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Facebook-Chefin: Werbung für "Juden-Hasser" war unser Fehler

Werbetreibende konnten bei Facebook gezielt Antisemiten ansprechen. Das ist nun vorbei – Sandberg sieht den Fehler im Unternehmen.

Die Geschäftsführerin von Facebook, Sheryl Sandberg, sieht den Fehler bei der gezielten Werbung an „Juden-Hasser“ beim Unternehmen selbst.

Die Geschäftsführerin von Facebook, Sheryl Sandberg, sieht den Fehler bei der gezielten Werbung an „Juden-Hasser“ beim Unternehmen selbst.

Foto: Thomas Trutschel/photothek.net / imago/photothek

Menlo Park.  Facebook-Chefin Sheryl Sandberg hat Fehler des Sozialen Netzwerks im Umgang mit gezielter Werbung eingestanden. "Dass hasserfülte Begriffe überhaupt als Option angegeben wurden, war absolut unangebracht und ein Fehler unsererseits", schreibt Sandberg in einem langen Facebook-Eintrag.

Wie das US-Portal "ProPublica" am vergangenen Donnerstag berichtete, hat Facebook seinen Anzeigen-Kunden ermöglicht, gezielt Antisemiten und Rassisten anzusprechen. Für die Vermarktung von Nazi-Andenken oder das Anpreisen rechtsradikaler Veranstaltungen konnte die Zielgruppe "Juden-Hasser" ausgewählt werden. Die Feeds von insgesamt 2300 Mitgliedern konnten so angesteuert werden. Weitere wurden etwa mit den Begriffen "German Schutzstaffel" und "Nazi Party" angesprochen.

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"Diese Worte zu sehen hat mich angewidert und enttäuscht", schreibt Sandberg. "Hass hat keinen Platz auf Facebook – und als Jüdin, Mutter und als Mensch weiß ich, welchen Schaden Hass anrichten kann."

Die Kategorien wurden nicht von Menschen erstellt, sondern von Algorithmen. "Die Leute schrieben diese zutiefst beleidigenden Begriffe in die Bereiche Bildung und Arbeit", erklärt Sandberg. Diese Bereiche konnten dann von Werbetreibenden gezielt angesprochen werden.

"Das ist unsere Schuld"

"Weil diese Begriffe so selten genutzt wurden, haben wir es nicht entdeckt, bis 'ProPublica' darauf aufmerksam machte", schreibt die Facebook-Chefin. Dass die Funktion auf diese Art und Weise genutzt werden kann, habe man in dem Unternehmen nicht erwartet. "Und das ist unsere Schuld." Eine explizite Entschuldigung fehlt in dem langen Text.

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Zunächst habe man versucht, die Begriffe zu entfernen und als das nicht funktionierte, die Targeting-Funktion im Werbeberich komplett abgeschaltet. Nach einem manuellen Durchsehen der 5000 am weitesten verbreiteten Begriffe wie "Zahnarzt" oder "Lehrer" würden diese nun reaktiviert.

Drei Maßnahmen gegen Hass in der Werbung

Mit drei Maßnahmen wolle Facebook künftig gegen die genutzten Methoden vorgehen: Zunächst würden die Werbe-Richtlinien und Sanktionsmöglichkeiten präzisiert und verschärft, damit Inhalte, die gegen die Gemeinschaftsstandards verstößen, nicht mehr in Werbung verwendet werden könne.

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Darüber hinaus würden die Werbebegriffe künftig von mehr Menschen beobachtet und es soll eine Funktion eingeführt werden, über die Facebook-Mitglieder missbräuchliche Nutzung von Werbung melden könnten. (wck)

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