Mobilität

E-Bikes gibt es nun leichter, schicker und mit ABS

Die Fahrradbranche zeigt auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen die neuesten Trends. Sie sind geprägt vom Erfolg des Hilfsmotors.

Der Hersteller Winora integriert bei seinem neuen Modell „Sinus iX11 Urban“ den Motor im Rahmen.

Der Hersteller Winora integriert bei seinem neuen Modell „Sinus iX11 Urban“ den Motor im Rahmen.

Foto: Winora / pressedienst-fahrrad / obs

Berlin.  Etwa 1400 Hersteller aus 50 Ländern präsentieren bis Sonnabend auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen Neuheiten aus der Welt des Fahrrads – eine Welt, die 200 Jahre nach der Erfindung des muskelbetriebenen Zweitrads, immer mehr geprägt wird von Velos mit elektrischem Hilfsmotor. 15 Prozent aller verkauften Räder – von Januar bis Juni waren es laut Zweirad-Industrie-Verband 2,64 Millionen – fahren bereits mit elektrischem Rückenwind, mittelfristig sollen es 30 Prozent sein. Und die sollen sich technisch wie optisch weiterentwickeln.

Bis vor wenigen Jahren sahen E-Bikes noch aus wie Hollandräder, an die man in der Mitte rund um das Tretlager einen unförmigen Kasten montiert hatte, der den Motor enthielt. Der Akku dazu war entweder irgendwo am Rahmen als grober Klotz angeschraubt, oder er lag ein wenig dezenter zwischen Gepäckträger und Schutzblech am Hinterrad. Die Kabel zwischen Batterie und Antrieb liefen nicht selten offen. Die Räder waren vor allem konzipiert für ältere Menschen, die wie früher von A nach B fahren wollten, aber zusehends Probleme mit den Steigungen bekamen.

E-Bikes sind heute etwas für alle Altersgruppen

Heute sind E-Bikes längst keine Verlegenheitslösung für Wadenschwache mehr. Alle Kategorien von Rädern gibt es mittlerweile mit Motor – selbst filigrane Rennräder und futuristische Mountainbikes fürs Gelände. Und im Sattel sitzen alle Geschlechter und Altersgruppen. Besonders in Städten wird das E-Bike zu einem bewussten Statement – hip, chic oder sogar beides.

Die Hersteller unterstützen das mit Hochdruck. „Das E-Bike der Zukunft ist ein Fahrrad“, lautet das Credo der Branche. Will heißen: Motorunterstützte Fahrräder sollen so aussehen, dass man sie nicht mehr als Sonderform wahrnimmt.

Es gibt schon Antriebe, die nur Experten als solche erkennen

Der Anspruch schafft technische Herausforderungen, besonders an die Optik des Antriebs. Bisher gibt es nur ein System für Rennräder, bei dem ein komplett in einem normalen Rahmen unsichtbar verbauter Antrieb direkt auf das Tretlager wirkt. Der Akku dafür wird in einer kleinen Tasche unter dem Sattel versteckt. Ein mit dem österreichischen Vivax Assist ausgestattetes Rad ist nur von Experten von einem Velo ohne Motor zu unterscheiden. Obendrein ist der Antrieb mit einem Gewicht von weniger als zwei Kilogramm der leichteste im Markt, dafür aber durch die vergleichsweise kleine Batterie in der Reichweite limitiert.

Aber auch bei normalen Fahrrädern geht die optische Veredlung weiter. Bosch will 2018 einen Motor präsentieren, der mit 2,9 Kilogramm Gewicht ein Kilogramm leichter ist als sein Vorgänger und 25 Prozent weniger Raum in Anspruch nimmt. Die neue Generation der Bosch-Akkus ist zudem ab 2018 mit dem Rahmen zu einer Einheit zu verbinden. Der Akku wird somit integratives Teil statt eines angebauten Extras.

Zahnriemen ersetzen künftig die ölige Kette

Der Berliner Hersteller Brose hat dies schon im Programm, auch Hersteller aus den USA wie Scott bieten ihre Räder mit solch integrierten Akkus an. Und die Branche rechnet mit weiteren Fortschritten. „Aus unserer Sicht wird es im Jahr 2022 Pedelecs geben , die sich bei Formensprache und Design kaum mehr vom traditionellen Fahrrad unterscheiden lassen“, sagt Claus Fleischer, Leiter der E-Bike-Sparte bei Bosch.

Die neue Optik wird auch bestimmt durch eine in Lenkervorbau und Sattelstütze integrierte Beleuchtung sowie durch Riemenantriebe statt der üblichen Kette. Die Zahnriemen sehen zwar nicht unbedingt besser aus, dafür gehört der berühmte ölige Kettenabdruck auf der Wade der Vergangenheit an. Das ist besonders bei Stadträdern ein Vorteil, wenn der Besitzer in Anzug oder Kostüm zur Arbeit fährt.

Automatikgetriebe haben noch Nachteile gegenüber guten Kettenschaltungen

Im Kommen sind auch Automatikgetriebe statt Schaltungen, wobei diese zumindest nicht in allen Bereichen vergleichbar gut und geschmeidig übersetzen wie eine hochwertige Kettenschaltung. Zudem haben sie einen höheren mechanischen Widerstand, aber darum braucht man sich mit einem Motor nicht zu kümmern.

Auch bei den Bremsen ändert sich gerade vieles. Scheibenbremsen ersetzten immer mehr die Felgenbremse. Ob dies eine optische Verbesserung ist, mag Geschmacksache sein. Technisch wird das Bremsen aber um ein Detail reicher. Bosch hat zusammen mit dem Spezialisten Magura sogar ein Antiblockiersystem (ABS) für Fahrräder entwickelt, das ein Blockieren des Vorderrades unmöglich machen soll.

Noch wiegen alltagstaugliche E-Bikes bis zu 25 Kilogramm

Das E-Bike ist auf dem Weg vom klobigen Gesellen zum feinen Verkehrsmittel für Menschen, die auch mit dem Auge radeln. Und mit der optischen Verschlankung dürfte auch das Gewicht sinken. Noch wiegen alltagstaugliche E-Bikes mit Lichtanlage, Schutzblechen, Ständer und Gepäckträger bis zu 25 Kilogramm, absehbar sollte ein E-Bike nicht mehr als 18 auf die Waage bringen.

Es gab schon ein serienreifes E-Bike für die Stadt, das zwölf Kilo wog. Der Hersteller Freygeist, vor einem Jahr auf der Eurobike als hoffnungsvolles Start-up gefeiert, ging aber Anfang des Jahres trotz angeblich voller Auftragsbücher pleite. Da half auch die ganze Optik nichts.