Arbeitsmarkt

Langzeitarbeitslose finden immer seltener regulären Job

Langzeitarbeitslose Hartz-IV-Empfänger profitieren kaum vom Jobboom in Deutschland. Einen Arbeitsplatz zu finden gelingt nur wenigen.

Langzeitarbeitlose in Deutschland bekommen kaum noch einen Arbeitsplatz.

Langzeitarbeitlose in Deutschland bekommen kaum noch einen Arbeitsplatz.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin.  Nur wenige Langzeitarbeitslose finden einen neuen, regulären Job. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Bundesregierung berichtet, war 2016 nur bei jedem Sechsten von ihnen eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt der Grund für das Ende ihrer Arbeitslosigkeit. 2010 hätte hingegen noch jeder Vierte einen Job gefunden.

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet, dass es im vergangenen Jahr sogar nur jedem Achten gelungen sei, eine reguläre Arbeit aufzunehmen. Sie bezieht sich dabei auf eine Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann.

Aus anderen Gründen nicht mehr in der Statistik

Viele Betroffene wurden demnach aus anderen Gründen nicht mehr als langzeitarbeitslos in der Statistik geführt – etwa aufgrund von krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit, Rente oder der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen. Insgesamt gab es im Durchschnitt des vergangenen Jahres 993.073 Langzeiterwerbslose.

Für Kurzzeiterwerbslose, die weniger als zwölf Monate arbeitslos waren, war 2016 in fast jedem dritten Fall eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt der Grund für die Beendigung der Arbeitslosigkeit.

Linken-Vize fordert mehr Geld für Förderprogramme

Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Linken, Sabine Zimmermann, sagte, die Gründe, warum Langzeiterwerbslose nicht mehr als arbeitslos gezählt werden, seien nur zu einem kleinen Teil auf eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt zurückzuführen.

"Die Bundesregierung muss endlich die Realität zur Kenntnis nehmen und deutlich mehr für die vielen langzeiterwerbslosen Menschen tun", sagte Zimmermann. So müsse ausreichend Geld zur Unterstützung und für gute öffentlich geförderte Beschäftigung zur Verfügung gestellt werden.

Langzeitarbeitslose sind oft ohne Ausbildung

Laut der Grünen-Abgeordneten Brigitte Pothmer bekomme nicht einmal jeder zwanzigste Langzeitarbeitslose einen Job auf dem staatlich geförderten zweiten Arbeitsmarkt. 2010 habe dies noch für etwa jeden Zehnten gegolten. "Die bisherige Arbeitsmarktpolitik hat die abgehängt, die am meisten Unterstützung beim Wiedereinstieg in Arbeit brauchen", sagte Pothmer der SZ.

Schulz setzt in Arbeitsmarktpolitik auf Qualifizierung

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will im Falle eines Wahlsieges Qualifizierung und Weiterbildung für den Arbeitsmarkt einen weitaus höheren Rang einräumen. Arbeit, Qualifizierung und Weiterbildung seien heute Schlüsselwörter, sagte Schulz am Samstag bei einer SPD-Regionalkonferenz in Würzburg. "Wir hatten im vergangenen Jahrzehnt fünf Millionen Arbeitslose. Und heute haben wir Facharbeitermangel. Das ist der Grund, warum ich gemeinsam mit Andrea Nahles am kommenden Montag dem Parteivorstand der SPD ein Projekt vorschlage, wo wir die Bundesagentur für Arbeit weiterentwickeln wollen zu einer Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung. Wir wollen die Qualifizierung!" Der designierte SPD-Chef erneuerte die Forderung, die Überschüsse in den Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden für Investitionen in die Infrastruktur, den Bildungs-, den Sozialbereich, in Forschung und Entwicklung, aber auch in die digitalen Netze zu nutzen. Damit wende er sich gegen Vorstellungen etwa von Finanzminister Wolfgang Schäuble, die Finanzspielräume in den staatlichen Haushalten für eine Steuerreform zu nutzen, von der ohnehin vor allem die Privilegieren profitierten, so Schulz.
Schulz setzt in Arbeitsmarktpolitik auf Qualifizierung

Insgesamt gibt es bei der Langzeitarbeitslosigkeit einen Abwärtstrend. So lag die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, im Mai bei 910.000 – 97.000 weniger als vor einem Jahr. Den Betroffenen fehlt es laut BA häufig an der nötigen Ausbildung. Viele Langzeitarbeitslose wollten daher eine Stelle als Hilfskraft. Nur 17 Prozent der Jobs, die der BA gemeldet werden, sind Helferberufe.

Laut BA waren im Juni 2,473 Millionen Menschen ohne Job. Das war der niedrigste Wert in dem Monat seit 1991. (dpa/cho)

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