Strommarkt

Schlacht um den Energieriesen Uniper

Wir möchten mit dem bestehenden Management weiterarbeiten“, sagt  Fortum-Chef Pekka Lundmark

Wir möchten mit dem bestehenden Management weiterarbeiten“, sagt Fortum-Chef Pekka Lundmark

Foto: Reuters

Der Fortum-Konzern will Anteile der früheren Eon-Kraftwerkssparte übernehmen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

Berlin.  Auf dem deutschen Strommarkt bahnt sich ein Milliardendeal an: Der finnische Energieversorger Fortum will den deutschen Kraftwerksbetreiber Uniper übernehmen. Die Eigner sollen 22 Euro je Aktie erhalten, so das Angebot vom Dienstag. Doch Uniper, eine Abspaltung des Eon-Konzerns, wehrt sich gegen eine Übernahme. Erstmals spricht nun Fortum-Chef Pekka Lundmark und verspricht, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Herr Lundmark,Sie möchten mit Fortum im großen Stil beim Düsseldorfer Energiekonzern Uniper einsteigen, aber das Management um Vorstandschef Klaus Schäfer hat sich eher ablehnend geäußert. Planen Sie eine feindliche Übernahme?

Pekka Lundmark: Nein, wir haben freundliche Absichten. Ich kann die erste Reaktion von Herrn Schäfer gut verstehen. Dass er von unserem Vorhaben aus den Medien erfahren hat, war unglücklich. Aber es gab Indiskretionen, als die Verhandlungen noch liefen, und von Rechts wegen waren wir gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Sie greifen nach 47 Prozent der Uniper-Anteile, die Sie vom Essener Konzern Eon übernehmen wollen. Das kostet rund 3,8 Milliarden Euro. Wer so viel Geld in die Hand nimmt, strebt die Mehrheit bei Uniper an – oder?

Wir konzentrieren uns auf den bisherigen E.ON-Anteil. Bei einer Einigung über die 47 Prozent, müssen wir den übrigen Uniper-Aktionären ohnehin ein Angebot unterbreiten. Wir finden, die Aktie von Uniper ist mit 22 Euro fair bewertet. Wie viele Aktionäre uns dann ihre Aktien anbieten, darüber will ich nicht spekulieren.

Auch mit 47 Prozent wäre Ihnen eine Mehrheit bei Entscheidungen in der Hauptversammlung sicher. Wollen Sie, wenn Sie das Sagen bei Uniper haben, das Management austauschen?

Warum sollten wir das tun? Herr Schäfer und sein Team machen einen großartigen Job. Das zeigt allein schon die Entwicklung des Aktienkurses. Wir möchten mit dem bestehenden Management weiterarbeiten und hoffen auf ein konstruktives Miteinander.

Bei den Beschäftigten von Uniper gibt es angesichts des Einstiegs von Fortum Sorgen. Können Sie die Gemüter beruhigen?

Wenn der Einstieg am Ende gelingt, dann hat dies keine Konsequenzen für die Mitarbeiter von Uniper. Wir respektieren alle Vereinbarungen, die das Management mit Arbeitnehmervertretern getroffen hat. In der Vereinbarung mit E.ON ist überdies festgehalten, dass es bei Uniper keine betriebsbedingten Kündigungen oder eine Verlegung der Zentrale aus Düsseldorf aufgrund der Transaktion geben würde. Sobald wir eine Vereinbarung mit E.ON haben, können wir uns mit dem Uniper-Management und den Arbeitnehmervertretern zusammensetzen und unsere Verpflichtungen so formalisieren, dass sie ihnen die nötige Sicherheit geben. Um es noch einmal klar zu sagen: wir wollen nicht gegen sondern mit Uniper arbeiten.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für einen Konzern wie Uniper entschieden, der auf fossile Energieträger wie Kohle und Gas setzt?

Zunächst besteht Uniper aus mehr als nur fossilen Energien. Sie haben ein großes Wasserkraft-Portfolio, fast so groß wie unseres. Wir sehen vielfältige Möglichkeiten für Kooperationen zwischen unseren beiden Unternehmen. Bislang haben wir unsere Schwerpunkte im Norden Europas, Uniper ist in Zentraleuropa stark. Im Zuge der Energiewende werden diese Regionen stärker als bisher zusammenwachsen. Moderne Kohle- und Gaskraftwerke sind zudem sehr effizient und versprechen eine gute Rendite. Geld, das wir durch Dividenden erwirtschaften, können wir in unser Geschäft mit den erneuerbaren Energien investieren.

Gab oder gibt es auch Pläne für eine Verschmelzung von Uniper und Fortum?

Wir haben im Frühsommer auch eine vollständige Verbindung von Uniper und Fortum mit Herrn Schäfer diskutiert. Wir respektieren es, dass die Führung von Uniper solche Pläne ablehnte. Nur: Eon plant, seine Anteile auf jeden Fall abzugeben. Wir wollen langfristig ein aktiver und konstruktiver Investor sein. Unser Ziel ist eine enge Kooperation zwischen beiden Unternehmen. Ich bin überzeugt, dass davon beide profitieren.

Was heißt für Sie langfristiger Investor? Sprechen Sie von fünf oder zehn Jahren?

Ich denke an einen längeren Zeitraum. Die Energiewende wird kaum in fünf oder zehn Jahren vollendet sein. Wir möchten Teil dieser Veränderung sein.

Gibt es weitergehende Pläne für Europas Energiemarkt? Rechnen Sie mit Fusionen von Energiekonzernen in Deutschland?

Wir gehen davon aus, dass es zu Zusammenschlüssen von Energieversorgern in Europa kommen wird. Welche Rolle wir dabei spielen werden, lässt sich aber heute noch nicht sagen.

Ist für Sie auch ein Einstieg beim Essener Energiekonzern RWE interessant?

Wir haben keine derartigen Pläne.

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