Finanzindustrie

Künstliche Intelligenz: Computer besser als Fondsmanager?

Banken setzen bei der privaten Geldanlage zunehmend auf künstliche Intelligenz. Doch sind die Maschinen die besseren Fondsmanager?

Über eine Milliarde Euro wird in Deutschland von Computerprogrammen investiert und verwaltet.

Über eine Milliarde Euro wird in Deutschland von Computerprogrammen investiert und verwaltet.

Foto: Getty Images / Science Photo Library/Getty Images

Berlin.  Roboter entschärfen Bomben, bearbeiten Mikrochips, helfen bei der Ernte – und sie kümmern sich jetzt auch um das Geld von Anlegern. Zunehmend setzen Banken bei der Vermögensverwaltung auf künstliche Intelligenz – also Computerprogramme, die anstelle von Fondsmanagern auf Basis von Algorithmen Anlageentscheidungen treffen. Schätzungen für den deutschen Markt gehen davon aus, dass auf diese Weise bereits eine Milliarde Euro verwaltet werden, weltweit sollen es schon 100 Milliarden Dollar sein.

Nikolai Lenarz leitet den Geschäftsbereich Finanzmärkte beim Bundesverband deutscher Banken. Er schätzt, dass der Anteil des von Robotern verwalteten Vermögens gemessen am weltweiten Gesamtvolumen noch unter einem Prozent liegen dürfte. „Das Wachstumspotenzial ist aber groß.“

Etwa 30 Robo Advisors, wie die Systeme in der Branche genannt werden, gibt es allein in Deutschland. Viele Fintechs, also junge Unternehmen, die neue Technologien im Finanzsektor entwickeln, steigen in den Markt ein, aber zunehmend auch etablierte Banken wie die Deutsche Bank. Die Commerzbank bietet mit Cominvest einen digitalen Anlageservice an, bei der
DekaBank heißt die Dienstleistung Bevestor und von der Union Investment Bank gibt es Visualvest. An dem Münchener Start-up Scalable beteiligte sich jüngst der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock. Scalable gibt es erst seit Anfang 2016 – heute verwalten die Münchener 200 Millionen Euro.

Banken profitieren vom Know-how der Fintechs

Die automatisierten Portfoliomanager funktionieren ähnlich: Die Kunden legen einen Anlagebetrag fest, geben Daten wie Alter, Einkommen, Vermögen, Risikobereitschaft und Zielrendite an. Die Software ermittelt auf Basis dieser Daten ein Anlageprofil und schlägt Investmentprodukte vor.

Roboter-Konferenz in Peking
Roboter-Konferenz in Peking

Welche Befugnisse die Programme haben, hängt davon ab, ob sie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert werden. Ist das der Fall, können sie die Depots der Kunden aktiv anpassen – also Aktien kaufen oder verkaufen ohne die Zustimmung des Kunden. Andernfalls machen die Programme lediglich Vorschläge und vermitteln die Anlageprodukte, schichten das Depot aber nicht ohne Zustimmung des Anlegers um. Während die Verwaltungsgebühren für einen aktiv gemanagten Fonds bei der Hausbank 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr betrügen, würden die Kosten bei einem Robo nur bei etwa einem Prozent jährlich liegen. Bei einer Sparzeit von 20 bis 30 Jahren mache das „einen enormen Unterschied“, betont er.

Ob die Systeme das Geld lukrativer anlegen als menschliche Fondsmanager ist noch nicht ausgemacht. „Die Robo Advisor sind im Schnitt erst seit ein, zwei oder drei Jahren aktiv“, sagt Lenarz. Eine konkrete Bewertung der Performance sei aber erst nach einem längeren Zeitraum und etwaigen Marktkorrekturen möglich.

Nicht unbedingt besser, dafür aber günstiger

„Es geht nicht darum, etwas besser zu machen, sondern automatisiert und günstiger“, sagt der Anlageexperte der Stiftung Warentest, Yann Stoffel. Einen Vorteil haben Robo Advisor auf jeden Fall: Sie agieren immer rational und nie „nach Tageslaune“. Nach Einschätzung des Bankenverbandes wird die computerbasierte Anlageentscheidung das Wertpapiergeschäft „deutlich verändern“. „Der Markt wird sich öffnen“, sagt Lenarz. Tatsächlich könnten die digitalen Vermögensverwalter, die zum Teil schon mit geringen Anlagebeträgen arbeiten, viele Bürger erreichen, die bislang einen Bogen um die Aktienmärkte oder schlechte Erfahrungen mit Beratern machten.

Auch traditionelle Geldhäuser und Start-ups, die anfangs als Konkurrenten galten, nähern sich unterdessen an. „Die Banken arbeiten zunehmend mit Fintechs zusammen“, sagt Lenarz. 2016 hat der Bankenverband deshalb das gemeinsame Kommunikationsforum Digital Banking gegründet. Die Banken profitieren von dem technischen Know-how der Fintechs, und diese wiederum von dem Kundenstamm der Banken.

So bringen diese drei Roboter Kindern das Programmieren bei
So bringen diese drei Roboter Kindern das Programmieren bei

Während Banken jedoch der Aufsicht der Bafin unterliegen, werden Fintechs durch die örtlichen Gewerbeämter überwacht. Für Fintechs, die Robo Advisor anbieten, fordert der Bankenverband daher eine Beaufsichtigung ebenfalls durch die Bafin: Kernelement für guten Anlegerschutz sei eine einheitliche Kontrolle durch den Staat.

Auch bei automatisierten Geldanlagen ist Hintergrundwissen nötig

Wer sich für dieses Form der Anlageberatung interessiert, dem empfiehlt Stoffel, sich an das zu halten, was bei jeder Geldanlage gilt: Nicht auf nur Performance und Rendite, sondern auch auf das Risiko sollte man achten. Ihm zufolge mischen einige Anbieter ihren Portfolios sehr hohe Anteile riskanter Anlagen wie etwa Aktienfonds, die in Schwellenländer investieren bei. Doch auch bei der automatisierten Geldanlage seien etwas Erfahrung und Hintergrundwissen nötig, betont Stoffel.

Ob künftig Fondsmanager durch Robo Advisor ersetzt werden, ist noch nicht absehbar. Lenarz prognostiziert eine Art Hybridmodell, bei dem Computerprogramme den menschlichen Berater unterstützten. An entsprechenden Tools werde bereits gearbeitet.

„Wir glauben, dass in Deutschland zwei bis drei große, aktive Robo Advisor überleben werden“, sagt Niklas Vogt vom Portal „robo-advisor.de“. Ähnlich ist die Situation in den USA – dort hat haben sich mit Betterment und Wealthfront zwei Robo Advisor durchgesetzt, die beide bereits über fünf Milliarden US-Dollar Anlagegelder verwalteten.

Angst vor der Insolvenz eines Robo-Advisor-Fintechs müssen Anleger aber nicht haben. Die Start-ups verkauften in der Regel Fondsanteile, die als Sondervermögen verwahrt würden – und im Falle einer Pleite als Eigentum der Anleger insolvenzgeschützt seien, erklärt Lenarz.