VW

Ermittler durchsuchen Büros von Volkswagen-Managern

Bei VW sind Büros von Vorstandsmitgliedern durchsucht worden. Es soll um Zahlungen an den Betriebsratsvorsitzenden Osterloh gehen.

Ermittlungen bei Volkswagen (Symbolbild).

Ermittlungen bei Volkswagen (Symbolbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Wolfsburg.  Wegen Untreueverdachts gegen Manager bei der Bezahlung von Betriebsräten haben Ermittler Büros der Führungsspitze von Volkswagen durchsucht. An den Aktionen am Dienstag nahmen neben Staatsanwälten auch Fahnder von Finanzbehörden teil.

Dabei wurden sie in den Räumen von Personalvorstand Karlheinz Blessing und Finanzvorstand Frank Witter vorstellig. Ein VW-Sprecher bestätigte dies. Auch das Büro vom Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh wurde durchsucht, wie die Arbeitnehmervertretung mitteilte. Entgegen früheren Angaben gab es bei Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch – einem Vorgänger Witters – aber keine solche Aktion.

Vor einem halben Jahr hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mitgeteilt, dass sie "ein Verfahren wegen des Anfangsverdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Aufwandsentschädigung für Betriebsratstätigkeit" starte. Die aktuelle Aktion soll damit in Verbindung stehen. Damals sollen angeblich überhöhte Bezüge für Betriebsratschef Bernd Osterloh den Anstoß gegeben haben. Osterloh war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Personalvorstand wollte Osterloh nicht werden

Volkswagen hatte betont, die Bezahlung Osterlohs habe stets den Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes entsprochen. Er sei zudem gar nicht Ziel der Ermittlungen. Osterloh selbst sagte damals: "Ich bin da mit mir im Reinen. Gegen mich wird nicht ermittelt, und es gibt auch keinen Grund für Spekulationen." Das Unternehmen erklärte, externe Experten hätten die Bestimmung der Bezüge geprüft. Auch aus dem Betriebsrat hieß es nach früheren Angaben, Regelungen zur Vergütung seien rechtskonform.

Abgas-Skandal: Darum haben Diesel-Autos zu Recht so ein schlechtes Image

Diesel-Autos: Sie sind echte Umweltsünder, denn sie sind für die Mehrheit der schädlichen Stickoxid-Emissionen verantwortlich.
Abgas-Skandal: Darum haben Diesel-Autos zu Recht so ein schlechtes Image

Die Option, Personalvorstand zu werden, hatte Osterloh nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre ausgeschlagen. Die massenweise Manipulation von Stickoxid-Werten bei Dieselautos hatte VW im September 2015 in die tiefste Krise der Firmengeschichte gestürzt.

Osterloh einer der mächtigsten Personen bei VW

Rückendeckung bekam der Chef der Mitarbeitervertretung auch vom VW-Aufsichtsrat. Osterloh übernehme "seit vielen Jahren in herausragender Weise Verantwortung für die Belegschaften". Man werde alles tun, um Vorwürfe gegen Unternehmensvertreter aufzuklären. Als Mitglied des innersten Führungszirkels im Aufsichtsrat gehört Osterloh zu den mächtigsten Personen bei Europas größtem Autobauer.

Neben den Untreue-Ermittlungen laufen bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft noch etliche andere Verfahren gegen VW-Mitarbeiter – darunter auch hohe Manager sowie aktuelle oder ehemalige Vorstände.

Dabei geht es jedoch um die Entstehung und Folgen des Dieselskandals. Geprüft werden hier etwa Betrugsvorwürfe bei der Fälschung von Abgasdaten und mögliche Marktmanipulation bei der Kommunikation der Probleme an die Finanzwelt. Auch gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn wird in diesem Zusammenhang ermittelt. (dpa)

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.