Düsseldorf

Vodafone will Maschinen vernetzen

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Frank Meßing

Telekommunikationskonzern plant Sensoren und SIM-Karten zur Fernsteuerung von Geräten und Anlagen

Düsseldorf. Die Vernetzung der Maschinen werde die Wirtschaft re­volutionieren, ist Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter überzeugt. Aus dem 18. Stock der Düs­seldorfer Konzernzentrale haben die Programmierer und Tüftler von Vo­dafone bei gutem Wetter einen Blick bis zum Kölner Dom – und sie haben sich vorgenommen, auch in die Zukunft zu schauen. Diese sieht Ametsreiter in der „Gigabit-Gesellschaft“, die ein Internet mit rasend schnellen Übertragungsgeschwindigkeiten nutzen wird. Die Technik will Deutschlands zweitgrößter Telekommunikationskonzern nun auch nutzen, um Maschinen auf neue Weise miteinander zu vernetzen.

Wie die Wirtschaft vom Breitbandnetz profitieren kann, will Vodafone mit seinem „Maschinennetz“ demons­trieren, das in dieser Woche zunächst in Düsseldorf und Berlin gestartet und in den nächsten Monaten auf elf weitere Metropolstädte wie Hamburg, ­Essen, Dortmund, Köln und Bonn ­ausgeweitet werden soll. „Am Ende soll das Maschinennetz in ganz Deutschland funken“, kündigt Ametsreiter an.

„Die Unternehmen können damit nicht nur Produkte, sondern auch Serviceleistungen anbieten“, sagt der Manager. Die Deutsche Bahn will ihre Abfalleimer in den Bahnhöfen mit Vodafone-Technik ausstatten. Sensoren und SIM-Karten in den Behältern könnten dann melden, wann sie geleert werden müssen. Ametsreiter sieht eine Fülle weiterer Anwendungsbeispiele. „Wir können alle Maschinen mit Sensoren ausstatten, die frühzeitig etwa über die Temperatur- oder Druckmessung dem Nutzer mitteilen, dass sie bald kaputtgehen.“

Die Unternehmen könnten mit dieser Information rasch Ersatz beschaffen, um Produktionsausfälle zu verhindern. Getränkehersteller, die im Handel und in der Gastronomie eigene Kühlschränke aufstellen, könnten durch die Vernetzung aus der Ferne die richtige Trinktemperatur steuern und automatisch nachliefern, wenn der Flaschenvorrat zur Neige geht.

Die Informationsübertragung, die bis in den letzten Winkel eines Kellers funktioniert und vor dicken Mauern und Stahlträgern nicht haltmacht, ermöglicht das LTE-Mobilfunknetz, das Vodafone nun sukzessive um das Maschinennetz erweitern will. Die Sensoren mit der SIM-Karte verfügen nach Unternehmensangaben über eine Batterie, die sieben bis zehn Jahre hält. Die monatlichen Gebühren für die Vernetzung von Maschinen lägen deutlich unter denen für einen Handyvertrag, betont Ametsreiter, sie „liegen bei nur einigen Euro“.

Selbst für Tierbesitzer eröffnen sich durch die Technologie neue Möglichkeiten: Besorgte Halter von Hunden und Katzen können ihren Tieren einen Sensor um den Hals binden und wären dann per Smartphone jederzeit im Bilde, wo sich die Vierbeiner gerade herumtreiben. Das „Internet der Dinge“ macht die lückenlose Überwachung möglich.

„Die Zukunft gehört den Giga­bitnetzen, also allen Infrastrukturen, die wirklich Gigabits bringen“, sagt der Vodafone-Manager, der seinen Konzern als „Schrittmacher“ hin zum schnellen Internet für alle versteht. Das DSL-Festnetz mit seinen Kup­ferkabeln komme schon heute an seine Grenzen – und liefere „oft nur Kriechgeschwindigkeit, wo Lichtgeschwin­digkeit gefragt“ sei. „Deutschland hat den digitalen Trend bislang verschlafen“, kritisiert Ametsreiter. Für den Kupferausbau solle es in Zukunft keinerlei staatliche Förderung mehr geben. „Steuergelder nur noch für die schnelle Glasfaser“ lautet seine Maxime.