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Berlin

ProSiebenSat.1 will 50 Millionen Euro sparen

Der Medienkonzern strukturiert um, sucht nach Investoren und setzt auf mehr deutsche Produktionen

Berlin. Es war sein erster größerer öffentlicher Auftritt, seit er sein Publikum als "etwas fettleibig" und "etwas arm" abqualifiziert hatte. Beim "Capital Markets Day" von ProSiebenSat.1 machte der Chef der Senderfamilie, Thomas Ebeling, bei Investoren und Finanzanalysten gut Wetter. Der verhängnisvolle Satz über die Zuschauer seiner Sender spielte nur ganz am Rande eine Rolle. "Ich habe da etwas gesagt, was ich besser nicht gesagt hätte", erklärte der TV-Manager, der vielleicht auch wegen dieser Äußerung Ende Februar gehen wird.

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Dass Ebeling auf der Konferenz dennoch die neue Struktur des TV-Konzerns vorstellen durfte, ist angesichts dieser Vorgeschichte ungewöhnlich. Die Suche nach einem Nachfolger für den 58-Jährigen, dürfte dies nicht unbedingt erleichtern. In der Regel wollen neue Topmanager eigene Duftmarken setzen.

Ebelings Nachfolger, wer immer das sein wird, bekommt nun eine Sendergruppe vorgesetzt, die statt wie bisher auf vier auf drei Säulen ruhen wird. Das Fernsehgeschäft soll mit den digitalen Unterhaltungsangeboten der Senderfamilie verschmolzen werden, zu denen etwa die defizitäre Online-Plattform Maxdome gehört. Für die anderen beiden Säulen – die TV-Produktion und das E-Commerce-Geschäft – werden Investoren gesucht. Nicht etwa , weil man für diese Geschäftsfelder frisches Geld bräuchte. Von den neuen Partnern erhofft man sich talentiertes Führungspersonal sowie Unternehmen, die das eigene Portfolio sinnvoll ergänzen.

Allerdings ist der Konzernumbau auch ein Sparprogramm. Bis 2019/2020 sollen die Kosten um mehr als 50 Millionen Euro reduziert werden. Ob dies auch mit einem Personalabbau verbunden sein wird, sagte Ebeling nicht. Im Vorfeld der Konferenz hatte es entsprechende Spekulationen gegeben. Verschiebungen im Personaltableau sind aber bei den Führungskräften des Geschäftsbereichs Fernsehen zu erwarten. Ebeling kritisierte, dass es dort auf den oberen Hierarchieebenen ein gewisses Durcheinander gebe. "Viele Köche verderben den Brei", sagte er.

Bis 2022 soll der Umsatz von ProSiebenSat.1 im Vergleich zu 2017 um mehr als eine Milliarde Euro steigen. 2016 erlöste der TV-Konzern 3,8 Milliarden Euro. Die Zahlen für 2017 wird er am 22. Februar 2017 präsentieren, also unmittelbar vor dem Abschied von Ebeling. Erst kürzlich hatte die Sendergruppe eine Gewinnwarnung herausgeben müssen. Offenbar waren die Prognosen für das Werbegeschäft zu optimistisch gewesen. Probleme gab es zuletzt auch im Zuschauermarkt: Die Quoten gingen zurück. Auf ein unattraktives Programmpaket mussten 170 Millionen Euro abgeschrieben werden. Das hat offenbar Konsequenzen: Ebeling kündigte an, die Senderfamilie werde künftig mehr deutsche Produktionen zeigen. Bisher setzt sie vor allem auf US-Ware.

Viel verspricht sich ProSiebenSat.1 von dem mittlerweile etablierten digitalen TV-Standard HbbTV. Er ermöglicht es den Sendern, Zuschauer direkt anzusprechen und auf sie zugeschnittene Reklame ins Haus zu schicken. Den Umfang dieser "adressierbaren Werbung" will ProSiebenSat.1 in den kommenden Jahren verdreifachen. Sabine Eckhardt, Chief Commercial Officer der Gruppe, kann sich sogar vorstellen, dass künftig die Zuschauer via TV auf Zuruf Produkte bestellen.

Mit dieser schönen neuen TV-Welt will ProSiebenSat.1 an Erfolge der Vergangenheit anknüpfen.

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