Smart Home

Neue HD-Kamera der NestLabs schaut genau ins Wohnzimmer

Die neue Überwachungskamera NestCamIQ informiert ihre Nutzer über alles Wichtige, was Zuhause passiert.

Die Smartphone-App zeigt das Foto der Überwachungskamera NestCamIQ

Die Smartphone-App zeigt das Foto der Überwachungskamera NestCamIQ

Foto: Nest / BM

Berlin.  Gestochen scharfe Bilder aus der Wohnung auf dem Handy-Bildschirm – Das verspricht die neue Web-Überwachungskamera NestCamIQ, die Ende Juni in Deutschland auf den Markt kommen soll. Sie kann zwischen Personen und Dingen unterscheiden und Bewegungen folgen.

Das Technologieunternehmen Nest stellte das Hightech-Gerät jetzt in Berlin vor. Nest ist eine Tochter der Internet-Holding Alphabet, zu der auch Google gehört. Der Sensor zeichnet Bilder mit vierfacher HD-Qualität (4K) auf und zoomt automatisch bis zu 12-fach, wenn sich im Aufnahmefeld etwas bewegt. Gespeichert wird allerdings "nur" in HD-Qualität (1080p). Dank 4K-Sensor sind die Bilder trotzdem gestochen scharf. Die Kamera kostet 349 Euro.

Kunden suchen Sicherheit

"70 bis 80 Prozent unserer Kunden geht es bei der Kamera um Sicherheit", sagt Lionel Paillet, Nests Chef für das Europageschäft. An zweiter Stelle kommt die Überwachung der Haustiere. Nachts zeichnet die Kamera mit Infrarot-Licht auf – ohne roten Schein. Strom bekommt sie über einen USB-C-Anschluss, was die Kontrolle von Batterien überflüssig macht.

"Unsere Kameras sind nicht nur ein paar Augen. Sie können sprechen und zuhören", sagt Paillet. Das sei wichtig, egal ob ein Einbrecher vertrieben oder das Haustier beruhigt werde, sagt der Manager.

Kamera erkennt Bewegung

Die Kamera sammelt Daten ohne Ende: bis zu 80 Gigabyte monatlich, wie der Manager sagt. Diese Bilder sind so lange uninteressant, wie sich nichts auf ihnen bewegt. Kommt jedoch in der überwachten Wohnung Bewegung oder Lärm ins Spiel, wird die Software aktiv und zoomt automatisch in Richtung der Bewegung und folgt ihr. In der Gratisversion gibt es dann eine Mitteilung mit Live-Video aufs Handy.

In der Premium-Version "Nest Aware" (100 Euro pro Jahr oder 10 Euro für einen Monat) erkennt die Kamera-Software Gesicht und Gestalt des gefilmten Objekts. Das Programm gleicht die Aufnahmen mit der Datenbank in der Internetwolke ab, wo man Fotos von Familienmitgliedern und regelmäßigen Besucher speichern kann. "Wir benachrichtigen dann den Nutzer, wer im Haus ist oder sagen ihm, ob es ein Fremder ist", sagt Paillet. "Die Anwendung lässt sich auch so einstellen, dass nur bei einem Fremden benachrichtigt wird."

Sensibles Thema Privatsphäre

Neun Milliarden Mal hat die Plattform nach Unternehmensangaben bereits Gesichter gescannt und zwischen bekannt und unbekannt unterschieden, wie die Nest-Manager sagen. Datenschützer dürften die Plattform deshalb mit Skepsis sehen – zumal die Plattform jeden Tag Videos mit einer Abspieldauer von insgesamt 2000 Jahren aufgezeichnet.

Das Unternehmen beteuert, die Privatsphäre zu schützen. Leuchtende LED rings um das Objektiv zeigen, ob die Kamera aktiv oder nicht. "Wenn ein Familienmitglied nach Hause kommt, schaltet sich die Kamera ab", sagt Paillet. Dafür sorgt der Standortdienst des Smartphones, das die Geodaten der Wohnung kennt. Verlässt das letzte Familienmitglied das Haus, schaltet sich die Software scharf. Auch werde die Bibliothek der gescannten Gesichter ausschließlich für den jeweiligen Account genutzt, versichern die Nest-Manager. Nest versichert ferner, die Internetverbindung sei Ende-zu-Ende verschlüsselt.

iPod-Erfinder baut Thermostate

Die Ingenieure Tony Fadell (einer der Erfinder von Apples iPod) und Matt Rogers haben Nest vor sieben Jahren in einer Garage in Palo Alto (US-Bundesstaat Kalifornien) gegründet. Dort entwickelten sie Thermostate für Klimaanlagen, die Nutzer per Smartphone-App von unterwegs steuern können. Das Unternehmen wurde von Google im März 2014 für drei Milliarden US-Dollar gekauft und expandierte einige Monate später nach Europa.

Nach Deutschland kam die US-Firma erst vor drei Monaten – mit zwei Überwachungskameras und dem vernetzen Rauchmelder "Nest Protect". Das Geschäft entwickele sich "planmäßig und sehr gut", sagte Paillet.

Produkte für intelligente Zuhause

Auf die Thermostate müssen deutsche Kunden allerdings noch warten. An der Entwicklung wird gearbeitet. Eine schwierige Aufgabe: Denn ein Großteil der Heizungen in Deutschland hat keine zentralen Thermostate. Der andere Teil der Wohnungen verfügt dagegen über hochtechnische energieeffiziente Regelungssysteme der Heizungshersteller, mit denen Nest nicht in Konkurrenz treten will.

"Wir gehen erst auf den deutschen Markt, wenn wir eine integrierte Lösung gefunden haben", sagt der Europachef des US-Unternehmens. Überhaupt strebt Nest eine offene Plattform an. Es gibt bereits 140 Produkte für das intelligent vernetzte Zuhause, die mit den Nest-Geräten kompatibel sind.

NestLabs baut Datenplattform

Nest ist aber auch eine Datenplattform. So werden in Austin (USA) an heißen Tagen durch das intelligente Fernsteuern der Klimaanlagen mit Nest-Thermostaten kostenintensive Spitzenlasten von Kraftwerken gesenkt: Weil Nest weiß, wann seine Nutzer normalerweise nach Hause kommen, kann mit der Kühlung der Wohnungen vor der Rush Hour begonnen werden.

Die Klimaanlagen wurden – mit Zustimmung der Kunden – früher als sonst auf kleiner Stufe gestartet. Dadurch sank der Spitzenverbrauch. Energiekunden, die sich an dem Programm beteiligten, bekamen von ihrem Stromlieferanten einen Rabatt. Wie Paillet sagt, hat die Technologie von Nest bereits 15 Milliarden Kilowattstunden Strom eingespart.

Schrittweise zum Smart Home

Smart Home bedeutet für Nest, "ein Zuhause und Technologien zu schaffen, die sich um die Menschen kümmern", wie Paillet sagt. Das ist ein Prozess. "Niemand kauft sich ein Smart Home. Die Menschen kaufen aber Produkte, die ihr Zuhause Schritt für Schritt smarter machen."

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