Neues Standortkonzept

General Electric-Werk in Berlin könnte doch gerettet werden

Ende 2017 erfuhren die GE-Mitarbeiter in Marienfelde, dass ihre Arbeitsplätze gefährdet sind. Ein neues Konzept könnte das Werk retten.

Mitarbeiter von General Electric demonstrieren in Marienfelde

Mitarbeiter von General Electric demonstrieren in Marienfelde

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Berlin. Die Beschäftigten bei General Electric (GE) in Marienfelde, die kurz vor Weihnachten erfuhren, dass ihre Arbeitsplätze gefährdet sind, hoffen, dass es mit neuen Konzepten weitergeht. "Es gibt noch keinen Grund zu feiern, aber wir geben nicht auf. Es gibt Überlegungen, wie der Standort erhalten werden kann.

Der Betriebsrat, die Geschäftsführung und wir von der IG Metall arbeiten zusammen an einer Lösung", sagte Constantin Borchelt von der IG Metall, der das Unternehmen vor Kurzem zusammen mit Klaus Abel, dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Berlin, und Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) besuchte, um sich vom Betriebsrat informieren zu lassen.

Der schlimmste Fall sei, wenn in Marienfelde nur noch das Schulungszentrum bestehen bleibe – und die Entwicklung und die Fertigung von Stromumwandlern, der Vertrieb und der Service geschlossen würden. Im Werk in Marienfelde arbeiten 672 Mitarbeiter. Bei den gefährdeten Arbeitsplätzen handelt es sich um hoch qualifizierte Fachkräfte wie Ingenieure und Facharbeiter.

Konkret geht es um den Geschäftsbereich "Power Conversion GmbH", der Umwandlung von Energie, um den sich hauptsächlich die GE-Firmen in England, Deutschland und Frankreich kümmern. Außenstandorte, die überwiegend für die Service-Bereiche zuständig sind, befinden sich innerhalb Deutschlands auch in Essen, Frankfurt am Main und Hamburg, die Zentrale aber ist in Marienfelde an der Culemeyerstraße 1.

80 Prozent der gefährdeten GE-Arbeitsplätze sind in Marienfelde

Von den 500 Stellen in der Fertigung, die geschlossen werden soll, sind laut Betriebsrat 80 Prozent in Marienfelde. In der dortigen Produktion werden beispielsweise Stromrichter gefertigt, die bei Windanlagen den Strom umwandeln, damit er ins Netz eingespeist werden kann. Andere Teile der Produktpalette sind beispielsweise sogenannte Umrichter für die Autoindustrie, eine Art Prüfstände, mit denen Achsen, Getriebe und Motoren getestet werden.

"Es gibt Chancen, die Arbeitsplätze zu erhalten, wenn wir die Organisationsstruktur ändern und uns auf die Bereiche Öl und Gas, Industrie und Solar mit unseren Umwandlern konzentrieren", sagte der Betriebsratsvorsitzende von GE Power Conversion in Marienfelde, Martin Ruess, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Er ist darüber in Gesprächen mit dem europäischen Betriebsrat von GE und auch mit der Geschäftsführung in Marienfelde.

Zu den Problemen gehört auch die geringe Auslastung

Die Verhandlungen hätten das Ziel, die Schließungspläne vom Tisch zu bekommen und mit neuen, eigenständigen Strukturen das Geschäft nach vorne zu bringen. Dabei müsse auch das Problem gelöst werden, dass der Berliner Standort eine zu geringe Auslastung habe, weil GE bereits große Teile der Fertigung im Bereich Wind- und Solarumrichter nach China und Indien verlagert habe. Die verbleibenden Produkte würden die Mannschaft nicht auslasten, weshalb auch der Vertrieb gestärkt werden müsse, um mehr Aufträge hereinzuholen.

Wichtig sei aber auch, die Organisationsstruktur zu verändern. "Noch werden die Unternehmen global von der Zentrale in Paris gesteuert, dort wird entschieden, wer welche Aufträge umsetzt. Wir glauben jedoch, dass es besser ist, unabhängiger und eigenverantwortlicher zu agieren", sagte Ruess. Risikobehaftete Aufträge mit zu wenig Marge könnten dann zukünftig abgelehnt werden. Das Thema Dezentralisierung und gestärkte Ländergesellschaften mit mehr Entscheidungsbefugnis, was die Pariser Zentrale selbst vorgeschlagen habe, werde parallel zum Vorschlag der Geschäftsleitung, die Arbeitsplätze zu reduzieren, verhandelt.

Das lokale Management soll mehr Verantwortung tragen

Ruess ist überzeugt, dass das neue Konzept funktionieren kann, wenn die einzelnen Betriebe mit dem lokalen Management statt der Zentrale in Paris künftig selbst für die Gewinne und Verluste die Verantwortung tragen: "Der Energiemarkt ist im Wandel, die Optimierung der Energieerzeugung und der -umwandlung ist nach wie vor ein zukunftsträchtiger, lukrativer Bereich", sagte der Betriebsratsvorsitzende.

Auch Bezirksbürgermeisterin Schöttler setzt sich für den Erhalt des Werks in Marienfelde ein: "GE ist Teil einer unserer größten Industriestandorte im Bezirk, ich wünsche mir, dass dieses wichtige Unternehmen auch mit Fertigungsfläche am Standort erhalten bleibt und nicht zu einem Verwaltungsstandort der Firma verkümmert. Diese Arbeitsplätze sind wichtig, nicht nur für den Bezirk, sondern für ganz Berlin. Wir können uns keine Abwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften leisten", sagte sie. Die Beschäftigten sollten als Teil der Lösung gesehen werden, nicht als Teil des Problems, forderte die SPD-Politikerin.

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