Börsenspekulation

„Lamborghini, Brudi“ – Experte warnt vor WhatsApp-Zockerei

In einem YouTube-Video wirbt ein Mann mit seinem Lamborghini um Investoren. Doch was steckt hinter der marktschreierischen Masche?

Bei YouTube hat das Video von Markus-Trading über zwei Millionen Klicks.

Bei YouTube hat das Video von Markus-Trading über zwei Millionen Klicks.

Foto: Screenshot YouTube / Markus Trading

Berlin.  Markus besitzt angeblich alles, was man sich erträumen kann: einen Lamborghini, eine Rolex und haufenweise Bargeld. Und trotz seines Luxuslebens will er etwas zurückgeben. Doch ausgerechnet als der junge Mann sein Erfolgsgeheimnis mit anderen teilen will, werden Zweifel an Markus’ vermeintlichem Geschäftsmodell laut. Verbraucherschützer warnen sogar vor den fragwürdigen Methoden des Mannes.

Was Markus in einem YouTube-Video und auf seinem Instagram-Account vermittelt: mit wenigen Klicks sind dank Online-Banking und Währungsspekulationen schnelle Gewinne an Internet-Börsen möglich. Als Beweis wedelt der Tippgeber mit einem Bündel 500-Euro-Scheine. „200.000 Euro in sechs Monaten“, seien als Verdienst locker zu erreichen, heißt es in dem Filmchen. Erfolg hat einen Namen: Markus-Trading. Und Erfolg hat auch einen Sound: den eines weißen Lamborghinis bei Vollgas.

Verbraucherschützer: „Betrug, nichts anderes“

Interessenten können Mitglied in seiner WhatsApp-Gruppe werden und dort Tipps für Investments bekommen. Das Interesse scheint groß: über zwei Millionen Menschen haben schon das Werbevideo angesehen. Doch so verlockend das Angebot scheint, so zwielichtig ist es auch. Anfragen unserer Redaktion zu Details des Geschäftsmodells und der Anzahl der tatsächlichen Kunden blieben bisher unbeantwortet.

„Die Markus-Trading WhatsApp-Gruppe schürt die Erwartung, jeder Privatanleger könne bei den Zockereien der Profis mitspielen und schnell reich werden. Für mich ist das Betrug, nichts anderes“, sagt Niels Nauhauser, Kredit- und Bankenexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber unserer Redaktion.

Währungsspekulationen sind nur was für Profis

Die „Zockereien der Profis“ haben einen Namen: Contracts for Difference (CFD), also Differenzkontrakte. Mit diesem Instrument können Wetten auf Währungsschwankungen platziert werden. Fällt oder steigt eine Währung wie es der Investor vorausgesagt hat, kann er große Gewinne erzielen – er trägt aber auch ein hohes Risiko. Wie bei Markus-Trading beworben, laufen solche Geschäfte meist über eine App ab. Der Anbieter (Broker) kassiert dann bei jedem Handel eine Vermittlungsgebühr.

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Die Risiken kennen aber nur gut informierte Personen. „Neue Informationen, die den Wert von Währungen beeinflussen, fließen binnen Sekunden in die Börsenpreise ein. Sie sind also längst von Profis verarbeitet, bevor sie irgendeine Whatsapp-Gruppe erreichen“, so Niels Nauhauser. Weder Markus noch seine Mitstreiter aus dem YouTube-Video, Niko und Sascha, scheinen solche Profis zu sein. Betonen sie doch immer wieder, wie schnell und unverhofft sie zu Reichtum gekommen sind.

Lamborghini aus dem Video ist so nicht zugelassen

Dennoch protzen alle drei mit ihren (angeblichen) Reichtümern. „AMG, Brudaaa!“ schreit Niko in die Kamera und zeigt damit, dass er sich einen Sportwagen von Mercedes-Benz leisten könne. Bei Markus ist es der „Lamborghini, Brudi!“. Doch genau der passt zu dem Eindruck des dubiosen Geschäftsmodells. Nach Informationen unserer Redaktion trägt das Auto nämlich ein falsches Kennzeichen. Weder in der Stadt Heidelberg noch im Rhein-Neckar-Kreis sei auf das Kennzeichen aus dem Video ein Lamborghini zugelassen, heißt es aus den Verwaltungen der Stadt und des Kreises. Der italienische Luxus-Flitzer – nur ein Schwindel?

Und so bleiben am Ende des Videos nur Klischees. „Der einzige, der hier erwarten kann reich zu werden, ist derjenige, der für die Vermittlung neuer Kunden an CFD-Broker Geld kassiert. Ich halte es bestenfalls für Zeitverschwendung, den dort genannten instagram accounts @markus.trading, die @niko.trading oder die @sascha.trading zu folgen“, urteilt Finanzexperte Nauhauser.

„CFD-Handel so überflüssig wie jedes Kasino“

Der Verbraucherschützer rät nicht nur einfachen Sparern, die Finger von den Zockereien zu lassen, er hat auch eine klare Meinung zu dieser Anlagemöglichkeit. „Der CFD-Handel ist so nützlich oder überflüssig wie jedes Kasino. Wobei sich die Spieler im Kasino am Roulettetisch wenigstens ausrechnen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie gewinnen oder verlieren“, so der Experte.

Auch das Video von Markus-Trading hat etwas mit Kasinos gemeinsam: Für die meisten Menschen dürfte beides der Unterhaltung dienen – und eben nicht als geeignetes Mittel, um an das große Geld zu kommen.