Verkehr

Abgasskandal von VW führt zu Rabattschlacht beim Autokauf

Volkswagen und Daimler locken Kunden: Wer den Diesel verschrottet, bekommt eine Prämie. Ob dies die Umwelt entlastet, ist umstritten.

VW-Diesel-Autos sollen auf dem Schrottplatz landen.

VW-Diesel-Autos sollen auf dem Schrottplatz landen.

Foto: imago stock / imago/Waldmüller

Berlin.  Die Autoindustrie geht in die Offensive. Nur eine Woche nach dem Diesel-Gipfel starten die Hersteller in Deutschland eine groß angelegte Rabattschlacht. Nach Ford, BMW und Toyota locken nun auch Europas größter Fahrzeughersteller Volkswagen und der Stuttgarter Autobauer Daimler Kunden mit Kaufpreisnachlässen, sofern sie im Gegenzug ihren alten Diesel verschrotten lassen. Ob dies die Umwelt entlastet, ist umstritten.

Käufer der Konzernmarken VW, Audi, Skoda, Seat und Porsche erhalten bis zum Jahresende Prämien von 2000 bis 10.000 Euro beim Kauf eines Neuwagens. Die Höhe der Prämie richtet sich nach dem Modell des Neukaufs und dem Prinzip: Je teurer, desto größer der Abschlag. Mercedes-Kunden bekommen 2000 Euro pro Fahrzeug. Angesichts drohender Fahrverbote in den Innenstädten will Volkswagen mit dem Angebot vor allem Besitzer älterer Dieselfahrzeuge zum Neuwagenkauf bewegen. Der Abschlag gilt nur für Dieselautos der Abgasnormen Euro-1 bis Euro-4 – also Fahrzeuge, die vor 2009 verkauft wurden.

Bei dem zu verschrottenden Fahrzeug kann, aber muss es sich nicht um einen Volkswagen handeln – die Zahlung gibt es auch für andere Marken. Beim Händler muss man nur den Verschrottungsnachweis des Fahrzeugs vorlegen und belegen, dass der Käufer in den vergangenen sechs Monaten Besitzer des Fahrzeugs war, erläuterte der deutsche Vertriebs- und Marketingchef von VW, Thomas Zahn.

Kunden erhalten zwischen 1000 und 2380 Euro Prämie

Wer sich beim Neukauf eines VW zudem noch für ein Modell mit alternativem Antrieb – zum Beispiel Erdgas, Hybrid oder Elektro – entscheidet, erhält zusätzlich zwischen 1000 und 2380 Euro.

Der Volkswagen-Konzern, der tief in den Abgasskandal verstrickt ist, bezeichnet seinen Aktionsplan selbst als „Umwelt- und Zukunftsprogramm“ und den Rabatt als „Umweltprämie“. „Wir wollen den Umbau in die Nachhaltigkeit fördern“, sagte Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands. Zum Programm gehöre auch die Umrüstung aller von Manipulationen betroffenen Diesel der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6 mit einer Software, die eine Reduktion der Stickstoffausstöße um 25 Prozent bringen soll.

VW stellt für die Rabattaktion einen nicht näher bezifferten „signifikanten Millionenbetrag zur Verfügung. Aktuell sind laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 6,4 Millionen Dieselautos der Abgasnormen Euro 1 bis 4 auf der Straße. Wieviele Kunden die Prämie annehmen, darüber wollte Stackmann nicht spekulieren. Das Angebot gelte noch bis zum 31. Dezember - und zwar unbegrenzt und nur in Deutschland.

Der Marktanteil von Diesel-Autos ist gesunken

Unterm Strich geht es bei den Rabattaktionen vor allem um Marktmacht, Umsatzsteigerung und die Rettung des Dieselmotors. Das Vertrauen in die Autoindustrie hatte durch den Abgasskandal in den vergangenen Monaten massiv gelitten.

Dieselbesitzer sind verunsichert, ob sie ihre Fahrzeuge langfristig noch nutzen dürfen, andere grübeln, ob ein Diesel-Neukauf überhaupt noch sinnvoll ist. Die Folge: Der Marktanteil neu verkaufter Dieselmodelle ist deutlich gesunken.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wertet die Rabattschlacht als eine „Werbeaktion, die auch für die Umwelt Vorteile bringt. Hauptziel der Konzerne ist es jedoch, die Geschäfte anzukurbeln und die Verunsicherung auf dem Automarkt zurückzudrängen“, sagte der CAR-Direktor an der Universität Duisburg-Essen unserer Redaktion.

Händler können weitere Rabatte einräumen

Den Kunden empfiehlt Dudenhöffer, trotz der Prämie beim Autokauf nicht aufs Aushandeln weiterer Nachlässe zu verzichten. „Im Juli gewährte der Autohandel die höchsten Rabatte in diesem Monat seit Jahren. Die 30 Top-Modelle wurden im Schnitt mit Nachlässen von 20,7 Prozent verkauft.“ VW gewährt nach eigenen Angaben die Kaufprämie auf den Listenpreis des Fahrzeugs. Darüberhinaus könne der Händler aber auch weitere Rabatte einräumen, so VW.

Dem Umweltschutz bringe die Austauschaktion dagegen nur wenig, meint Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Einige der jungen Euro-6-Diesel-Modelle seien „die Schmutzigsten“, die zurzeit auf den Straßen unterwegs seien. So sei etwa der Stickoxidausstoß des Audi A8 nach eigenen Messungen im Realbetrieb 24,5 Mal so hoch wie auf dem Prüfstand erlaubt. „Wir können den Diesel derzeit nicht empfehlen“, sagt Resch. Zwar gebe es Modelle mit sehr guten Abgaswerten, doch sei unklar, wie diese bei Minustemperaturen ausfallen. Deshalb rät die Umwelthilfe zum Kauf von Autos mit alternativem Hybrid- oder Erdgas-Antrieb.

Auch der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Oliver Krischer, ist überzeugt, dass die Aktionen mehr der Dieselabsatzförderung als dem Umweltschutz dienen. „Wenn VW wirklich etwas für saubere Luft in Städten tun will, sollte der Autobauer eine kostenlose Hardware-Nachrüstung für Euro 5 und 6 anbieten. Statt fragwürdiger Abwrackprämien wären ernsthafte Kaufanreize für E-Autos das richtige Signal.“ Am Ende bestehe die Gefahr, so Krischer, „dass nur ein alter durch einen neuen Stinker ersetzt wird.“