Herkunftsbezeichnung

Umfrage heizt Debatte um Transparenz im Restaurant an

Einer Umfrage zufolge sollten Restaurants Herkunft von Geflügel angeben. Die Gastronomie warnt, Speisekarten würden zu Beipackzetteln.

Hühnerkeule, garniert mit Gemüse und einem Rosmarinzweig – aber woher ist das Geflügel? Restaurantbesucher wollen das einer Umfrage zufolge wissen.

Hühnerkeule, garniert mit Gemüse und einem Rosmarinzweig – aber woher ist das Geflügel? Restaurantbesucher wollen das einer Umfrage zufolge wissen.

Foto: imago stock&people / imago/imagebroker

Berlin.  Die Mehrheit der Verbraucher wünscht sich auf den Speisekarten der Gastronomie mehr Transparenz. 78 Prozent der Bürger sprechen sich dafür aus, dass Restaurants dazu verpflichtet werden, das Herkunftsland von Geflügelfleisch zu kennzeichnen. Dies hat eine repräsentative Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag der deutschen Geflügelwirtschaft ergeben, die unserer Redaktion vorliegt. Befragt wurden rund 1000 Bürger.

Einer Mehrheit von 74 Prozent der Befragten ist die Herkunft des Fleisches wichtiger als der Preis. 79 Prozent wären auch bereit, im Restaurant für Geflügelfleisch aus Deutschland mehr zu bezahlen als für Produkte aus anderen Ländern. Während Gastronomen die Herkunft des Fleisches nur auf freiwilliger Basis nennen, ist die Kennzeichnung im Lebensmittelhandel zumindest bei verpacktem und unverarbeitetem Geflügel seit 2015 EU-weit Pflicht.

Geflügelwirtschaft: Standards müssen erkennbar sein

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft nutzt die Vorlage aus der Umfrage und fordert, dass "hohe Standards wie in Deutschland auch erkennbar sein müssen", sagt ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke.

Doch die Gastronomen wehren sich gegen weitere Kennzeichnungen. "Speisekarten müssen lesbar bleiben und sollen nicht zu bürokratischen Beipackzetteln werden", meint Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA-Bundesverbandes. Gäste, die sich für die genaue Herkunft des Fleisches interessierten, könnten nachfragen und erhielten dann eine fundierte Auskunft.

Foodwatch sieht wenig Aussagekraft in Herkunftsland

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält die Forderung nach einer Herkunftsbezeichnung für ein Täuschungsmanöver. Das Herkunftsland könne die "alles entscheidende Frage nicht beantworten: Stammt das Tier aus einem Betrieb, der ein hohes Niveau an Tiergesundheit und Tierschutz gewährleistet oder nicht?", kritisiert Matthias Wolfschmidt von Foodwatch.

"Es ist Augenwischerei, wenn die deutsche Geflügelwirtschaft so tut, als wäre ,Made in Germany' auch nur ansatzweise ein Qualitätskriterium für guten oder gar herausragend praktizierten Tierschutz." Vielmehr führe die Hochgeschwindigkeitsmast millionenfach zu schmerzhaften Erkrankungen der Tiere. "Läge der Geflügelwirtschaft an Transparenz, sie müsste diese Fakten auf den Tisch legen."

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