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Detroit

Sieben Jahre Haft für VW-Manager

US-Gericht verurteilt den Umwelt-Verantwortlichen Oliver Schmidt wegen seiner Rolle im Abgas-Skandal

Detroit.  Sieben Jahre Gefängnis. 400.000 Dollar Geldstrafe. Lebenslanges Einreiseverbot: So hart wie Oliver Schmidt ist wegen des Dieselbetrugsskandals in Amerika noch kein leitender Angestellter des Volkswagen-Konzerns bestraft worden.

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Der 48-jährige Techniker nahm das Strafmaß, das Richter Sean Cox am Mittwoch in Detroit verkündete, mit unterdrückten Tränen zur Kenntnis. Schmidts Anwälte hatten für 40 Monate und 100.000 Dollar Strafe geworben.

Der aus Stadthagen bei Hannover stammende Ingenieur hatte sich Anfang August in zwei von elf Anklagepunkten schuldig bekannt. Sprich: Als aktiver Teil einer "Verschwörung zum Betrug" zulasten der USA gewesen zu sein und massiv gegen deren Umweltgesetze verstoßen zu haben.

Schmidt war ab dem Jahr 2012 in Auburn Hills nahe Detroit Chef des Umwelt- und Technologiebüros von VW. Und damit zuständig für alle relevanten Kontakte mit den US-Umweltbehörden Epa und Carb, die bei Autoherstellern über den Abgas-Ausstoß wachen. Sechs Monate, bevor der bis heute bei VW weltweit mit über 23 Milliarden Dollar Schaden zu Buche geschlagene Dieselskandal im September 2015 öffentlich wurde, ging Schmidt zurück nach Wolfsburg und wurde dem damaligen Entwicklungschef Heinz Jakob Neusser zugeordnet. Obwohl der Dieselskandal die US-Justiz umfassend auf den Plan rief, folgte Schmidt über Weihnachten 2016 unvorsichtig seiner Amerika-Liebe, fuhr nach Florida und wurde in Miami verhaftet. Er sitzt seitdem im Gefängnis.

Dass Richter Sean Cox bei seinem Urteil keinen Rabatt gab, liegt auf einer Linie zum Fall James Liang. Der 63-Jährige war vor einigen Monaten der erste VW'ler, der in den USA rechtskräftig zur Rechenschaft für seine Kollaboration im Diesel-Skandal gezogen wurde. Er hatte zehn Jahre lang als Dieselexperte für VW in USA gearbeitet.

Damals ging Cox bei der Haft- wie bei der Geldstrafe deutlich über die Anträge der Staatsanwaltschaft hinaus. Und das, obwohl der Familienvater bereits zu einem frühen Zeitpunkt mit den US-Behörden kooperativ zusammenarbeitete, sein Wissen um die Genesis des Dieselskandals umfassend teilte und "aus erster Hand wertvolle Einblicke in die rechtswidrigen Grundsätze und Motivationen von VW und seinen Mitarbeitern ermöglichte", wie es in Gerichtsunterlagen hieß. Oliver Schmidt dagegen blieb lange Zeit stumm. Selbst als sein Antrag auf Freilassung auf Kaution wegen Fluchtgefahr abgelehnt worden war, lenkte er nicht ein. Sein Anwalt David DuMochel beschrieb ihn als "kleines Rädchen" im Getriebe des Weltkonzern. Schmidt sei bis zum Schluss von Wolfsburg "beauftragt" gewesen, die Existenz einer Schummel-Einrichtung vor den US-Behörden zu verheimlichen.

Schmidt log nachweislich über mehrere Monate

Die Anklage und Richter Cox dagegen beschrieben Schmidt als "Schlüsselfigur" einer "Verschwörung". Anstatt gegenüber den US-Behörden Farbe zu bekennen, log Schmidt nachweislich über viele Monate. Heute bereut er das. "Ich habe falsche Entscheidungen getroffen", sagte er vor Gericht. In einem Brief an Richter Cox vor der Strafmaßverkündung hörte sich das noch etwas anders an. "Ich fühle mich von meiner eigenen Firma im Diesel-Skandal missbraucht", hatte Schmidt geschrieben. Sein Anwalt äußerte den Wunsch, dass Schmidt in der Nähe von Milan, eine Autostunde westlich von Detroit in einem Gefängnis inhaftiert wird. Der Grund: Schmidts Frau hat dort eine Wohnung bezogen.

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