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Automesse IAA soll Weg aus der Diesel-Krise zeigen

Vor der Automesse IAA sehen Experten deutsche Hersteller unter Druck, den Anschluss zu verlieren. Auch Autonomes Fahren ist Thema.

Seehofer im Exklusiv-Interview: "Hexenjagd gegen das Auto"

Horst Seehofer im Exklusiv-Interview vor der Bundestagswahl: „In Deutschland gibt es derzeit einen Feldzug, eine Hexenjagd gegen das Automobil an sich“, sagt der CSU-Chef im Gespräch mit Jörg Quoos und Jochen Gaugele.

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Frankfurt/Main.  Es dürfte die wohl meistdiskutierte Frage an den Ständen der Automesse IAA in Frankfurt sein: Wann schafft der Elektromotor den Siegeszug über den Verbrenner? Der Diesel-Skandal zwingt nicht nur Volkswagen, sich fit für die neue Antriebstechnik zu machen. Fast alle Autobauer stehen unter Druck, ihr Geschäft umzukrempeln, um die strengeren CO2-Vorgaben zu erfüllen, sagen Analysten im Vorfeld der weltweit wichtigsten Automesse, die am Donnerstag öffnet.

Die deutschen Autohersteller haben sich daran gewöhnt, dass „Premiumanbieter“ als Synonym für „deutsche Anbieter“ stand, sagt etwa der Autoexperte beim Bankhaus Metzler, Jürgen Pieper. Doch mittlerweile stehe US-Elektropionier Tesla ganz oben. Pieper schätzt, dass der Diesel-Anteil an den Neuzulassungen von derzeit knapp 50 auf 30 Prozent im Jahr 2027 sinken wird.

Ähnlich verhält es sich mit Benzinern – die jedoch wegen der Dieselkrise in den nächsten zwei Jahren auf einen Marktanteil von 50 Prozent steigen könnten. Hybride, also Autos mit Verbrenner und Elektromotor, dürften ihren Marktanteil binnen zehn Jahren von drei auf 13 Prozent vergrößern, schätzt der Analyst.

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In zehn Jahren soll es mehr Stromer als Diesel und Benziner geben

Bis 2030 könnten rein elektrische Fahrzeuge mit Strom aus Batterien ihren Marktanteil von zwei auf 46 Prozent ausdehnen. In etwa zehn Jahren werde es erstmals mehr Stromer als Diesel oder Benziner geben. Entsprechend werden die Autobauer auf der diesjährigen IAA zahlreiche neue E-Modelle präsentieren. Bereits in der vergangenen Woche hatte BMW verkündet, schon in vier Jahren das erste komplett selbstfahrende Elektroauto auf den Markt bringen zu wollen. „Bis 2025 werden wir 25 elektrifizierte Fahrzeuge anbieten, zwölf davon werden vollelektrisch sein“, sagte der Vorstandschef Harald Krüger.

Die 2020er-Jahre könnten wieder gute Jahre für die Branche und ihre Aktien sein, meint Pieper. Aber bis dahin sieht er die Branche „ins Dunkle“ fahren. Vieles komme zusammen: Sinkende Gewinne – weil Dieselautos ein höheres Plus bringen als Benziner, was bei sinkenden Zulassungszahlen für die Selbstzünder eben auf die Margen drücke.

Autonomen Fahren sind deutsche Unternehmen gut dabei

Den Diesel sauberer zu machen, um Fahrverbote zu vermeiden, bedeute Kosten für eine Technologie mit unsicherer Zukunft. Zugleich müsse Geld für die Entwicklung der E-Modelle bereitgestellt werden. Aber es gibt auch Fortschritte: „Beim Autonomen Fahren befinden sich sechs deutsche Namen unter den zehn größten Patentanmeldern der Welt“, weiß Benjardin Gärtner von Union Investment. Tesla und Apple suche man in dieser Wertung vergeblich.

Auf Piepers Aktienkaufliste steht derzeit nur VW – wegen der Umstrukturierungen nach dem Dieselskandal. BMW, obwohl mit effizienten Dieselmotoren unterwegs, dürfte unter seinem hohen Anteil an Dieselmodellen in der Zukunft leiden.