Glashütte/Berlin

Von Glashütte über Berlin nach New YorkVom Erzgebirge aus in die ganze Welt„Mehr Marathon als Muckibude“„Mehr Marathon als Muckibude“„Mehr Marathon als Muckibude“„Mehr Marathon als Muckibude“

| Lesedauer: 41 Minuten
Gregor Hallmann

Glashütte/Berlin.  Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupé, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner.

Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er hier kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein.

Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle – Tangente, Ludwig und Orion – auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die so genannte Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und unsere Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Fünf Jahre später, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Unabhängigkeit von Schweizer Uhrentechnik als oberstes Ziel

Dieser Erfolg machte Neider. Weil er zu Beginn noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt. Denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Der Gründer ließ sich davon aber nicht entmutigen. Dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt Gerechtigkeit“, sagt Schwertner.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, so dass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte.

Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“

Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner. Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorne. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter.

Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt. Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Am Paul-Lincke-Ufer, in einem Fabrikloft im zweiten Hof werden die Nomos-Uhren entworfen. „Wer eine Uhr trägt, schaut 30 Mal am Tag und öfter noch hin. Wir wollen, dass der Blick auf die Zeit auch beim 300.000 Mal noch Freude macht“, sagt Borowski. Auch Schwertner sitzt in Berlin, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb. Dort gibt es Baustellen. Aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, räumt Schwertner ein. Sein Sohn soll den Vertrieb in den Vereinigten Staaten ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll.

Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“ Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“

Keine Angst vor Konkurrenz durch die Smartwatch

Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64-jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“

Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupe, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner. Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein. Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle Tangente, Ludwig und Orion auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und die Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Erst 1997, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Erfolg macht Neider. Weil er zu Anfang noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt, denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Doch der Gründer ließ sich nicht entmutigen, dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt auch Gerechtigkeit“, sagt Schwertner verschmitzt.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, sodass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte. Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“ Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1.000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner.

Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorn. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter. Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt, Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Auch Schwertner sitzt dort, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb.

Dort gibt es Baustellen, aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, wie Schwertner einräumt. Sein Sohn soll den US-Vertrieb ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll. Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“

Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“ Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“

Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupe, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner. Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein. Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle Tangente, Ludwig und Orion auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und die Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Erst 1997, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Erfolg macht Neider. Weil er zu Anfang noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt, denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Doch der Gründer ließ sich nicht entmutigen, dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt auch Gerechtigkeit“, sagt Schwertner verschmitzt.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, sodass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte. Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“ Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1.000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner.

Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorn. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter. Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt, Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Auch Schwertner sitzt dort, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb.

Dort gibt es Baustellen, aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, wie Schwertner einräumt. Sein Sohn soll den US-Vertrieb ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll. Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“

Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“ Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“

Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupe, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner. Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein. Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle Tangente, Ludwig und Orion auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und die Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Erst 1997, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Erfolg macht Neider. Weil er zu Anfang noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt, denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Doch der Gründer ließ sich nicht entmutigen, dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt auch Gerechtigkeit“, sagt Schwertner verschmitzt.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, sodass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte. Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“ Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1.000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner.

Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorn. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter. Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt, Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Auch Schwertner sitzt dort, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb.

Dort gibt es Baustellen, aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, wie Schwertner einräumt. Sein Sohn soll den US-Vertrieb ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll. Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“

Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“ Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“

Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupe, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner. Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein. Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle Tangente, Ludwig und Orion auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und die Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Erst 1997, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Erfolg macht Neider. Weil er zu Anfang noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt, denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Doch der Gründer ließ sich nicht entmutigen, dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt auch Gerechtigkeit“, sagt Schwertner verschmitzt.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, sodass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte. Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“ Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1.000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner.

Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorn. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter. Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt, Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Auch Schwertner sitzt dort, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb.

Dort gibt es Baustellen, aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, wie Schwertner einräumt. Sein Sohn soll den US-Vertrieb ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll. Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“

Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“ Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“

Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupe, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner. Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein. Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle Tangente, Ludwig und Orion auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und die Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Erst 1997, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Erfolg macht Neider. Weil er zu Anfang noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt, denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Doch der Gründer ließ sich nicht entmutigen, dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt auch Gerechtigkeit“, sagt Schwertner verschmitzt.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, sodass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte. Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“ Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1.000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner.

Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorn. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter. Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt, Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Auch Schwertner sitzt dort, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb.

Dort gibt es Baustellen, aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, wie Schwertner einräumt. Sein Sohn soll den US-Vertrieb ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll. Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“

Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“ Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“

Als Roland Schwertner 1990 vor dem VEB Glashütter Uhrenbetrieb vorfuhr, machte er Eindruck. Sein langgestreckter Ford 20M Coupe, schon damals ein Oldtimer, wirkte im engen Erzgebirgstal wie ein Straßenkreuzer. „Der Pförtner führte mich sofort zum Direktor“, erinnert sich Schwertner. Für einen westdeutschen Uhrenhersteller, den er als EDV-Experte beriet, sollte er kurz nach der Wende Kooperationen ausloten. Daraus wurde nichts, doch Schwertner war vom Geist des Ortes erfasst, in dem seit 1845 Zeitmesser hergestellt werden: „Wer nach Glashütte kommt, weiß, dass er etwas mit Uhren machen muss.“ Im Frühjahr 1990 meldete er mehrere Uhrenmarken an, darunter Nomos Glashütte.

Tradition und Handwerk gab es, Unternehmergeist, Marketing und Gestaltung brachte Schwertner mit. Beim Design orientierte er sich am Bauhaus und dessen Vorläuferbewegung, dem Deutschen Werkbund. Flach, elegant und aus Stahl sollten seine Uhren sein. Die Fertigung begann mit drei Mitarbeitern in einer 70-Quadratmeter-Wohnung. Als 1992 die ersten Modelle Tangente, Ludwig und Orion auf den Markt kamen, schlugen sie schnell ein. „Auch mit Glück“, gibt Schwertner zu, „damals trug jeder die Bahnhofsuhr, eine Quarzuhr aus der Schweiz, und die Tangente war irgendwie die Bahnhofsuhr in Qualität.“ Dennoch war das geborgte Startkapital bald weg. Der Gründer lieh sich Geld und arbeitete nebenbei noch als Fotograf und EDV-Berater weiter. Erst 1997, als das Warenhaus Manufactum Anteile kaufte, war Nomos Glashütte über den Berg.

Erfolg macht Neider. Weil er zu Anfang noch komplett importierte Schweizer Uhrwerke verbauen musste, wurde Schwertner verklagt, denn Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte müssen mindestens zur Hälfte vor Ort gefertigt werden. Doch der Gründer ließ sich nicht entmutigen, dank der verstärkten Montage und Veredelung importierter Einzelteile wurde die nötige Fertigungstiefe bald erreicht. „Nomos ist Griechisch und heißt auch Gerechtigkeit“, sagt Schwertner verschmitzt.

Sein Ziel war von Anfang an, nicht auf Schweizer Technik angewiesen zu sein. „Etwa 90 bis 95 Prozent aller Automatikuhren beruhen heute auf zwei Werken aus den 70er Jahren, die die Swatch Group verkauft“, erläutert er. Entsprechend groß war die Not in der Uhrenbranche, als die Swatch-Tochter Nivarox den Export wichtiger Baugruppen an Wettbewerber drosselte. Nomos Glashütte hatte jedoch schon früh viel Zeit und Geld in die Eigenentwicklung investiert, sodass man 2014 ein eigenes Swing-System einsatzbereit hatte. Mit diesem Taktgeber wurde die Manufaktur endgültig unabhängig von Dritten. Darauf ist Schwertner stolz, und es ärgert ihn, dass die Uhrmacherkunst kaum geschätzt wird. „Viele Kunden kaufen den SUV für das Handgelenk, die Marke für Piloten oder Taucher, dabei sind unsere Uhren präziser und robuster als viele andere.“ Dicke Uhren und Protz gibt es bei Nomos Glashütte nicht, Preise ab 1.000 Euro sprechen eher Designbewusste mit Hang zum Understatement an. „Wir stehen mehr für Marathon als für Muckibude, für Kraft ohne Anabolika“, sagt Schwertner.

Das Konzept ging auf. Während die Schweizer Luxusuhrenindustrie mit Absatzrückgängen kämpfte, erzielte Nomos Glashütte 2016 zweistellige Umsatzzuwächse und liegt auch 2017 auf Wachstumskurs. In Deutschland baut heute niemand mehr mechanische Uhren, nur beim Umsatz liegen die Marken A. Lange & Söhne und Glashütte Original noch vorn. Beide gehören längst zu Schweizer Konzernen, Nomos blieb unabhängig und beschäftigt inzwischen am Hauptsitz Glashütte, in Berlin und in New York insgesamt rund 300 Mitarbeiter. Die Fertigung leitet seit 1999 der gelernte Werkzeugmacher und Ingenieur Uwe Ahrendt, Design und Marketing sind seit 2001 unter Leitung der früheren Journalistin Judith Borowski in Berlin-Kreuzberg angesiedelt. Auch Schwertner sitzt dort, denn allein im Erzgebirge hält es der Rheinländer nicht lange aus. Borowski und Ahrendt sind längst Mitgesellschafter bei Nomos Glashütte, Schwertner hält aber weiterhin die Mehrheit und verantwortet den Vertrieb.

Dort gibt es Baustellen, aktuell werden nur gut 30 Prozent der Nomos-Uhren exportiert. „Das ist noch zu wenig, um langfristig zu überleben“, wie Schwertner einräumt. Sein Sohn soll den US-Vertrieb ankurbeln, auch England, Italien, Frankreich und Spanien sind im Visier. Wichtige Aufgaben, die irgendwann sein Nachfolger übernehmen soll. Und wenn das nicht klappt? „Plan A ist, dass wir eigenständig bleiben“, betont er, „und da sind wir auch weiterhin sehr zuversichtlich.“

Eigentlich will Schwertner kürzer treten, im nächsten Jahr, vielleicht. Bislang fällt ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft noch zu schwer. „Warum sollte ich aufhören, solange wir Spaß haben?“, fragt der Unternehmer, „soll ich dann Kreuzfahrten machen?“ Dass Konkurrenten ihm in seiner Nische gefährlich werden, glaubt er nicht. Auch das Thema Smartwatch sieht er nicht als ernsthafte Bedrohung: „Die Apple Watch hat Rolex bei Umsatz und Stückzahlen zwar schon geknackt, und wenn Smartwatches irgendwann noch Hologramme bieten, mag manch einer damit besser angeben können als mit jeder anderen Uhr.“ Er glaubt aber daran, dass auch künftig noch genug Menschen Freude an Mechanik und langlebigen Uhren haben. „Nomos Glashütte soll lebendig bleiben, das will ich weiter beobachten“, wünscht sich der 64jährige Schwertner für die Zukunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber bitte möglichst, ohne noch zu arbeiten.“