Lebensmittelbetrug

Gefälschtes Olivenöl – Gewinne wie beim Drogenhandel

Olivenöl gehört in der EU zu den am meisten gefälschten Lebensmitteln. Die Stiftung Warentest hat 27 Öle auf ihre Qualität gestestet.

Was wirklich im Öl ist, erkennen bei Verkostungen oft selbst Experten nicht.

Was wirklich im Öl ist, erkennen bei Verkostungen oft selbst Experten nicht.

Foto: KristianSeptimiusKrogh / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Olivenöl ist eines der wertvollsten Öle für die Verwendung in der Küche – mit teils stattlichen Preisen. Entsprechend interessant ist das Produkt für Fälscher. „Auf der EU-Liste der zehn betrugsanfälligsten Produkte stand es auf dem ersten Platz“, sagt Andreas Kliemant, Experte für Lebensmittelbetrug beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Fälschungen können schwere Gesundheitsschäden verursachen – was bei Olivenöl bisher nicht vorgekommen ist. In Tschechien starben im vergangenen Jahr allerdings 47 Menschen an gepanschtem Alkohol.

Die Behörde hat selbst erprobt, wie einfach es ist, Olivenöl zu fälschen, und einen Fall aus der Praxis nachgemacht: „Wir haben billiges Salatöl mit Hilfe von getrockneten Spinatblättern, Wasabi-Paste und Pfeffer in anscheinend hochwertiges grünliches Olivenöl verwandelt“, berichtet der BVL-Betrugsexperte. Bei einer Vergleichsverkostung habe nur jeder zweite Tester das echte vom gefälschten Olivenöl unterscheiden können.

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Satte Erträge haben organisierte Kriminalität angelockt

Die Gewinnspannen sind beim Lebensmittelbetrug dem Bundesamt zufolge so hoch wie im Drogenhandel. Im Beispielfall kostet das nachgemachte Öl nicht einmal einen Euro pro Liter. Im Handel werden mehr als zehn Euro dafür verlangt. Die satten Erträge haben längst die organisierte Kriminalität auf den Plan gerufen.

„Wenn Sie Waren in größeren Mengen von einem Land ins andere transportieren und dort verteilen müssen, sind organisierte Strukturen notwendig“, sagt Kliemant. „Mitunter bedienen sich die Täter auch derselben Vertriebswege wie beim Handel mit Drogen.“ Erst vor wenigen Monaten wurde beispielsweise in Griechenland eine Bande ausgehoben, die tonnenweise Sonnenblumenöl grün eingefärbt und als Olivenöl auf den Markt gebracht hatte.

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Bisher haben die Behörden in Deutschland noch kein gepanschtes Öl nachweisen können. Die Qualität der hierzulande angebotenen Produkte ist allerdings in Teilen nicht so, wie sie sein könnte, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat. Sie testete 27 Produkte, die in den Filialen der Einzelhandelsketten verkauft werden. Nur drei davon bieten dem Test zufolge „geschmackliche Highlights“. Zwei Öle waren „mangelhaft“ – weniger als bei vorangegangenen Tests.

Preiswerter Testsieger wird nicht mehr angeboten

Für den besonders guten Geschmack müssen die Kunden auch viel ausgeben. 36 Euro kostet der Liter des spanischen Olivenöls Castillo de Canena, 26 Euro ein Liter der Marke Farchioni. Testsieger Cucina von Aldi Süd kostet zwar nur zehn Euro, die Aktionsware wird der Stiftung Warentest zufolge nicht mehr angeboten.

„Ein hoher Preis und eine konkrete Herkunftsangabe garantieren aber noch keine gute Qualität“, stellen die Prüfer fest. 19 Euro verlangt der Handel etwa für die Marke Gaea Kritsa. Alt und stichig sei der Geschmack, befanden die Tester. Das Urteil: mangelhaft. Und auch Bio P.D.O. von Rewe fiel als „ranzig“ durch.