Braunschweig

Der Trick mit der Schadenfreiheit

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdachts bei VW Financial Services

Braunschweig. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt beim Volkswagen-Versicherungsdienst (VVD), einer Firma der VW Financial Services, wegen Betrugsverdachts. Das bestätigte eine Behördensprecherin dieser Zeitung. Falls die Vorwürfe stimmen, wäre es eine ausgeklügelte Form des Betrugs. Der Verdacht: Mitarbeiter des Dienstes sollen günstigere Versicherungsbeiträge erschlichen haben.

So könnte der Betrug nach Informationen dieser Zeitung gelaufen sein: Mitarbeiter schließen eine Haftpflichtversicherung für ein leichtes Motorrad ab, die über mehrere Jahre läuft. So sammeln sie schadenfreie Jahre – denn ein Unfall kann gar nicht passieren, weil das Motorrad nur auf dem Papier beziehungsweise in der Datenbank des VVD existiert. Die schadenfreien Jahre lassen sich später bei einer Versicherung für ein tatsächlich existierendes Auto anrechnen, sodass der Versicherungsbeitrag deutlich günstiger wird. Das kann sich lohnen, denn die Preise für eine Motorradversicherung beginnen beim VVD einem Sprecher zufolge im einstelligen Euro-Bereich. Bei einer Autoversicherung lassen sich durch den Schadenfreiheitsrabatt teils Hunderte Euro im Jahr sparen. Wer dann keinen Unfall baut, kann also vor allem über mehrere Jahre einiges sparen.

„Wir unterstützen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig nach Kräften, wollen und können diesen jedoch nicht vorgreifen“, sagte ein Sprecher von VW Financial Services. Nach Informationen dieser Zeitung werden die Vorwürfe auch intern untersucht.

Die Ermittler haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher eine einstellige Zahl von Mitarbeitern im Visier. Derzeit gebe es konkrete Hinweise auf zehn bis 20 Verträge aus den Jahren 2005 bis 2012 – diese könnten auch für andere Personen abgeschlossen worden sein. Die Höhe des Schadens werde noch ermittelt, Zeugen seien befragt worden, sagte die Sprecherin.

Die Geschädigten wären in diesem Fall Versicherungen, die den Autofahrern einen zu hohen Schadenfreiheitsrabatt gewährten, weil dieser auf gefälschten Angaben basierte. Infrage kämen sämtliche Versicherungen, denn schadensfreie Jahre lassen sich bei einem Versicherungswechsel „mitnehmen“. Angezeigt hat den Fall der Staatsanwaltschaft zufolge ein VVD-Mitarbeiter. Derzeit werde noch geprüft, ob es sich um gewerbsmäßigen Betrug handele.