Billigflieger

Piloten fordern mehr Geld: Ryanair drohen Streiks zu Ostern

Trotz Flugausfällen steigert Ryanair Gewinn und Umsatz. Doch Chef O’Leary will die Gehaltsforderungen der Piloten nicht erfüllen.

Flugzeuge von Ryanair stehen am nordrhein-westfälischen Flughafen Weeze: Der irische Billigflieger macht sich auf weitere Pilotenstreiks gefasst.

Flugzeuge von Ryanair stehen am nordrhein-westfälischen Flughafen Weeze: Der irische Billigflieger macht sich auf weitere Pilotenstreiks gefasst.

Foto: Arnulf Stoffel / dpa

Frankfurt.  Die letzten Warnstreiks liegen nur wenige Wochen zurück. Nun drohen dem irischen Billigflieger Ryanair erneut Arbeitsniederlegungen zu Ostern. Den "lächerlichen Forderungen der Piloten" will Ryanair-Chef Michael O'Leary auf keinen Fall nachgeben. Vielmehr sei das Unternehmen bereit, die damit verbundenen Beeinträchtigungen hinzunehmen.

Schon vor Weihnachten wirkten sich die jüngsten Warnstreiks der Piloten lediglich durch Flugverzögerungen auf die Passagiere aus. Denn Ryanair setzte damals nicht fest angestellte Piloten ein, um Ausfälle zu verhindern. Weitreichendere Ausstände in anderen Ländern hatte der Billigflieger-Chef noch abwenden können, indem er Gewerkschaften in mehreren europäischen Ländern anerkannte. Dies war eine große Veränderung für O'Leary, der bis dahin immer getönt hatte, eher friere die Hölle zu, als dass er mit Gewerkschaften verhandle.

Piloten in Großbritannien bekommen bis zu 20 Prozent mehr

Mittlerweile konnte er in einigen Ländern eine Einigung erzielen. Für den britischen Teilmarkt, der ein Viertel des Geschäfts ausmacht, habe man sich mit den Piloten verständigt. Diese erhalten bis zu 20 Prozent mehr Gehalt. Für die zehn Basen in Deutschland steht eine Einigung noch aus.

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Die Anerkennung von Gewerkschaften könne das Geschäft komplexer gestalten, werde aber nichts an der Kostenführerschaft in der europäischen Luftfahrt ändern, ist O'Leary überzeugt. Die Ticketpreise würden nicht steigen.

Ryanair-Chef O'Leary nannte die Ansprüche der Piloten "überholt", ihre Forderungen stammten aus Zeiten, als die Branche von Ineffizienz geprägt gewesen sei. Mit "Ineffizienz" meint er die Verträge und Gehälter bei den früheren staatlichen Fluggesellschaften. Trotz der Anerkennung der Gewerkschaften gibt sich O'Leary aber weiter widerspenstig. Er werde sich nicht zu Zugeständnissen zwingen lassen.

Ryanair rechnet mit 45 Millionen Euro mehr für Gehälter

Dabei hatte sich im vergangenen Sommer die Situation bei der blau-gelben Fluggesellschaft zugespitzt: Damals fielen etwa 20.000 Flüge aus, weil es an Personal fehlte. Grund waren angeblich Fehler beim Erstellen der Dienstpläne. Der eigentliche Grund für den Unmut der Flugzeugführer sind aber wohl die miserablen Arbeitsbedingungen bei Ryanair: Viele Beschäftigte sind nicht direkt bei der Fluggesellschaft angestellt, können nur bei Bedarf fliegen.

Genaue Zahlen dazu veröffentlicht das Unternehmen nicht. Junge Piloten waren zeitweise bereit zu bezahlen, nur um fliegen zu dürfen. "Inzwischen ist der Druck der Piloten zu groß geworden", beobachtet der Luftverkehrsexperte Heinrich Großbongardt. Die Branche wachse, Piloten seien gesucht.

Die irische Fluggesellschaft rechnet damit, dass sie im laufenden Jahr 45 Millionen Euro mehr für höhere Gehälter zahlen muss. Das hören Aktionäre nicht gern: Der Aktienkurs rutschte deshalb um gut vier Prozent ab, auch wenn die Fluggesellschaft versprach, Aktien über 750 Millionen Euro zurückzukaufen.

Mehr Gewinn, mehr Passagiere

Dabei könnte sich Ryanair höhere Gehälter leisten. Allein im dritten Quartal (31. März) flogen die Iren trotz Flugstreichungen mehr Gewinn ein. Die Zahl der Passagiere stieg zwischen Oktober und Dezember um sechs Prozent auf 30,4 Millionen. Die Umsätze legten um vier Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu, der Gewinn kletterte um zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro. Überraschend viel Geld spülten die Gebühren für Sitzreservierungen und Extragepäck in die Kassen. Auch für das Gesamtjahr bleibt O'Leary optimistisch: Die Zahl der Passagiere soll um acht Prozent auf 130 Millionen steigen, der operative Gewinn auf minimum 1,4 Milliarden Euro.

Für 2019 jedoch seien die Aussichten ungewiss. Dabei warnt Ryanair vor allem vor den Auswirkungen des Brexits. Sollten die Verhandlungspartner nicht bis September zu einer Einigung kommen, könnten "ernsthafte Störungen" im Flugverkehr die Folge sein. Ohne eine Einigung mit der EU könnten britische Fluggesellschaften nach dem Brexit nicht mehr Flughäfen in der EU anfliegen, also zum Beispiel von London nach Paris – umgekehrt aber auch EU-Fluglinien nicht mehr in London oder Manchester landen oder starten. Ohne eine Einigung könnte Ryanair also nicht mehr über den Ärmelkanal fliegen. Ryan­air will deshalb von September an eine "Brexit-Warnung" auf seine Tickets drucken: Diese könnten ihre Gültigkeit verlieren, wenn die Frage bis zum EU-Austritt nicht geklärt sei.