Berufsporträt

Facility Manager sorgen dafür, dass der Laden läuft

Mitarbeiter in der Objektbetreuung kümmern sich um die Nutzung, Technik und Instandhaltung von Gebäuden. Die Studentenzahlen steigen.

Jan Siegmund-Düker leitet die Betriebstechnik am Virchow-Klinikum der Berliner Charité.

Jan Siegmund-Düker leitet die Betriebstechnik am Virchow-Klinikum der Berliner Charité.

Foto: privat

Berlin.  Ab nach Berlin und dort Architektur studieren – so lauteten nach dem Abitur die Pläne von Pia-Maria Schamber aus der bayrischen Stadt Traunreut. Der Umzug nach Berlin hat geklappt, allerdings studiert die 23-Jährige hier nicht Architektur, sondern Facility Management. Ihr ursprüngliches Wunschfach und auch der Arbeitsmarkt seien stark überlaufen, hatte Schamber schnell festgestellt.

Auf der Suche nach einer Alternative mit besserer beruflicher Perspektive stieß sie auf den Studiengang Facility Management: Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) bietet ihn seit 2004 als Bachelor- und Masterprogramm gemeinsam mit der Beuth Hochschule für Technik an: "Ich kannte den Begriff vorher nicht, aber die Inhalte passen sehr gut zu meinen Interessen", sagt Schamber, die inzwischen das Bachelorstudium abgeschlossen und mit dem Masterprogramm begonnen hat.

Spezialisten für die Verwaltung von Gebäuden

Facility Manager, auch als Gebäudemanager bezeichnet, sind Spezialisten für die Verwaltung von Gebäuden. Sie arbeiten für Unternehmen, die viele Immobilien besitzen oder für Dienstleister, die Häuser für ihre Eigentümer betreuen. Ihre Aufgaben sind an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft angesiedelt – und weitaus vielseitiger und anspruchsvoller als die eines Hausmeisters.

Facility Manager sind in die Planung von Neu- und Umbaumaßnahmen eingebunden, in die Sanierung von Gebäuden, aber auch in den täglichen operativen Betrieb. Sie koordinieren beispielsweise Reinigungs- und Sicherheitsdienste und organisieren Wartung und Instandhaltung der Gebäudetechnik. Kurz gesagt verantworten sie den reibungslosen Betrieb. Dabei haben sie stets auch die Wirtschaftlichkeit im Blick und helfen ihren Arbeitgebern oder den Kundenunternehmen beim Sparen.

Praktisch jede Branche hat Bedarf

Gefragt sind die interdisziplinären Gebäudeprofis quer durch alle Branchen. Steigender Kosten- und Wettbewerbsdruck führt dazu, dass in den unterschiedlichsten Unternehmen die effiziente Bewirtschaftung der Immobilien immer stärker in den Fokus rückt: Das gilt für Einzelhandels- und Hotelketten genauso wie für Krankenhäuser und Kraftwerke, für Flughäfen, Bahnhöfe, Banken und Versicherungen, für Messen und Museen, Industriebetriebe und Wohnungsgesellschaften.

Entsprechend steigt das Interesse an akademisch ausgebildeten Fachkräften: "Die Studienangebote und die Studierendenzahlen haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen", sagt Professor Markus Lehmann aus dem Vorstand des Deutschen Verbands für Facility Management (GEFMA). Bundesweit haben mittlerweile 16 Hochschulen Bachelor-, Master- und Zertifikatsstudiengänge in Facility Management aufgelegt. In Berlin bietet außer Beuth und HTW die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Technisches Facility Management als duales Studium an.

Führungsstärke und Wirtschaftswissen

Ein Studienabschluss in Facility Management ist aber nicht der einzige Weg in die wachsende Branche. Organisationstalent und Führungsstärke, gepaart mit technischem und betriebswirtschaftlichem Ver­ständ­nis sind für Gebäudemanager wichtige Schlüsselqualifikationen, die sich auch außerhalb des speziellen Fachbereichs erwerben lassen.

So wie im Fall von Jan Siegmund-Düker: Der 34-jährige Berliner ist Standortleiter Betriebstechnik am Charité Campus Virchow-Klinikum im Wedding. Angestellt ist er bei der Charité CFM Facility Management GmbH. Die Tochtergesellschaft der Charité mit 2950 Mitarbeitern verantwortet seit 2006 alle nichtmedizinischen und nichtpflegerischen Dienstleistungen des Berliner Universitätsklinikums.

Im Wedding kümmert sich Jan Siegmund-Düker um den reibungslosen Betrieb der kompletten Gebäudetechnik – angefangen vom Heizungskeller über die OP-Säle bis hin zu Reinräumen, Strahlenbereichen oder der landeseigenen Sonderisolierstation für Infektionskrankheiten.

Per Initiativbewerbung in den Job

An seinen Job als Facility Manager ist der ehemalige Zeitsoldat durch eine Initiativbewerbung gekommen. An der Universität der Bundeswehr hat er Maschinenbau studiert und als technischer Offizier Instandsetzungs- und Logistikkommandos im In- und Ausland innegehabt. Unter anderem war er stellvertretender Kompaniechef bei einem Einsatz im Kosovo. Obwohl ihm der Offiziersberuf viel Freude gemacht hat, entschloss sich der Familienvater 2015 nach zwölf Jahren Dienst zum Abschied von der Truppe – und überlegte, wo sein Wissen im zivilen Bereich gefragt sein könnte.

Für Unternehmen sei es oft schwierig, das Know-how von Soldaten richtig einzuschätzen, sagt Siegmund-Düker. "Ich war anfangs selbst überrascht, wie viele Parallelen es zwischen meinem Job als Facility Manager und meiner Offizierstätigkeit gibt." So braucht er, um als technischer Leiter jederzeit den störungsfreien Betrieb des Krankenhauses zu sichern, einen guten Überblick und muss Handwerker und Servicekräfte der unterschiedlichsten Gewerke koordinieren.

Einen OP-Saal kann man nicht einfach sperren

Das erfordert Durchsetzungsvermögen und klare Ansagen, denn bei Wartungsarbeiten im Krankenhaus müssen die vorgegebenen Zeitfenster genau eingehalten werden. "Eine Intensivstation oder einen OP-Saal kann man nicht einfach mal eben stilllegen oder sperren lassen", sagt Siegmund-Düker. Für seinen Job braucht er starke Nerven: Gerade bei akuten Störungen in der Betriebstechnik muss er schnell agieren, um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.

Mit rund 4,5 Millionen Beschäftigten ist Facility Management in Deutschland eine große Branche. Dort arbeiten sogar mehr Menschen als im Maschinenbau, in der Automobil- oder der Chemie-Industrie. Viele der Beschäftigten haben nicht studiert, sondern einen Beruf erlernt, der zu dem breiten fachlichen Spektrum im Facility Management passt, beispielsweise Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Gebäudereiniger, Industriekaufmann oder Fachinformatiker.

Bauakademie bildet zertifizierte Fachwirte aus

Für sie gibt es mit der passenden Weiterbildung gute Karriereperspektiven: "Eine gewerblich-technische oder kaufmännische Berufsausbildung kann ebenfalls Basis für eine leitende Funktion im Facility Management sein", erklärt Professor Lehmann. Bei bundesweit sechs privaten Bildungsträgern, darunter die Bauakademie in Berlin, können sich Fachkräfte berufsbegleitend zum zertifizierten FM-Fachwirt weiterbilden. "Die Absolventen dieser Aufstiegsfortbildungen sind als Fach- und Führungskräfte stark nachgefragt", sagt Markus Lehmann.

Nachwuchskräfte wie Pia-Maria Schamber setzen von Anfang an auf eine akademische Ausbildung. Auch wenn bereits der Bachelorabschluss gute Möglichkeiten für einen Einstieg bietet, möchte sie sich im Masterprogramm zusätzlich Managementwissen für eine Führungsposition aneignen. Das Curriculum sei sehr praxisorientiert, lobt sie. In jedem Semester gebe es Projekte mit echten Kunden.

Parallel zum Studium als Werkstudentin angestellt

Das Themenspektrum reicht dabei von Geschäftsprozessmanagement über Gebäudebewertung und Bauprojektmanagement bis hin zu Nachhaltigkeits- und Dienstleistungsmanagement. Parallel zum Studium arbeitet Schamber als Werkstudentin bei der Firma Dr. Sasse, einem Dienstleister für Facility Management mit Kunden und Niederlassungen in ganz Europa. "Ich könnte mir gut vorstellen, nach dem Studium bei einem Unternehmen wie Dr. Sasse als Objektleiterin einzusteigen, vielleicht sogar im Ausland", sagt sie.

Anika Kühnel hat bereits die feste Zusage für ihre erste Führungsaufgabe – und das sogar ohne Masterabschluss. Die 30-Jährige hat an der HWR und bei der Dussmann Group den dualen Studiengang Technisches Facility Management absolviert. Das Berliner Unternehmen zählt mit 63.500 Mitarbeitern und Standorten in 16 Ländern weltweit zu den größten privaten Dienstleistern rund um das Gebäude.

Einen Karriereschritt übersprungen

Im Jahr 2010 kam die Floristin Kühnel als Praktikantin in das Unternehmen und entdeckte ihr Faible für Facility Management. Nach drei Jahren in verschiedenen Abteilungen bewarb sie sich fürs Studium an der HWR, das sie im Herbst 2017 erfolgreich abgeschlossen hat. Ihr erklärtes Ziel war, eine Position als Objektleiterin einzunehmen.

Das wird nicht klappen, denn nach sechs Monaten Einarbeitung fängt Kühnel gleich eine Karrierestufe höher an: Ab Februar 2018 betreut sie als Regionalleiterin für einen großen Einzelhändler einen Teil seines bundesweiten Immobilienbestands. "Das duale Studium war schon anstrengend", resümiert Kühnel. "Aber es hat sich gelohnt."