Mobilität

Coup, Emmy, Unu und Co.: Elektro-Roller erobern die Städte

E-Roller werden immer beliebter, die Zahl der leisen Flitzer steigt rapide. Der Trend kommt aus China, aber auch Bosch investiert.

Mit dem Miet-E-Roller gegen Abgase und Stau

Sharing-Unternehmen bieten in mehreren Städten Elektro-Scooter an. Mietfahrzeuge statt Autobesitz heißt die Devise.
Do, 03.08.2017, 20.08 Uhr

Mit dem Miet-E-Roller gegen Abgase und Stau

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BerliN.  In Deutschlands Städten ist es ein junges Phänomen: Statt röhrender Vespas zischen leise, aber ebenso bewegliche kleine Elektro-Zweiräder durch die Straßen. Der Trend kommt aus China. Dort sind schon heute etwa 200 Millionen Elektro-Roller unterwegs, einer für jeden siebten Chinesen. Hierzulande dominieren derzeit zwar noch die Mini-Motorräder mit Benzinantrieb. "Aber der Markt für E-Scooter weist großes Wachstumspotenzial auf", sagt Florian Flaig, ein Sprecher des Technologie-Konzerns Bosch.

Noch ist der bundesdeutsche Markt für E-Roller überschaubar. Auf 15.000 bis 20.000 wird die Zahl der Fahrzeuge im Straßenverkehr geschätzt. Das macht weniger als ein Prozent der gesamten Flotte aus, deren historisches Vorbild die italienische Vespa der 1950er-Jahre ist. Genaue Zulassungsstatistiken gibt es nicht. Doch dass der Markt boomt, daran zweifeln Brancheninsider nicht. Die Zahl der E-Roller-Anbieter habe sich im Vergleich zum vergangenen Jahr verdoppelt, schätzt Pascal Blum. Er ist Gründer des E-Scooter-Anbieters unu mit Sitz in Berlin.

Die Roller tragen Versicherungskennzeichen. Einen Motorrad-Führerschein braucht man für sie nicht. In der Regel sind sie auf eine maximale Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde gedrosselt.

Bosch hat mit Coup einen Volltreffer gelandet

Besonders für die Fortbewegung in Großstädten könnten sie ein wichtiges Segment der Elektromobilität darstellen. Unternehmen wie Bosch sehen deshalb in ihnen eine Möglichkeit, Erfahrung zu sammeln und ihre Stellung auf dem Gesamtmarkt für Elektrofahrzeuge auszubauen. Die Stuttgarter Firma ist einer der größten Automobilzulieferer weltweit. Nun nimmt sich Bosch mit großen Plänen die Elektromobilität vor. Es gehe darum, "den kompletten elektrischen Antriebsstrang vom Roller bis zum Lkw" zu beherrschen, sagt Bosch-Sprecher Flaig.

Im Angebot hat das Unternehmen ein komplettes System für Stromspannungen bis zu 48 Volt, das Fahrzeuge von Rollern bis zu Kleinwagen wie dem Smart abdeckt. Darin enthalten sind Antriebsstrang, Batterie, Steuerungselektronik und eine App für Endkunden-Lösungen. An Roller-Produzenten wie unu oder die chinesische Firma Niu liefert Bosch Motoren und Steuergeräte aus eigener Fabrikation in China. Die unu-Scooter werden außerdem in Bosch-Werkstätten repariert.

Emmy und Coup konkurrieren um die junge Kundschaft

Zusätzlich hat der Konzern 2016 in Berlin seine Tochter Coup gestartet – und damit bei überwiegend jungen Berliner Kunden einen Volltreffer gelandet. 1000 E-Roller stellt der Sharing-Anbieter mittlerweile in der Hauptstadt zur Verfügung. Demnächst will man nach Paris expandieren. Das Geschäftsmodell funktioniert ähnlich wie die Carsharing-Angebote von BMW und Daimler. In bestimmten Innenstadt-Bezirken findet man die E-Vespas mithilfe einer Smartphone-App am Straßenrand, legt eine gewisse Wegstrecke zurück und stellt sie am Ankunftsort einfach wieder ab. Abgerechnet wird die Nutzungszeit.

In den zentralen Berliner Bezirken gehören die kleinen Mietflitzer inzwischen zum Alltag, fast minütlich zischen sie vorbei. Mit der Bosch-Tochter Coup konkurriert die kurz vorher gestartete Firma Emmy, die ihre orangefarbene Flotte bis Jahresende auf 750 Scooter aufstockt. Nach Einschätzung beider Unternehmen verträgt der Hauptstadt-Markt zwei Anbieter. Derzeit gehe es nicht darum, den anderen zu verdrängen, sondern Angebot und Nachfrage zu vergrößern. In manchen Apps werden beide Roller-Sharer verknüpft. Auch in Hamburg ist Emmy inzwischen aktiv.

Hochwertige E-Scooter sind ab 1800 Euro zu haben

Im Vergleich zu Elektroautos haben E-Scooter zwei Vorteile. Weil Roller ohnehin überwiegend für kurze Strecken verwendet werden, gibt es weder ein Problem mit zu geringer Reichweite noch mit zu wenigen Tankstellen. Beides löst man bei E-Rollern einfach, indem man die Batterie zwischen den kurzen Fahrten entnimmt, an der Steckdose auflädt oder durch einen geladenen Akku ersetzt.

Die Nachteile liegen auf der Hand: Kein Dach über dem Kopf und kein Platz, um Passagiere jenseits eines Beifahrers (bei Emmy möglich) oder gar Lasten zu befördern. Dafür sind die Preise geringer. Drei Euro kostet bei Coup die erste halbe Stunde, danach für je zehn Minuten ein Euro. Kaufen ist ebenfalls vergleichsweise günstig. Die Preise für hochwertige E-Roller beginnen bei 1800 Euro. Billige Importe aus dem E-Roller-Mutterland China gibt es sogar noch deutlich günstiger.

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