Den Haag

Shell baut das Geschäft mit E-Mobilität weiter aus

Der Ölkonzern übernimmt einen Spezialisten für E-Ladesäulen. In Deutschland soll das Ladenetz ausgebaut werden

Den Haag.  Der Öl- und Gaskonzern Royal Dutch Shell setzt zunehmend auf das Geschäft mit Stromtankstellen. Nun übernimmt der niederländisch-britische Konzern das Amsterdamer Unternehmen New Motion, das sich auf den Aufbau von E-Ladestationen spezialisiert hat. Shell ist einer der ersten großen Ölkonzerne, der das Geschäft mit Stromtankstellen forciert.

New Motion betreibt rund 50.000 Ladestellen für Elektroautos in ganz Europa – hauptsächlich in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Zu den Produkten gehören aber auch Ladestationen für den Heimbetrieb oder für Parkplätze von Mehrfamilienhäusern. New Motion soll nun unter dem Shell-Dach zügig expandieren und sein Ladestellennetz in Europa und wohl auch in den USA und China ausbauen.

,,Shell will seine Kunden mit allen Brandstoffen für das Auto bedienen, Benzin, Diesel, Strom. Dafür brauchen wir auch Firmen wie New Motion, die ein elektrisches Ladestellennetz für Elektroautos betreiben,'' sagt Matthew Tipper, verantwortlicher Shell-Manager für neue Brandstoffe.

Shell-Chef van Beurden will nur noch elektrisch fahren

Tipper kündigte an, dass der Konzern den Anfang des Jahres begonnenen Ausbau von Ladestellen für Elektroautos an den Shell-Tankstellen in den Niederlanden und in Großbritannien weiter fortsetzen werde. Auch in anderen europäischen Ländern werde es an Shell-Tankstellen bald Ladestellen für Elektroautos geben. Die E-Tanksäulen seien jedoch andere als die von New Motion. ,,Es sind Schnellladestellen, an denen man die Batterie des Elektroautos in weniger als einer halben Stunde wieder aufladen kann."

Die großen Ölkonzerne wie Shell, Exxon Mobile oder BP haben bisher eher zögerlich in die Elektromobilität investiert. Ein ähnliches Angebot wie Shell plant bislang der französische Ölkonzern Total. Die Elektromobilität gilt als große Gefahr für die Ölkonzerne, weil der Autoverkehr einer der größten Verbraucher fossiler Brennstoffe ist.

Shell setzt mit der Übernahme von New Motion nun ein Zeichen und investiert damit intensiv in die Zukunft der Elektroautos. Selbst die Konzernspitze lebt die Wende vor: Shell-Chef Ben van Beurden kündigte jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg an, dass sein künftiges Auto kein Benziner mehr sein werde und er sich elektrisch auf vier Rädern fortbewegen werde.

Bei Shell wird aber auch weiterhin auf das mit Wasserstoff angetriebene Auto gesetzt, das neben dem mit Benzin, Diesel und Strom angetriebenen Automobilen ebenfalls eine Zukunft haben könnte. Laut einer internen Shell-Studie wird die Zukunft der Automobilität multidimensional gesehen: Es werde mit Benzin, Diesel, Elektrizität und mit Wasserstoff angetriebene Autos geben, so die Ansage.

Bisher gelten die begrenzte Infrastruktur von Ladestellen für Elektroautos sowie die langen Ladezeiten der Batterien als die größten Nachteile von E-Autos im Vergleich zum Verbrennungsmotor.