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Chinesen liegen vorn: Schmähpreis für dreiste Plagiate

Plagiate gibt es viele, aber die Unterschiede sind meist kaum zu erkennen. Ein Negativ-Preis soll auf das Problem aufmerksam machen.

Joachim Rao, Leiter des Produktmanagements der Firma Puky aus Wülfrath, hält das Original des „Puky Racers“ (r.) zum Vergleich neben die chinesischen Fälschung (l.).

Joachim Rao, Leiter des Produktmanagements der Firma Puky aus Wülfrath, hält das Original des „Puky Racers“ (r.) zum Vergleich neben die chinesischen Fälschung (l.).

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Frankfurt/Main.  Der Negativ-Preis „Plagiarius“, der auf Produktfälschungen aufmerksam machen soll, geht auch in diesem Jahr an chinesische Hersteller. Der Preis wird seit 42 Jahren auf der Frankfurter Konsumgütermesse, der „Ambiente“, an besonders dreiste Plagiate vergeben. Das Küchen-Schneidegerät „Nicer Dicer Plus“ hat es auf Platz eins geschafft.

Der Unterschied zum Original aus Deutschland ist nicht auf Anhieb zu erkennen, der Markenname ist gleich, allerdings ist das Plagiat aus billigem Kunststoff. Der enthalte zum Teil gesundheitsschädliche Substanzen, sagt Christine Lacroix, Sprecherin der Aktion Plagiarius, die die unrühmlichen Auszeichnungen vergibt.

Alkohol aus Mexiko, Medizin aus Indien

Auch auf den beiden folgenden Plätzen finden sich chinesische Hersteller. Gefälscht wird aber nicht nur in China, sondern überall auf der Welt. Vielfach seien es ehemalige Vertriebs- oder Produktionspartner oder ehemalige Mitarbeiter, die den Job gewechselt hätten, erklärt Lacroix.

Weltweit könne man inzwischen eine Spezialisierung erkennen, beobachtet Volker Bartels, Vorsitzender des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie, einer Gemeinschaftsinitiative der deutschen Industrie (DIHK und BDI) und des Markenverbands. So stammten gefälschte elektronische Artikel und Accessoires vorwiegend aus China, Kleidung auch aus der Türkei, alkoholische Getränke aus Mexiko, Medikamente häufig aus Indien.

Auch auf Messen werden Fälschungen ausgestellt

Selbst auf der Ambiente in Frankfurt tauchen solche Plagiate auf, die der Zoll dann auf Kontrollgängen, unterstützt durch die Hinweise der Originalhersteller, versucht aufzuspüren und sicherzustellen. Der Zoll hat im Jahr 2016 insgesamt Plagiate im Wert von 180 Millionen Euro sichergestellt.

Doch das sei nur die Spitze des Eisbergs, denn der Zoll könne nur punktuell kontrollieren. Außerdem nutzen Fälscher inzwischen den Onlinehandel, um ihre Produkte abzusetzen. Das aber kann der Zoll noch schwerer nachverfolgen. Plagiate verursachen hohe wirtschaftliche Schäden. Bei den Originalherstellern gehen Arbeitsplätze verloren, die Bartels etwa im Bereich Bekleidung und Schuhe auf 360.000 schätzt.

Der Schaden für die deutsche Wirtschaft wird auf 30 bis 50 Milliarden Euro jährlich taxiert, seriös lässt sich das jedoch nicht beziffern. Und nicht zu vergessen sind auch die Schäden für den Verbraucher, denn gefälscht werde mittlerweile alles, was erfolgreich ist, sagt Bartels, auch sicherheitsrelevante Bauteile wie Airbags, Bremsen, Motorsägen oder Medikamente.