Vision

Mit dem Hyperloop von Berlin nach München in 46 Minuten

Das US-Unternehmen Hyperloop will Reisende mit Tempo 1200 durch Deutschland schicken. Ein erstes Konzept liegt jetzt vor.

Skizze einer Kapsel, mit der Reisende durch die Vakuumröhren rasen sollen.

Skizze einer Kapsel, mit der Reisende durch die Vakuumröhren rasen sollen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Uncredited / picture alliance / AP Photo

Berlin.  Mal eben an einem Tag zum Oktoberfest nach München reisen und zurück? Oder zum Kaffeetrinken kurz von Berlin an die Alster? Der US-Unternehmer Elon Musk will das möglich machen – mit einer Art gigantischer Rohrpost, die Güter und Personen in Kapseln durchs Land schießen soll. Jetzt hat sein Team die Vision für Europa in Amsterdam vorgestellt. Für Deutschland sieht das Konzept eine Hochgeschwindigkeits-Ringlinie vor. Ob die Vision Wirklichkeit wird, ist allerdings offen.

Hyperloop One heißt die Firma, die das Konzept umsetzen will. Die Idee: Gigantische Röhren mit einem Durchmesser von unter drei Metern sollen Großstädte verbinden. Durch die Röhren werden Kapseln mit bis zu Tempo 1200 geschickt – ähnlich einem Rohrpostsystem. In der Röhre soll fast ein Vakuum herrschen, den Abstand der Kapseln zu den Röhrenwänden soll ein elektromagnetisches Feld gewährleisten – eine ähnliche Technologie nutzt die Magnetschwebebahn. Die Kapseln können dem Plan nach Güter oder Personen transportieren. Die Röhren sollen auf Ständern etwa entlang von Autobahnen verlaufen.

Tunnel unter der Straße von Gibraltar

Für Deutschland schwebt den Ingenieuren eine Ringlinie vor: von Berlin über Nürnberg, München, Stuttgart, Frankfurt und Köln nach Hamburg und wieder nach Berlin. Die schöne neue Reisewelt sieht für die Strecke Berlin–Hamburg eine Fahrtzeit von 20 Minuten vor, für Berlin–München 46 Minuten und Hamburg–Köln 30 Minuten.

Die Ingenieure haben sich auch Gedanken über andere Strecken in Europa gemacht, die sich womöglich rechnen könnten: Madrid–Tanger: 629 Kilometer und 47 Minuten Fahrzeit, die Röhre würde unter der Straße von Gibraltar verlaufen. Oder Helsinki–Tallinn: 90 Kilometer unter der Ostsee hindurch, Fahrtzeit nur acht Minuten.

Hinter allem steht Tesla-Visionär Elon Musk

Was wie aus einem Science-Fiction-Roman klingt, erhält seinen Reiz dadurch, dass man es irgendwie doch für machbar hält. Und zwar wegen der Person, die dahintersteht: Elon Musk. Der US-Unternehmer zeigt bereits mit seinen Elektroautos der Marke Tesla, wie sich ein Markt umkrempeln lässt.

Zuerst wurde er belächelt, als er eine reine E-Automarke ankündigte und vor allem enorme Fertigungskapazitäten aufbaute, ohne die Bestellungen für die Fahrzeuge zu haben. Inzwischen gibt es eine Serienproduktion, mehrere Modelle, Zehntausende Vorbestellungen und einen Trend in der Branche zu Elektrofahrzeugen.

In 35 Minuten von Los Angeles nach San Francisco

Musk betreibt mit Space X auch eine Firma, die wiederverwendbare Raketen baut und inzwischen die Internationale Raumstation ISS versorgt. Vielleicht ist Hyperloop also doch nicht so fantastisch? Musk und sein Team stellten im August 2013 ein Konzept für eine Strecke zwischen den beiden kalifornischen Großstädten Los Angeles und San Francisco vor. Das Konzept kalkulierte mit sechs bis 7,5 Milliarden Dollar (5,4 bis 6,7 Milliarden Euro). Der Energiebedarf soll deutlich unter dem von Auto, Zug oder Flugzeug liegen, eine Fahrkarte nur wenig mehr als ein Zugticket kosten.

Vor allem soll das neue System mit Höchstgeschwindigkeiten bis Tempo 1200 auf der 560-Kilometer-Strecke deutlich schneller sein. Das ergibt ganz neue Möglichkeiten für Pendler, die in einer der beiden Städte wohnen, in der anderen arbeiten könnten. Die Fahrzeit soll 35 Minuten betragen.

500 Meter Teststrecke stehen schon

Ein Student der Universität Delft untersucht ein Testmodell, bevor es in eine Röhre geschickt wird. imago/ZUMA Press imago stock

Inzwischen nutzt Hyperloop in der Wüste von Nevada eine 500 Meter lange Teststrecke, erste Tests mit Gütern laufen. Eine erste Kapsel mit einer Länge von 30 Metern und für bis zu 40 Personen ist ebenfalls im Bau.

Das Projekt inspiriert weltweit die Ingenieure: Einen ersten internationalen Wettbewerb für die Kapseln gewann ein Team aus den Niederlanden, die Gruppe der Technischen Universität München lieferte das schnellste Kapseldesign ab. An der niederländischen TU Delft hat ein Start-up eine 30 Meter lange Teststrecke eröffnet. Die Röhren stehen schon.

Experten zweifeln an der Kostenkalkulation

Die jetzt für Europa vorgesehenen Strecken sind aus einem internationalen Wettbewerb im Netz hervorgegangen. Ob sie je gebaut werden, ist unklar. Hyperloop ist sicher, dass sich das System bauen und bezahlbar betreiben lässt. Vor allem Letzteres bezweifeln Experten und erwarten enorm hohe Kosten, um die Technik im großen Stil einsetzen zu können.

Denn um die Kapseln auf eine Geschwindigkeit von 1200 Kilometer pro Stunde beschleunigen zu können, muss in der Röhre ein sehr großes Vakuum herrschen – ein so geringer Druck wie im Weltraum. Wie sich das über mehrere Hundert Kilometer sicherstellen lässt, ist unklar. Angesichts der Summe, die der Staat Kalifornien für die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco einplant – mindestens 42 Milliarden Dollar –, wirkt die Hyperloop-Kalkulation mit sechs Milliarden Dollar sehr zurückhaltend.

Unbequeme Reise und Sicherheitsbedenken

Die Reise könnte aber auch unbequem werden. Denn die Fahrgäste reisen in vergleichsweise engen, fensterlosen Kabinen. Auch Sicherheitsbedenken gibt es, etwa wie sich im Notfall Passagiere aus den Röhren retten lassen.

In Europa, besonders in Deutschland, würde es wahrscheinlich noch ein anderes, wesentlich komplizierteres Hindernis geben: das Planungs- und Baurecht. Denn für ein solches Röhrensystem mit Bahnhöfen, Brücken und Tunneln, wie Hyperloop es plant, müsste kräftig in die Landschaft eingegriffen werden. Ob etwa Bayern, das schon Windenergieanlagen und Hochspannungsleitungen als problematisch ansieht, aufgeständerte Röhren in der Landschaft zulässt, scheint eher unwahrscheinlich. Ganz zu schweigen von den möglichen Einwänden von Bürgerinitiativen.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist man allerdings schon deutlich weiter: Abu Dhabi will untersuchen lassen, ob die Verbindung ins 142 Kilometer entfernte Al-Aïn, eine Stadt an der Grenze zum Oman, machbar ist. Die Strecke führe größtenteils durch die Wüste. Die Scheichs hätten auch das nötige Geld – Abu Dhabi gehört zu den großen Ölfördernationen.

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