Abgasaffäre

Sieben Jahre Haft: VW-Manager Schmidt weint bei Urteil

Oliver Schmidt mit einem E-Golf im Jahr 2013. Die Diesel-Manipulation bei Volkswagen bringt ihm nun eine Gefängnisstrafe ein.

Oliver Schmidt mit einem E-Golf im Jahr 2013. Die Diesel-Manipulation bei Volkswagen bringt ihm nun eine Gefängnisstrafe ein.

Foto: Mandi Wright / imago/ZUMA Press

Der Richter hat die Höchststrafe verkündet: Volkswagen-Manager Oliver Schmidt muss für seine Rolle im Abgas-Skandal lange in Haft.

Detroit/Wolfsburg.  Sieben Jahre Gefängnis. 400.000 Dollar Geldstrafe. Lebenslanges Einreiseverbot: So hart wie Oliver Schmidt ist wegen des Dieselbetrugsskandals in Amerika noch kein leitender Angestellter des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns bestraft worden.

Der 48-jährige Techniker nahm das Strafmaß, das Richter Sean Cox am Mittwoch in Detroit verkündete, mit unterdrückten Tränen zur Kenntnis. Schmidts Anwälte hatten für 40 Monate und 100 000 Dollar Strafe geworben.

Seite 2012 Chef des Umweltbüros

Der aus Stadthagen bei Hannover stammende Ingenieur hatte sich Anfang August in zwei von elf Anklagepunkten schuldig bekannt. Sprich: aktiver Teil einer "Verschwörung zum Betrug" zulasten der USA gewesen zu sein und massiv gegen deren Umweltgesetze verstoßen zu haben.

Schmidt war ab 2012 in Auburn Hills nahe Detroit Chef des Umwelt- und Technologiebüros von VW. Und damit zuständig für alle relevanten Kontakte mit den US-Umweltbehörden Epa (Washington) und Carb (Kalifornien), die bei Autoherstellern über den Abgas-Ausstoß wachen.

Sechs Monate, bevor der bis heute bei VW weltweit mit über 23 Milliarden Dollar Schaden zu Buche geschlagene Dieselskandal im September 2015 öffentlich wurde, ging Schmidt zurück nach Wolfsburg und wurde dem damaligen Entwicklungschef Heinz-Jakob Neusser zugeordnet.

Bei Weihnachtsauflug in die USA verhaftet

Obwohl der Dieselskandal die US-Justiz umfassend auf den Plan rief und regelmäßig Schlagzeilen erzeugte, folgte Schmidt über Weihnachten 2016 unvorsichtig seiner Amerika-Liebe, fuhr nach Florida und wurde in Miami verhaftet. Er sitzt seither im Gefängnis.

Dass Richter Sean Cox bei seinem Urteil keinen Rabatt gab, liegt auf einer Linie zum Fall James Liang. Der 63-Jährige war vor einigen Monaten der erste VW'ler, der in den USA rechtskräftig zur Rechenschaft für seine Kollaboration im Diesel-Skandal gezogen wurde. Er hatte zehn Jahre lang als Dieselexperte für VW in USA gearbeitet.

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Damals ging Cox bei der Haft- wie bei der Geldstrafe deutlich über die Anträge der Staatsanwaltschaft hinaus. Und das, obwohl der Familienvater bereits zu einem frühen Zeitpunkt mit den US-Behörden kooperativ zusammenarbeitete, sein Wissen um die Genesis des Dieselskandals umfassend teilte und "aus erster Hand wertvolle Einblicke in die rechtswidrigen Grundsätze und Motivationen von VW und seinen Mitarbeitern ermöglichte", wie es in Gerichtsunterlagen hieß.

Schmidt hatte lange nicht kooperiert

Oliver Schmidt dagegen blieb lange Zeit stumm. Selbst als sein Antrag auf Freilassung auf Kaution wegen Fluchtgefahr abgelehnt worden war, lenkte er nicht ein. Sein Anwalt David DuMochel beschrieb ihn als "kleines Rädchen" im Getriebe des Weltkonzern. Schmidt sei bis zum Schluss von Wolfsburg "beauftragt" gewesen, die Existenz einer Schummel-Einrichtung ("defeat device) vor den US-Behörden zu verheimlichen.

Die Anklage und Richter Cox dagegen beschrieben Schmidt als "Schlüsselfigur" einer "Verschwörung". Er habe das Drehbuch für die Vertuschung geschrieben, hieß es im Gericht. Danach hatte der kahlköpfige Niedersachse als Chef der VW-Umweltzertifizierungsstelle in Michigan mehrfach die Chance, bei der Zulassung neuer Modelle den Betrug zu gestehen, nachdem die Umweltorganisation ICCT den Kern des Skandals freigelegt hatte: Bei VW-Diesel-Modellen waren auf der Straße Stickoxidwerte gemessen worden, die um das 35-fache die Prüfstand-Resultate aus dem Labor überstiegen. Grund: VW hatte eine ille-gale Motorsoftware einbauen lassen, die das tatsächliche Ausmaß der Emissionen verschleierte.

Zum Schluss Fehler eingeräumt

Anstatt gegenüber den US-Behörden Farbe zu bekennen, log Schmidt nachweislich über viele Monate. Selbst in der Haft führte er die Ermittler in die Irre. Heute reut ihn das. "Ich habe falsche Entscheidungen getroffen, für die ich ganz allein verantwortlich bin", sagte er. In einem Brief an Richter Cox vor der Strafmaßverkündung hörte sich das noch etwas anders an. "Ich fühle mich von meiner eigenen Firma im Diesel-Skandal missbraucht", hatte Schmidt geschrieben. Sein Anwalt äußerte den Wunsch, dass Schmidt in der Nähe von Milan, eine Autostunde westlich von Detroit in einem Gefängnis inhaftiert wird. Der Grund: Schmidts Frau hat dort eine Wohnung bezogen.