Geldanlage

Betrüger locken mit falschen Goldbarren in Online-Auktionen

| Lesedauer: 4 Minuten
Brigitte Scholtes
Geldanlage in echtem Gold ist in Zeiten der Niedrigzinsen beliebt.

Geldanlage in echtem Gold ist in Zeiten der Niedrigzinsen beliebt.

Foto: Db Heraeus / dpa

In Online-Auktionen wird oft gefälschtes Gold mit Preisnachlässen angeboten. Doch Schnäppchen sind selten. Wie man die Tricks erkennt.

Frankfurt/Main.  Gold als Geldanlage ist beliebt in Deutschland – immerhin dem drittgrößten Markt der Welt für physisches Gold. Doch nicht immer ist echt, was als Geldanlage verkauft wird. Und immer wieder fallen Kunden auf falsche Schnäppchen im Internet herein.

Die Fälschungen, die dort vertrieben werden, kämen vor allem aus China, sagt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Sprecher der Geschäftsführung des Edelmetallhandelshauses Degussa. 2012 wurde dort der Handel mit Gold liberalisiert, das macht das Geschäft für Betrüger lohnender. So werden im „Reich der Mitte“ Goldmünzen oder Barren gefälscht, indem man Messing, Kupfer oder Wolfram als Kern benutzt, der dann mit einer Goldschicht überzogen und originalgentreu verpackt wird.

Preis für Gold wird jeden Tag neu festgesetzt

Der beste Schutz vor falschen Barren ist, wenn sich der Käufer klarmacht: Schnäppchenpreise gibt es nicht beim Gold. Denn für das Edelmetall wird jeden Tag der Preis für den Ankauf neu festgesetzt, daran kann man sich gut orientieren. „Warum sollte also jemand im Internet einen Goldbarren für weniger Geld verkaufen und zusätzlich zehn Prozent Gebühren an das Onlineauktionshaus bezahlen?“, sagt Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service GmbH & Co. KG.

Aber auch optisch könne man manche Fälschungen erkennen. So gebe es immer nur eine Seriennummer für Goldbarren. Wenn also mehrere Goldbarren mit identischer Seriennummer angeboten werden, dann sind dies Fälschungen. Auch empfiehlt es sich, das Prägebild mit einem Referenzobjekt abzugleichen. Bilder und Maße auf seriösen Webseiten können weiterhelfen, wenn kein weiterer Goldbarren zur Hand ist. Stimmen sie überein, kann es zumindest ein Anhaltspunkt dafür sein, dass es sich um echtes Gold handelt.

Online-Shops sind nicht immer vertrauenswürdig

Bei Recherche und Kauf im Internet ist grundsätzlich Vorsicht geboten: Häufig ziehen Betrüger auch kurzfristig seriös anmutende Online-Shops auf. „Da hat es in jüngerer Zeit wieder drei Pleiten gegeben“, berichtet Wrzesniok-Rossbach von Degussa. Über einen solchen Shop werden Goldbarren oder -münzen „zu Kampfpreisen“, also vielleicht zehn Prozent unter Marktpreis, angeboten. „Niedrige Preise sind immer ein Warnzeichen beim Gold“, sagt der Goldexperte. Die Anbieter ziehen Aufmerksamkeit auf sich, indem sie bei Google viele Inserate schalten, sodass sie bei der Stichwortsuche stärker ins Auge fallen. „Da solche Betrüger immer mit Vorkasse arbeiten, liefern sie die Ware nicht und lassen die Käufer auf Millionen- wenn nicht sogar Milliardenschäden sitzen.“ Auch Gold, das gelegentlich an Autobahnraststätten angeboten wird, sei meist eine Fälschung, sagt der Goldfachmann.

Mit Hausmitteln lässt sich eine Fälschung leider nicht immer erkennen. So hat Wolfram fast das gleiche spezifische Gewicht wie Gold – ist aber viel billiger. Ein mögliches Unterscheidungskriterium: Echtes Gold reagiert anders als viele gefälschte Barren oder Münzen nicht auf stärkere Magnete, sondern wird abgestoßen.

Bei Münzen empfiehlt sich auch der Klangtest, sagt Dominik Lochmann von ESG: „Fallen sie auf eine harte Oberfläche, klingen Varianten aus echtem Gold hell und anhaltend, ähnlich einer Triangel.“

Wissenschaftliche Prüfung zeigt die Echtheit

Wer sichergehen will, sollte die Echtheit des Goldes wissenschaftlich prüfen lassen. Da gebe es eine ganze Armada von Methoden, sagt Wrzesniok-Rossbach. Es bietet sich unter anderem die Röntgen-Fluoreszenz-Analyse an. Dabei werden Röntgenstrahlen in eine Münze oder einen Barren gesendet, um eine Fluoreszenzstrahlung anzuregen. Weil jedes Material eine eigene Atomstruktur hat, kann so der Feingehalt eines Metalls bestimmt werden. Doch das geht nur bis zu vier Zentimetern. Der Feingehalt von stärkeren Barren lässt sich so nicht bestimmen.

Ob auch der Kern aus purem Gold ist, stellt man in einem solchen Fall nur über die elektrische Leitfähigkeit fest, die weist bei Gold immer denselben Wert auf. Solche Prüfungen können Banken oder seriöse Händler durchführen. Beim Ankauf gebe es aber wenige Fälschungen, sagt Wreszniok-Rossbach: Innerhalb eines Jahres seien das bei Degussa, immerhin europäischer Marktführer im Goldhandel, vielleicht fünf Fälle. Die Investition in Gold sollte man also sorgfältig planen und am besten einen seriösen Händler oder eine Bank aufsuchen. Dann dürfte man goldrichtig liegen.