Onlinehandel

Am 11. 11. befindet sich China im Rekordrabattrausch

Alibaba-Chef Jack Ma feiert mit US-Schauspielerin Nicole Kidman den Start des Kaufrauschtages auf dem Expogelände in Shanghai.

Alibaba-Chef Jack Ma feiert mit US-Schauspielerin Nicole Kidman den Start des Kaufrauschtages auf dem Expogelände in Shanghai.

Foto: ALY SONG / REUTERS

Studenten in China erkoren den 11.11. zum Tag der Singles. Dann hatte Onlinehändler Alibaba eine Idee. Jetzt wird hemmungslos gekauft.

Shanghai.  Li Mei braucht eigentlich gar nicht auf Mitternacht zu warten. Die 23-Jährige hat ihre Großbestellung schon vor Tagen aufgegeben. Angesichts der vielen Angebote hat sie ihrem bereits recht vollen Warenkorb auf Tmall in den letzten Stunden noch ein paar Dutzend mehr Artikel hinzugefügt. Die Bestellung tritt automatisch inkraft, sobald der Kalender den 11. November anzeigt. Das ist in der speziell auf ihrer Smartphone installierten App so eingestellt.

Trotzdem fiebert sie mit. "Der Countdown gehört doch zum Singles Day dazu", sagt sie. Und wenn dann nach Mitternacht bei der Live-Übertragung die ersten Zahlen gezeigt werden, wieviel Umsatz der chinesische Internet-Gigant Alibaba über seine vielen Handelsplattformen wie Tmall und Taobao nach den ersten Minuten gemacht hat, wird auch ihre Bestellung darin enthalten sein. "Das gibt einem das Gefühl, dabei zu sein, wenn ein neuer Rekord gebrochen wird", sagt Li Mei.

Verkaufsparty mit Pharrell Williams

Mit einer Riesenparty auf dem Shanghaier Expogelände stimmt der chinesische Internet-Gigant Alibaba in der Nacht zu Samstag auf Chinas wichtigsten Online-Verkaufstag ein. US-Sänger Pharrell Williams gibt sein Debut im Reich der Mitte. Auch Hollywood-Star Nicole Kidman ist dabei.

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Sie und viele chinesische Stars treten gemeinsam mit Alibaba-Gründer Jack Ma in einer Fernsehgala auf, die die Staatssender landesweit übertragen. Auf einer riesigen Leinwand rast pünktlich ab Mitternacht eine digitale Uhr mit neun Zifferplätzen los, so schnell, dass die letzten vier Zahlen nicht mehr zu erkennen sind. Und der Rekord wird gebrochen.

Rekord von 2016 wird gebrochen

Nach den ersten zwei Stunden hat Chinas Internetgigant Alibaba über seine Handelsplattformen Waren im Wert von umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro umgesetzt. Bis zur Mittagszeit am Samstag lagen die Verkäufe bereits bei 15,7 Milliarden Euro – mehr als am gesamten 11. November 2016 (rund 15 Milliarden Euro). Am Ende waren es umgerechnet 22,86 Milliarden Euro.

Den "Tag der Singles" am 11.11. gibt es in China schon seit mehr als 20 Jahren. Weil das Datum an diesem Tag nur aus Einsen besteht, hatten chinesische Studenten ihn irgendwann in den späten neunziger Jahre zu einem Art Anti-Valentinstag erkoren, um etwa mit Single-Partys oder Blind Dates aus der Not eine Tugend zu machen.

143 Millionen Chinesen sind Singles

Denn Singles gibt es in der Volksrepublik eine Menge. Über 143 Millionen Chinesen gelten offiziell als alleinstehend. Sie machen elf Prozent der chinesischen Gesamtbevölkerung aus. Und das in einem Land, in dem Ehe und Familie einen hohen Stellenwert haben. Vor allem Männer zwischen 30 und 40 haben es schwer, eine Partnerin fürs Leben zu finden – eine Folge der Ein-Kind-Politik, die erst vor zwei Jahren abgeschafft wurde. Auf 100 Frauen kommen 117 Männer.

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Alibaba-Gründer Ma griff die Idee auf und machte sich Gedanken, wie er aus dem Tag der einsamen Herzen Profit schlagen könnte. Und was kann im modernen China besser über Einsamkeit hinwegtrösten? Einkaufen. Ma bat vor acht Jahren das erste Mal sämtliche Anbieter auf den Handelsplattformen seines Unternehmens darum, für exakt 24 Stunden hohe Preisnachlässe zu gewähren. Happy Shuang Shiyi (Doppel Elf) war geboren.

Mehr Umsatz als zu Thanksgiving in den USA

Im Folgejahr sprangen auch andere Internethändler, Handelsplattformen und selbst herkömmliche Kaufhäuser auf Shuang Shiyi auf. Sie liefern sich seit dem jedes Jahr am 11.11. eine gigantische Rabattschlacht.

Mit großem Erfolg: 2014 gaben die chinesischen Konsumenten erstmals mehr aus, als an den US-Vorbildern Black Friday und Cyber Monday zusammen umgesetzt wird. Händler in den USA läuten an diesen beiden Tagen rund ums Thanksgiving-Wochenende Ende November mit Rabatten das Weihnachtsgeschäft ein.

Hersteller wie Bosch-Siemens frohlocken

In China wird Weihnachten nicht begangen. Dennoch betrug der Wert der verkauften Waren im vergangenen Jahr bereits mehr als 15 Milliarden Euro – fast dreimal so viel wie bei Black Friday und Cyber Monday in den USA. In diesem Jahr werden es am Ende des Tages in China wohl mehr als fünf Mal so viel sein.

Der 11. November steht in China nicht nur für ungezügelten Konsumrausch, sondern ist für die Konsumindustrie weltweit ein Tag der Freude. Mehr als 150.000 verkaufte Rasierer binnen der ersten Stunde dürften in diesem Jahr Philips, Braun und Panasonic begeistern. Haier, Bosch-Siemens und andere Hausgerätehersteller verkauften in derselben Zeit mehr als 100.000 Mikrowellen. Die Umsätze von Smartphones stiegen in der ersten Stunde um mehr als 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die von Lebensmitteln um 350 Prozent.

Drei Millionen Zusteller zusätzlich

Mehr als 140.000 Marken machen in diesem Jahr allein auf den Alibaba-Plattformen mit, darunter 60.000 aus dem Ausland. Die chinesische Post rechnet damit, dass in den nächsten Tagen das Personal von Logistikunternehmen auf mehr als drei Millionen Mitarbeiter aufgestockt werden muss, um die wahrscheinlich über eine Milliarde verschickten Pakete zum Kunden zu bringen.

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Alibaba gibt zu, dass diese hohen Zahlen nicht zuletzt deswegen zustande kommen, weil viele Verbraucher ihre seit Monaten geplanten Einkäufe bewusst auf den 11. November geschoben haben, um die Rabatte mitzunehmen. So auch Li Mei. Sie hat in ihrem Warenkorb unter anderem eine Nintendo Swich stehen, einen Thermomix, jede Menge Kleidung, einen Jahresvorrat an Gesichtscreme sowie eine Flugreise nach Amsterdam. Denn auch internationale Fluggesellschaften machen beim Singles Day mit und haben ihre Preise gesenkt.

Lebenslang Schnaps für 1500 Euro

Besonderes Aufsehen erregte in den sozialen Medien Chinas das Angebot eines chinesischen Schnapsherstellers. Für 11.111 Yuan (umgerechnet etwa 1500 Euro) verspricht er den ersten 99 Käufern einen lebenslangen Vorrat seines Reisschnapses. Wer es in die Auswahl schafft, darf sich über monatliche Lieferungen von jeweils zwölf Flaschen freuen. Und sollten die Käufer in den nächsten fünf Jahren sterben, wird das Lieferrecht automatisch an ein Familienmitglied übertragen. Single muss der Käufer nicht sein.