illegal und wird auch in Deutschland praktiziert. Gefangene und Gefängnisse können gleichermaßen davon profitieren. Jedoch können die Modehäuser nicht kontrollieren, ob die Arbeit unter Zwang geschieht. So schließen H&M und C&A in ihren Richtlinien Gefängnis- und Zwangsarbeit in ihren Lieferketten aus.

Modeketten leiten eigene Untersuchungen ein

H&M verpflichtet seine Zulieferer dazu. Für den Modekonzern sei es völlig inakzeptabel, Kleidung in Gefängnissen fertigen zu lassen, sagte eine Konzernsprecherin dieser Redaktion. „Wir kennen die aktuellen Vorwürfe und nehmen diese sehr ernst. An dieser Stelle können wir nicht bestätigen, ob sie korrekt sind oder nicht.“ Eine Untersuchung sei eingeleitet.

Auch der Verhaltenskodex für die Zulieferer von C&A ist eigentlich eindeutig und verbietet Gefängnisarbeit ausdrücklich. „Wir auditieren alle 273 Fabriken unserer Lieferanten in China mindestens einmal pro Jahr“, sagte ein Sprecher am Mittwoch, „und haben weder den Einsatz von Gefängnisarbeitern in unserer chinesischen Lieferkette beobachtet noch wurden wir darüber in Kenntnis gesetzt.“ Das Unternehmen toleriere „keine Form der Zwangsarbeit oder Schuldknechtschaft“ in seiner Lieferkette. Im Falle von Zwangsarbeit würde die Geschäftsbeziehung sofort aufgekündigt, heißt es bei C&A.

Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in China miserabel

Über die Arbeitsbedingungen in chinesischen Gefängnissen ist nur wenig bekannt – auch weil die der Zensur unterliegenden chinesischen Medien selten darüber berichten. Doch wie die unabhängige Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch berichtet, sind die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in China miserabel. Verstöße der Arbeitsschutzbedingungen wie zu lange Arbeitszeiten, unzureichende Pausen, mangelnde Arbeitssicherheit gehören immer noch zur Regel. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass die Situation in den Gefängnisfabriken sehr viel besser sei.