Start-up aus Berlin

Zwei Berliner planen die Kinderwagen-Revolution

Ein Start-up will den Handel mit Kinderwagen und Babysachen ins Internet holen. Beraten wurden sie von einer Hebamme.

Bonavi / Kinderwagen: Happy-Baby-Company-Chefs Markus (rechts) und Niklas Ott

Bonavi / Kinderwagen: Happy-Baby-Company-Chefs Markus (rechts) und Niklas Ott

Foto: Reto Klar

Berlin.  In dem lichtdurchfluteten Büro-Loft nahe dem S-Bahnhof Jannowitzbrücke steht Markus Ott und preist das schnittige, schwarze Gefährt an. Auch wenn er dabei ein wenig so ausschaut wie ein Autoverkäufer, motorisiert ist das Produkt, das den jungen Mann derart in Ekstase versetzt, nicht. Markus Ott (25) hat gemeinsam mit seinem Bruder Niklas (26) die Happy Baby Company gegründet. Der Kinderwagen Bonavi ist seit dem vergangenen Jahr auf dem Markt.

Die Erfindung der beiden Mittzwanziger ist auch eine Kampfansage: Weil Bonavi nur im Internet vertrieben wird, entfallen Kosten für Zwischenhändler. Das Kinder-Gefährt aus der Hauptstadt ist deswegen fast 300 Euro günstiger als vergleichbare Produkte anderer Hersteller.

Das Geschäft mit Artikeln für Neugeborene und Kleinkinder wächst deutschlandweit. Seit mehr als zehn Jahren steigt die Geburtenrate wieder an. 2016 etwa sind in Deutschland 760.652 Babys auf die Welt gekommen. Fast 690.000 Kinderwagen sind in dem Jahr verkauft worden. Der Buggy-Verkauf fand bislang allerdings ausschließlich im stationären Handel statt. Eltern wollen anfassen, genau überprüfen, in was für einem Gefährt der Nachwuchs künftig durch die Gegend gekarrt wird.

Eltern haben 30 Tage Zeit für Probefahrten

Kinderwagen werden heutzutage zwar fast ausschließlich in Niedriglohnländern produziert. Doch auch der Einzelhandel verdient mit. Häufig müssen Eltern deswegen 1000 Euro und mehr für einen hochwertigen Kinderwagen auf den Tisch legen. Bonavi hat den Vertrieb nun neu gedacht: Eltern bestellen im Onlineshop, geliefert wird frei Haus. 30 Tage Zeit für Probefahrten gewähren die Gründer. "Falls der Kinderwagen doch nicht gefällt, wird er kostenlos wieder abgeholt", verspricht Niklas Ott.

Auch wenn die Brüder zu Verkaufszahlen schweigen, ist anzunehmen, dass die meisten Kunden mit ihrem Bonavi zufrieden sind. "Es läuft gut", sagt Niklas Ott und lacht. Das liegt auch an der gründlichen Vorbereitung: Mehrere Monate lang haben Markus und Niklas Ott nicht nur den Markt studiert, sondern auch die mögliche Kundschaft.

Eine Hebamme beriet sie

Pate stand dabei die Berliner Hebamme Luise Kaller, die nach eigenen Angaben in ihrer 50-jährigen Laufbahn mehr als 10.000 Geburten begleitet hat. Kaller hat die Bonavi-Gründer mit Eltern zusammengebracht. "Dann haben wir einfach gut zugehört", erklärt Niklas Ott.

Danach wussten die Brüder nicht nur, was Eltern von Kinderwagen erwarten, sondern auch, was bei vielen Modellen auf dem Markt stört. Ein wenig sei das wie beim Autokauf, sagt Markus Ott. Teure Modelle erfüllten fast alle Wünsche, doch bei den günstigeren müssten Eltern Abstriche machen. Das müsse aber gar nicht sein, meinen die Brüder.

Jetzt könne sich der Bonavi nicht nur gegen die rund 150 Anbieter auf dem deutschen Markt behaupten, der Berliner Kinderwagen fahre der Konkurrenz sogar davon, glauben die Gründer. Aus sechs Farben können Eltern wählen. Der Buggy wird mit Babywanne für Neugeborene und mit dem Sportsitz für Kinder bis zu vier Jahren verkauft. Markus Ott spricht über Material, Regenschutz und Sonnenblende. Später redet er auch über die Räder. Schaumstoffreifen mit inte­grierten Luftkammern seien in den Bonavi-Modellen verbaut. Lästiges Aufpumpen entfalle, dennoch habe der Wagen dieselben Fahreigenschaften wie ein vergleichbares Modell mit Lufträdern.

Gründer wollen neue Produkte auf den Markt bringen

Gemeinsam mit ihrem Hersteller haben die Ott-Brüder den Kinderwagen kon­struiert. Auftragsproduzent ist ein chinesisches Unternehmen in der Nähe von Hongkong. Jedes Jahr fliegen die Bonavi-Geschäftsführer bis zu acht Mal nach Asien, um einen Blick in die Produktion zu werfen. Beanstandungen gab es bislang nicht: Die Chinesen sind erfahren, die Firmen zählen zu den weltweit größten Herstellern von Babysachen.

In Berlin konzentrieren sich Markus und Niklas Ott weiter auf ihr Unternehmen. 17 Mitarbeiter sind derzeit für die Happy Baby Company tätig. Bald steht der Umzug in ein größeres Büro an. Neue Produkte sollen unter dem Bonavi-Label in den nächsten Monaten auf den Markt gebracht werden. Und natürlich wollen die Gründer auch den Rest Europas erobern. Bislang haben die jungen Männer eine sechsstellige Summe in ihr Unternehmen investiert.

Investoren gibt es derzeit nicht, dabei haben die Ott-Brüder gute Kontakte in die deutsche Start-up-Szene: Markus Ott arbeitete vor Bonavi unter anderem für Rocket Internet in Berlin, Bruder Niklas war Geschäftsführer bei dem Matratzen-Start-up Dormando in Frankfurt am Main. Zeit für eigene Kinder blieb bislang nicht. Und so müssen die Bonavi-Macher zunächst weiter gut zuhören, um in der Erfolgsspur zu bleiben.

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