Wirtschaftstreffen

Weltwirtschaftsforum Davos: Was bringt das ganze Wachstum?

| Lesedauer: 4 Minuten
Hannes Koch
Darum geht es beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Darum geht es beim Weltwirtschaftsforum in Davos

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Staatschefs und Manager diskutieren ab Dienstag beim Weltwirtschaftsforum über steigenden Wohlstand – und warum nicht alle profitieren.

Davos.  Christine Lagarde stiehlt dem Davoser Forumschef Klaus Schwab ein wenig die Show. Noch vor der abendlichen, offiziellen Eröffnung des Weltwirtschaftsforum tritt die mächtige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor die Presse – und verkündet erfreuliche Neuigkeiten: Der gute wirtschaftliche Lauf Deutschlands und der Welt wird nach der aktuellen Prognose des IWF andauern. „Alle Zeichen deuten auf Wachstum hin“, sagte Lagarde.

Der IWF habe deshalb das globale Wachstum für 2017 auf 3,7 Prozent nach oben revidiert und rechnet für 2018 und 2019 mit einem Plus von jeweils 3,9 Prozent. Auch Deutschland werde in diesem Jahr mit 2,3 Prozent einen halben Prozentpunkt stärker zulegen als bisher prognostiziert. Für 2019 erwartet der IWF, dass die deutsche Wirtschaft weiter um 2,0 Prozent zulegen wird.

Stelldichein der Wirtschaftselite in Davos
Stelldichein der Wirtschaftselite in Davos

Unternehmenschefs sind so optimistisch wie nie zuvor

Dass die Welt insgesamt wohlhabender wird, meinen auch rund 1300 Vorstandschefs und Topmanager, die alljährlich von der Beratungsfirma PWC im Vorfeld des Davoser Treffens befragt werden. Die Unternehmenschefs sind danach so optimistisch wie nie zuvor. 57 Prozent der befragten Manager gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr wächst, im Vorjahr meinten dies nur 29 Prozent. Zugleich befürchten aktuell bloß fünf Prozent der Firmenlenker eine Schrumpfung.

Allerdings scheinen sich immer mehr Topmanager die Sinnfrage zu stellen. Was bringt das ganze Wachstum? Bei seiner Präsentation wies PWC-Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann auf einen wachsenden Widerspruch zwischen „ökonomischen Erfolgen“ und „gesellschaftlichem Nutzen“ hin. So nehme der Wohlstand zwar zu, aber er mache das Leben vieler Menschen nicht unbedingt besser.

Diskrepanz zwischen Arm und Reich nimmt zu

Die Ergebnisse unterstreichen das Motto für das Treffen in Davos: „Gemeinsame Zukunft in einer gespaltenen Welt“. Die materiellen Möglichkeiten für eine ausgewogene Entwicklung sind vorhanden, trotzdem nimmt die Diskrepanz zwischen Arm und Reich zu. So sind laut Umfrage rund ein Drittel der Topmanager überzeugt, dass man sich in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zu wenig darum kümmere, die soziale Lücke zu schließen und den Klimawandel zu bekämpfen.

Auch die IWF-Chefin mahnt davor, komplett zufrieden zu sein: „Allzu viele Menschen sind immer noch ausgeschlossen von der Erholung.“ Das gelte insbesondere für Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch mache der Französin der Anstieg der Schulden weltweit Sorgen. Angesichts der aktuell guten Entwicklung sei jetzt die perfekte Zeit für die Verantwortlichen in der Welt, die Probleme anzugehen.

Lob des IWF für die Politik von Donald Trump

IWF-Chefin Lagarde appellierte deshalb an die Regierungen, jetzt nicht ihre Hände in den Schoß zu legen. Es sei dringend notwendig, zum Beispiel die Bildungssysteme zu verbessern, damit mehr Schüler Arbeitsplätze in digitalisierten Unternehmen finden. Wenn man das unterlasse, komme die nächste Krise umso früher, warnte auch der IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld.

„In 120 Staaten ist das Wachstum 2017 stärker ausgefallen als zuvor“, berichtete Lagarde. Das sei „der breiteste globale Aufschwung seit 2010“. Besonders in Deutschland, Japan, Korea und den USA ging es deutlich nach oben. Dass die Aussichten weiterhin so gut sind, führt der IWF auch auf die Politik von US-Präsident Donald Trump zurück.

Langfristig droht der US-Regierung Geldmangel

Dessen Steuerreform, die die Abgaben für Firmen und hohe private Einkommen senkt, wirke „stimulierend“. Mehr Geld stehe für private Investitionen und staatliche Ausgaben zur Verfügung, da Konzerne wie Apple Kapital aus dem Ausland in die USA zurückholen. Nach 2022 werde dieser Effekt aber nachlassen, so der IWF. Dann könnte die US-Regierung wegen der Steuersenkung unter Geldmangel leiden.