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Kirchenkreuze von Packung entfernt – Lidl entschuldigt sich

Eine Kirchenkuppel, deren Kreuz wegretuschiert wurde. Die Verpackung eines Lidl-Produkts sorgt für Ärger. Der Konzern gelobt Besserung.

Der Discounter Lidl steht wegen einer Retuschieraktion heftig in der Kritik.

Der Discounter Lidl steht wegen einer Retuschieraktion heftig in der Kritik.

Foto: Ralph Peters / imago/Ralph Peters

Berlin.  Für seine Verkaufsaktion mit Spezialitäten aus Griechenland wählte der Discounter Lidl Motive der beliebten Urlaubsinsel Santorin. Sonne, Meer, weiß getünchte Kirchen mit hellblauen Kuppeln sollte die Produkte der Lidl-Marke "Epidanous" dem Kunden schmackhaft machen. Allerdings: Auf den Kirchen fehlte das Kreuz als christliches Symbol. Es wurde offenbar wegretuschiert.

Ein belgisches Nachrichtenportal hatte die Retusche bemerkt und veröffentlicht. Seitdem sucht sich die Empörung von Kunden vor allem bei Facebook und Twitter ihren Weg. In vielen Wortmeldungen herrscht Unverständnis über die fehlenden Kreuze, es gibt sogar Aufrufe zum Boykott von Lidl.

Scharfe Kritik auf Facebook und Twitter

Auch Politiker wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn und Ex-Unionspolitikerin Erika Steinbach meldeten sich bereits zu Wort. Das klingt dann beispielsweise so:

CDU-Politiker Jens Spahn wandte sich per Twitter mit Kritik an den Discounter:

Erika Steinbach, Ex-CDU-Politikerin und nun Wahlkämpferin für die AfD, schickte ebenfalls eine – sehr knapp gehaltene – Twitterbotschaft an Lidl:

Auf der Facebook-Seite von Lidl klingt das ähnlich:

Lidl beteuert: Keine böse Absicht

Lidl bestätigte am Montag auf Anfrage unserer Redaktion indirekt die Retuschier-Aktion. In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es, Lidl verkaufe sein Eridanous-Sortiment seit über zehn Jahren in den Filialen in ganz Europa. Und weiter: "In dieser Zeit gab es immer wieder Veränderungen am Verpackungsdesign. Es tut uns sehr leid, dass das aktuelle Design für Unmut sorgt, dahinter steckt keine böse Absicht. Wir werden das Feedback weitergeben und dieses bei der Gestaltung künftiger Verpackungen berücksichtigen."

Zu den Gründen, weshalb die Kirchenkreuze auf den Verpackungen nicht zu sehen sind, äußerte sich das Unternehmen nicht.

Bischof: "Kulturlos und barbarisch"

Etwas konkreter wurde Lidl Österreich, wo man in einer Mitteilung via Facebook von einem "Fehler" sprach. Man könne den "Ärger verstehen":

Trotzdem gab es Protest auch aus den Reihen der Kirche. Der Prager Kardinal Dominik Duka sprach von einer "kulturlosen und barbarischen Handlung". Es gehe zwar "nur" um die Verfälschung von Fotografien, so der katholische Erzbischof von Prag. Aber es sei zu befürchten, "dass es demnächst zur Entfernung wirklicher Kreuze auch aus Kirchen kommen könnte".

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